Gansingen
«Keiner will uns»: Ein Sozialhilfe-Paar verzweifelt bei der Wohnungssuche

Michael und Monika Steimer müssen ihre Wohnung Ende Juni verlassen – wo sie unterkommen, ist offen. Eine passende Wohnung haben sie während Monaten nicht gefunden. Die Gemeinde bietet den Sozialhilfeempfängern jetzt einen Wohncontainer an.

Nadine Böni
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Monika und Michael Steimer mit den Hunden Lilly und Edi müssen ihre Wohnung verlassen – wohin sie gehen ist unklar.

Monika und Michael Steimer mit den Hunden Lilly und Edi müssen ihre Wohnung verlassen – wohin sie gehen ist unklar.

Nadine Böni

Was in genau einer Woche, am 30. Juni, geschieht, das wissen Michael und Monika Steimer nicht. Das Ehepaar aus Gansingen muss seine 31⁄2-Zimmer-Einliegerwohnung Ende Monat verlassen. Die ersten Kartonschachteln stehen zwar vollgepackt in der Küche. Eine neue Wohnung haben Steimers aber noch nicht.

«Keiner will uns haben», sagt Monika Steimer. «Entweder es sind die Hunde, oder es ist die Tatsache, dass wir Sozialhilfebezüger sind – die Vermieter finden immer einen Grund, uns die Wohnung nicht zu geben», sagt Michael Steimer. Dabei beteuert das Ehepaar, dass sie von der jetzigen Vermieterin eine ausgezeichnete Referenz vorlegen könnten. Sie habe den Mietvertrag gekündigt, weil es einfacher sei, das Haus zu verkaufen, wenn die Wohnung leer stünde.

Ein Hilferuf

«Wir haben lieber weniger gegessen als die Miete zu spät bezahlt», sagt Michael Steimer. Die beiden Hunde seien sehr ruhig, würden nie bellen. «Das kann natürlich jeder sagen», weiss Steimer. «Aber gerade deshalb nehmen wir zu Besichtigungen die Hunde mit, damit sich die Vermieter selber ein Bild machen können.»

In ihrer Verzweiflung wandten sich Monika und Michael Steimer vergangene Woche an den «Blick», erzählten ihre Geschichte, hofften, dass sich dadurch irgendeine Möglichkeit ergeben würde. «Das war ein Hilferuf, wir wollten nicht jammern», sagt Michael Steimer. Sowohl er, als auch seine Frau warten seit Jahren auf Zahlungen der Invalidenversicherung.

Monika Steimer, damals als Betreuerin von Schwerstbehinderten tätig, war im Winter 2006 in eine Massenkarambolage verwickelt – unschuldig. Eine Anzeige gegen sie gab es nicht. Sie erlitt ein Schleudertrauma und hat seither mit Schwindelanfällen und ständigen Beschwerden an der Wirbelsäule zu kämpfen.

Um den damaligen Lebensstandard zu halten, erhöhte Michael Steimer sein Pensum, arbeitete als Liftmonteur auf Prämien – «bis es nicht mehr ging», sagt er. Vier Bandscheibenvorfälle erlitt er bis zu seiner Kündigung 2010. Heute seien sie beide zu 100 Prozent krank geschrieben, sagt Steimer. «Wenn ich bei der guten Fee einen Wunsch frei hätte, würde ich nicht um die IV-Rente bitten. Ich würde darum bitten, wieder gesund zu sein», ergänzt seine Frau.

Monatelange Wohnungssuche

Mit den körperlichen Problemen kamen auch die finanziellen Schwierigkeiten. Die grosse Wohnung in Wädenswil musste die Familie verlassen. Die Suche nach einer neuen Wohnung gestaltete sich schon damals schwierig. Nach Monaten wurden sie in Gansingen fündig. Und jetzt, nach drei Jahren, müssen sie wieder gehen.

Die Gemeinde bot dem Ehepaar das nahe «Bed and Breakfast» an. Sie lehnten ab. «Wir wollen nicht unser ganzes Mobiliar verkaufen und die Hunde in ein Heim geben. Ausserdem hätten wir tagsüber nicht dort sein können», sagt Michael Steimer. Jetzt bietet die Gemeinde dem Ehepaar den Wohncontainer bei der Sammelstelle an. Knapp 40 Quadratmeter. «Wir wollen nicht wie Krösusse leben – aber sicher auch nicht in einer Baracke», sagt Steimer.

«Container ist Notlösung»

Der Wohncontainer, den die Gemeinde den Steimers angeboten habe, sei «die Notlösung für den allerschlimmsten Fall», sagt Gemeinderätin Hanni Jappert. «Wir bedauern, dass die Familie Steimer so lange keine Wohnung gefunden hat.» Die Gemeinde sei Steimers in verschiedenen Fällen entgegengekommen. So habe sie bei der Wohnungssuche geholfen und erlaubt, dass sie ihr Auto behalten dürfen, sagt Jappert. «Wir wollen sie nicht aus Gansingen verjagen.»

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