Fricktal
Keine Shorts für Strassenbauer: Der Dresscode kennt kein Hitzefrei

Bei der Erne AG müssen Strassenarbeiter auf kurze Hosen verzichten – auch in Vertrieb und Banken sind sie tabu.

Dennis Kalt
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Diese Zeiten sind vorbei: Seit dem 1.Januar 2017 ist das Tragen von langen Hosen im Bereich von öffentlichen Strassen obligatorisch. Gaetan Bally/Keystone

Diese Zeiten sind vorbei: Seit dem 1.Januar 2017 ist das Tragen von langen Hosen im Bereich von öffentlichen Strassen obligatorisch. Gaetan Bally/Keystone

KEYSTONE

Wenn die Temperaturen sich der 30-Grad-Marke nähern, greift so manch einer zur kurzen Hose. Mag es in der Freizeit jedem freigestellt sein, mit Shorts, Bermudas oder Caprihosen herumzulaufen, so ist dies an einigen Arbeitsplätzen verboten. Dies gilt auch für Bauarbeiter. So reichte gemäss «Luzerner Zeitung» die Gewerkschaft Syna beim Schwyzer Baudirektor Othmar Reichmuth kürzlich eine Petition mit über 600 gesammelten Unterschriften von Bauarbeitern ein. Mit der Petition wehren sich diese gegen eine Weisung, die auf gewissen Baustellen auch im Sommer lange Hosen vorschreibt. Doch sind auch Bauarbeiter im Fricktal davon betroffen? Und welche Unternehmen lassen ihre Angestellten in kurzen Hosen arbeiten ? Die AZ hat nachgefragt.

Yvonne Gredig, Sprecherin der Erne AG Bauunternehmung aus Laufenburg, bestätigt, dass Angestellte des Unternehmens, die im Strassenbau tätig sind, keine kurzen Hosen tragen dürfen. «Alle Personen, die im öffentlichen Verkehrsraum arbeiten, müssen Sicherheitsbekleidung der Klasse 3 tragen, damit ihre Sichtbarkeit für die Verkehrsteilnehmer gewährleistet wird», erklärt Gredig. Klasse 3 bedeutet, dass die Beine komplett bedeckt werden müssen, damit die Fläche des fluoreszierenden Stoffes der Hose entsprechend gross ist. «Für Bauarbeiter, die im Hochbau arbeiten, gibt es keine explizite Vorschrift, lange Hosen zu tragen, es sei denn die Art der Tätigkeit erfordert dies», so Gredig.

Bei Temperaturen von 30 Grad Celsius und mehr sei es verständlich, dass es die Strassenbauarbeiter nicht gerade angenehm finden, wenn sie in eine lange Hose steigen müssen. «Die Sicherheitsvorschriften und das Wohlbefinden des Bauarbeiters stehen sich dann diametral gegenüber», sagt Gredig. Tendenzen des politischen Widerstandes der Bauarbeiter gegen die Lange-Hosen-Regelung wie im Kanton Schwyz gibt es im Aargau bisher nicht, sagt Syna-Sprecher Dieter Egli. «Wir werden in den nächsten Monaten unsere Mitglieder in den verschiedenen Kantonen befragen, was die Strassenbauarbeiter von der Regelung halten.» Abhängig von den Ergebnissen wird die Gewerkschaft auf nationaler Ebene aktiv.

Ebenso wie bei der Firma Jehle aus Etzgen gibt es bei den beiden Pharmariesen Novartis mit rund 1800 Angestellte in Stein und Roche mit rund 3000 Angestellte in Kaiseraugst keine offiziellen Kleidungsvorschriften. «Unsere Mitarbeiter wählen im Geschäftsalltag die Kleidung, die ihrer Rolle, ihrem Aufgabenbereich und ihrem beruflichen Kontaktumfeld entspricht», so Novartis-Sprecher Satoshi Sugimoto. Bei Roche tragen die Angestellten laut Mediensprecherin Simone Oeschger überwiegend «Business Casual». «Hosen, Röcke und Kleider sollten der Situation angemessen sein. Im Vertrieb sollten keine kurzen Hosen oder Miniröcke getragen werden», sagt Oeschger.

Dresscode kennt kein Hitzefrei

Für die Bankangestellten von Raiffeisen ist der Dresscode im Empfehlungsblatt «Kleider machen Leute» vorgegeben. Danach sind neben einem Dreitagebart und übertriebenem Make-up auch kurze Hosen, Miniröcke und tiefe Ausschnitte tabu. «Unsere Räume sind gut klimatisiert. Da stellt sich die Frage nach kurzen Hosen nicht», sagt Marc Meier, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Wegenstettertal. Für Peter Wiedmer, stellvertretender Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Regio Frick, ist der Anzug unerlässlich. «Die Kunden müssen uns Vertrauen können. Ein Aspekt, mit dem wir Vertrauen schaffen, ist mit einem seriösen Erscheinungsbild. Der Anzug steht für Seriosität, eine kurze Hose weniger», so Wiedmer.