Vor rund zwei Wochen hat der Gemeinderat Möhlin über den Entscheid informiert, künftig keine Oberstufenschüler mehr nach Wegenstetten zu schicken. Der Schulstandort Wegenstetten steht damit vor dem Aus. Gerade im Tal hat das für viel Kritik gesorgt. Jetzt nimmt der Möhliner Ammann Fredy Böni Stellung.

Der Entscheid hat hohe Wellen geworfen. Warum?

Fredy Böni: Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens wog man sich wohl in Sicherheit, weil der Möhliner Gemeinderat angekündigt hatte, die Variante mit Wegenstetten als Aussenstandort zu prüfen. Zweitens kommen unangenehme Botschaften nie gut an – egal, wie man sie kommuniziert.

Wann fiel denn in Möhlin der Entscheid, dass es mit dieser Variante nicht klappt?

Wir riefen im Herbst eine Steuergruppe ins Leben und bildeten vier Arbeitsgruppen. Die Zusammenarbeit hat in drei Arbeitsgruppen sehr gut funktioniert – in der vierten Arbeitsgruppe, die sich um das Thema Schulführung kümmerte, hingegen schlichtweg nicht.

Warum?

Tatsache ist, dass eine Person – den Namen möchte ich hier nicht nennen – permanent Abklärungen auf eigene Faust betrieben hat, stets die eigene Meinung durchsetzen wollte, teilweise auch entgegen den Ansichten der Politiker aus den Talgemeinden. Das führte dazu, dass wir im März eine Sitzung mit dem kantonalen Departement für Bildung, Kultur und Sport (BKS) einberufen.

Und dann?

Bis dahin gingen wir davon aus, dass ein Infrastrukturvertrag möglich ist. Dass also Möhlin die Räumlichkeiten in Wegenstetten und Hellikon mieten könnte. Das hat sich da im Winde zerschlagen. Das BKS hat uns informiert, dass rechtlich nur eine Lösung mit einem neuen Schulkreisvertrag möglich ist. Das kommt für uns nicht infrage. Das haben alle Anwesenden gehört. Es ist also nicht so, dass der Entscheid aus dem luftleeren Raum gekommen ist.

Hätte die Reaktion – zumindest in ihrer Heftigkeit – verhindert werden können?

Ja, und ich habe alles versucht, dass wir eine gemeinsame Mitteilung veröffentlichen können. Leider ist das nicht geglückt, weil für die beiden Ammänner der Standortgemeinden klar war, dass sie ihre eigene Position darlegen wollen. Das kann ich nachvollziehen. Besser wäre aber gewesen, wenn wir in der Öffentlichkeit eine Einigkeit hätten dokumentieren können, um in Ruhe das weitere Vorgehen zu besprechen.

Das ist nicht passiert. Im Gegenteil: Die Talgemeinden luden zu einer eigenen Medienkonferenz und äusserten Kritik am Vorgehen von Möhlin. Was ist an der Kritik dran – ist es ein Alleingang von Möhlin?

Der Gemeinderat hat nicht nur beschlossen, keine eigenen Schüler mehr nach Wegenstetten zu schicken, sondern auch ein Angebot gemacht. Die Sekundarschüler aus dem Tal können in Zukunft in Möhlin zur Schule gehen. Ausserdem haben wir in Aussicht gestellt, den Standort Wegenstetten während einer zweijährigen Übergangsfrist weiterzuführen.

Gilt das Angebot auch für die Lehrpersonen?

Wir haben schon im Vorfeld und in den Verhandlungen immer betont, dass wir die Lehrpersonen übernehmen, sollte die Schulführung nach Möhlin wechseln.

Trotzdem: Ist der Vorwurf der fehlenden Solidarität gerechtfertigt?

