Rheinfelden

Kinder lernen das Einmaleins der Nothilfe

Die Schülern lernen einen Druckverband anzulegen.

Die Schülern lernen einen Druckverband anzulegen.

Das Projekt «Wenn Kinder Grosses leisten» war am Montag im Rheinfelder Schulhaus Schützenmatt zu Gast. Das Ziel: Den Schülern zeigen,wie sie in Notfallsituationen richtig handeln.

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6a im Rheinfelder Schulhaus Schützenmatt verlassen den Unterricht an diesem Montagnachmittag mit «blutigen» Verbänden um Arme und Beine. Grund ist nicht etwa eine brutale Auseinandersetzung – nein: Die Schülerinnen und Schüler haben eben gelernt, wie sie in Notfallsituationen richtig handeln. Dazu gehören auch Schnittverletzungen. In diesem Fall allerdings fliesst nur Kunstblut.

»Die beiden Rettungssanitäter Stefan Franzen und Beat Theiler touren seit 2012 durch Schweizer Schulhäuser und bringen den Kindern die Notfallmedizin näher. Das Projekt nennt sich «Wenn Kinder Grosses leisten». Während ihrer eigenen Ausbildung zum Rettungssanitäter – beide waren zuvor in handwerklichen Berufen tätig – sei ihnen bewusst geworden, wie wenig sie eigentlich über die erste Hilfe wüssten, erzählt Beat Theiler. «Die meisten lernen die Grundlagen im Nothelferkurs während der Schulzeit und dann vielleicht noch im Militär und das ist es auch schon.»

Die 12 häufigsten Notfälle

Als Diplomarbeit entwickelten sie deshalb ein Kinderbuch als Grundlage für den Schulunterricht, das «Kindernotfallbuch». Es ist in einfacher Sprache ohne Fremd- oder Fachwörter verfasst und mit Zeichnungen bebildert. Behandelt werden im Buch die 12 häufigsten Notfälle. Etwa Gehirnerschütterungen, Insektenstiche, Nasenbluten – oder eben Schnittwunden.

Die Rettungssanitäter Stefan Franzen (links) und Beat Theiler zeigen den Rheinfelder Schülern, wie eine Wunde mit einem Druckverband versehen wird.

Die Rettungssanitäter Stefan Franzen (links) und Beat Theiler zeigen den Rheinfelder Schülern, wie eine Wunde mit einem Druckverband versehen wird.

Die Fallbeispiele sind lebensnah und alltagsbezogen. Das Szenario bei den Schnittwunden etwa ist eine Schulreise: Einer der Schüler rutscht beim Schnitzen des Brätel-Steckens ab und schneidet sich in den Arm. Jetzt erklären die beiden Rettungssanitäter die Funktionen des Bluts und wie viel Blut Erwachsene und Kinder verlieren können, bis es lebensgefährlich wird. Mit Eistee-Tetrapacks veranschaulichen die Rettungssanitäter die Menge. Auf einer Tabelle können die Kinder ablesen, wie viel genau es bei ihrem eigenen Gewicht ist.

Auch die Eltern schulen

In kleinen Gruppen üben die Schülerinnen und Schüler anschliessend, wie sie eine Wunde mit einem Druckverband versehen können. Die beiden Rettungssanitäter geben Tipps. Etwa, dass dazu im Notfall auch ein Schal oder ein T-Shirt statt ein Verband benutzt werden kann.

«Die Idee ist einerseits, den Kindern die nötigen Erste-Hilfe-Massnahmen zu zeigen – und andererseits auch, die Eltern daran zu erinnern», so Theiler. Etwa, wenn die Kinder zu Hause vom Gelernten erzählen. Oder wenn die Eltern vom Buch hören und dieses als Ratgeber kaufen. Die erste Auflage des «Kindernotfallbuchs» ist inzwischen vergriffen. Eine zweite Auflage – in der auch die Themen Schlaganfall und Herzinfarkt behandelt werden – ist in Arbeit.

Das Ziel der beiden Rettungssanitäter ist es, Kindern wie Erwachsenen die Angst vor dem Helfen zu nehmen. «Viele glauben, sie würden etwas falsch machen. Aber falsch ist nur, wegzuschauen, statt zu helfen», sagt Theiler.

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