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Keine deutsche Konkurrenz mehr wegen Corona: Fricktaler Wirte könnten gewinnen

Dogan Biryar mit seinem Imbiss in Stein ist auf den kommenden Montag gespannt.

Dogan Biryar mit seinem Imbiss in Stein ist auf den kommenden Montag gespannt.

Ab Montag hat die Schweizer Gastronomie für vier Wochen keine Konkurrenz mehr auf deutscher Seite.

«Mal schauen, wie es ab Montag läuft», sagt Dogan Biryar, der seit 15 Jahren den Imbiss vis-à-vis des Novartis-Werks Stein betreibt. «Ich habe zu 90 Prozent Stammkunden von Novartis und DSM», berichtet er. Er weiss, dass Mitarbeiter dieser Unternehmen gerne auch in der Mittagspause über die Holzbrücke nach Bad Säckingen gehen, um dort zu essen. Das können sie ab nächster Woche nicht mehr.

Ab Montag hat die deutsche Gastronomie für vier Wochen geschlossen. «Wir werden deswegen sicher nicht mehr Gäste haben», glaubt Anne Weber, die mit Vincenzo Crifasi auf dem «Adler» in Laufenburg wirtet. Auch damit, dass jetzt die Deutschen verstärkt die Schweizer Gastronomie aufsuchten, rechnet sie nicht. «Dafür ist das Teuer-Image noch zu sehr in den Köpfen drin.»

Nur in den Köpfen? «Ja», sagt sie, «denn das Niveau hat sich zumindest direkt am Hochrhein angeglichen. Die Unterschiede sind nicht mehr gross.» Auch zu Erika Lagler vom Restaurant Warteck in Laufenburg kamen schon vor Corona so gut wie keine deutschen Gäste: «Das ist die Ausnahme, obwohl wir eigentlich eher günstig sind.»

Eine kleine Zahl deutscher Gäste habe er schon, berichtet Andy Neaves vom Rheinfelder Restaurant Rhein-Mühle. «Dass sie ab Montag Schlange stehen, denke ich aber nicht», schätzt er. Ähnlich tönt es bei Irène Hofmann vom «Steinbock» in Stein. Ihr macht aber noch mehr Sorgen, dass momentan auch die Schweizer wenig Lust aufs Essengehen hätten. «Das merke ich, seit am 19. Oktober schweizweit die Maskenpflicht für Restaurantbesuche gilt», erzählt die Steiner Wirtin.

Homeoffice schmälert das Mittagsgeschäft

Neuerdings bietet sie Mittagsmenus zum Abholen an, um den Ängsten vor einer Ansteckung zu begegnen. «Man darf ja nicht nur jammern. Man muss ja was machen.» Auch Lagler merkt die Zurückhaltung der Schweizer, was das Essengehen in Restaurants betrifft: «Was ja auch kein Wunder ist, wenn das Gebot der Politik ist, Kontakte zu vermeiden.»

Spürbar sei auch die Auf­forderung, möglichst im Homeoffice zu arbeiten. «Das schmälert bei uns das Mittagsgeschäft», so Neaves. Was auf der anderen Rheinseite passiert, lässt die Fricktaler Wirte nicht kalt. «Ich finde die vierwöchige Schliessung der deutschen Restaurants unfair», sagt Weber, selbst aus Laufenburg/Baden stammend: «Das Ansteckungsrisiko in der Gastronomie ist doch gering.» Lagler indes ist der Meinung: «Alles herunterzufahren, wäre auch bei uns nicht schlecht.»

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