Möhlin hat bewiesen, dass es bereit ist, seinen Teil für den Standort Wegenstetten zu leisten und hat auch in den Arbeitsgruppen immer offen an einer Lösung gearbeitet. Aber: 2011/12 schickten wir 18 Schüler nach Wegenstetten, aktuell sind es 66 Schüler. Diese Ausgangslage hat zur Überlegung geführt, dass es so nicht weiter geht. Ich hoffe schon, dass man das versteht.

An der Medienkonferenz in Möhlin sagten Sie: «Möhlin muss jetzt für sich schauen.» Das tönt aber tatsächlich wenig solidarisch.

Zu dieser Aussage stehe ich. Der Gemeinderat Möhlin ist vom Stimmvolk Möhlin gewählt und hat in erster Linie das Interesse des Stimmvolkes von Möhlin zu vertreten. In zweiter Linie kommt die Zusammenarbeit mit anderen. Und wir wollen ja weiter mit dem Tal zusammenarbeiten.

Haben Sie umgekehrt auch Kritik am Tal?

Ich muss immer relativieren, wenn wir von den Talgemeinden reden. Zeiningen und Zuzgen sind eigentlich passiv im Boot. Es geht um die Standortgemeinden Wegenstetten und Hellikon.

Und wie lautet die Kritik?

Es gibt mehrere Punkte, die ich auch mit den betroffenen Ammännern angesprochen habe. Während den Abklärungen in den Arbeitsgruppen ist etwa klar geworden, dass der Schulleiter der Kreisschule zulasten von Möhlin ein zu hohes Pensum für die Oberstufe hatte. Ich habe vorher von Personen gesprochen, die den Prozess im Bereich Schulführung hintertreiben – und dann kommt auch noch so etwas. Da ist das volle Vertrauen einfach nicht mehr da.

Eine zuverlässige Quelle sagt auch, dass die beiden Standortgemeinden untereinander tiefere Schulgelder verrechneten – Möhlin aber den vollen Betrag bezahlen musste.

Dazu werde ich öffentlich keine Stellung nehmen. Diese Frage sollen die Standortgemeinden beantworten. Klar ist: Im bestehenden Schulkreisvertrag ist festgehalten, dass die Standortgemeinden ein einheitliches Schulgeld anstreben.

Bei Ihnen hat sich aber das Gefühl aufgedrängt, dass Möhlin der willkommene Geldgeber war?

Das ist so. Und: Der Umstand, dass wir immer mehr Schüler aus der Sek nach Wegenstetten schicken mussten, hat in Möhlin zu einem Abbau geführt. Es gab vorzeitige Pensionierungen und gekürzte Pensen. In Wegenstetten aber wurden Lehrpersonen stets von woanders rekrutiert und niemand aus Möhlin engagiert. So viel zum Thema Solidarität.

Um was ging es den Standortgemeinden – darum, die eigenen Investitionen in die Schulräume und die Kochschule zu retten?

Ja. Wobei wir nie ein Mitspracherecht hatten, wenn es darum ging, ob im Tal Geld in die Schule investiert wird. Das muss auch nicht sein. Aber ich habe Mühe, wenn uns jetzt die Schuld in die Schuhe geschoben wird.

Wie gross ist auf Möhliner Seite das Vertrauen in die Vertreter der Talgemeinden noch?

Im Raum steht eine weitere Zusammenarbeit auch im Bereich Schule. Dieses Angebot haben wir gemacht, das ist ein Zeichen des Vertrauens. An unserem Entscheid gibt es nichts mehr zu rütteln. Die Frage ist, wie die Talgemeinden jetzt reagieren. Ich kann nicht beurteilen, wie weit sie gehen.

Aber von Ihrer Seite spricht nichts gegen eine weitere Zusammenarbeit?

Selbstverständlich nicht. Wir bieten gerne Hand. Das Beispiel der gemeinsamen Feuerwehr Zeiningen-Möhlin zeigt doch, welch gute Dienstleistungen aus der Zusammenarbeit entstehen können. Wir sind überzeugt: Das ist der richtige Weg, wenn auch in diesem Fall ein sicher schmerzhafter Weg.