Frick
Keine «Chriesi»-Ernte: Asylbewerber werden in Frick zurückgewiesen

Enttäuschte Asylsuchende aus dem Baselland mussten am Montag statt «i d’Chriesi ga» wieder nach Hause fahren. Auf gut Glück waren sie angereist, doch im Fricktal gab es für sie keine Arbeit.

Sabina Galbiati
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Die Kirschenernte im Fricktal fiel für mehrere Asylsuchende aus.

Die Kirschenernte im Fricktal fiel für mehrere Asylsuchende aus.

Keystone

Zehn Asylsuchende am Bahnhof Frick ziehen lange Gesichter, als Lukas Siegfried, Abteilungsleiter des Ausländer- und Flüchtlingsdienstes «Elim» in Basel, gestern früh die jungen Männer wieder heimschicken muss. Sie reisten eigens zum Chriesi-Ernten mit dem Zug aus Baselland an. Auf Englisch und Deutsch erklärt er ihnen geduldig, sie stünden nicht auf der Liste zum Kirschenpflücken bei den Landwirten hier in der Region.

Noch bevor Lukas Siegfried am Bahnhof Frick eintrifft, melden die Landwirte aus Baselland am frühen Montagmorgen, sie könnten die zehn Asylsuchenden, die ihnen zugeteilt wurden, nicht beschäftigen. Hagel und Sturm am Wochenende hätten 30 Prozent ihrer Kirschenernte vernichtet.

Zuteilung von Zentrale aus

Just jene zehn Männer hofften, im Fricktal «i d’Chriesi zu können». Sie reisten auf gut Glück nach Frick. Doch Lukas Siegfried macht die Zuteilung der Asylsuchenden von der Zentrale der «Diakonischen Stadtarbeit Elim» aus. «Es kann nicht einfach jeder Asylbewerber zu uns kommen und Kirschen ernten», erklärt auch Landwirt Martin Schmid aus Gipf-Oberfrick. «Pfarrer» Lukas, wie die Landwirte im Fricktal Lukas Siegfried nennen, führt Listen mit Namen und Herkunft der ausgewählten Asylsuchenden. Jeder Landwirt, der mit den jungen Männern zusammenarbeiten möchte, bekommt Ausweiskopien der Asylsuchenden, die ihm zugeteilt werden.

Siegfried, der seit 4 Jahren Arbeit und Beschäftigung für Asylsuchende vermittelt, räumt ein, «solche Zwischenfälle geschehen öfters, aber nie böswillig». Die jungen Männer wüssten im Grunde sehr wohl, dass sie sich auf der Zentrale in Basel melden müssen. Denn dort mache ich die Zuteilung und nicht vor Ort.»Wenn es um die Ernte im Fricktal geht, wählt Siegfried bewusst Asylsuchende aus den hiesigen Gemeinden wie Möhlin, Kaiseraugst oder Stein.

Gegenseitig anrufen

Weil die jungen Männer ihren Freunden helfen wollen, «rufen sie sich manchmal gegenseitig an und sagen, wo Chriesi oder anderes Obst geerntet wird. Dann kommen halt hie und da solche, die nicht auf unserer Liste stehen, und die müssen wir dann wieder heimschicken», erklärt Landwirt Schmid.

Auch dieses Mal gab es keine Lücken in den Listen der Fricktaler Landwirte. So reisten alle zehn nach ein bisschen «Murren», so Lukas Siegfried, wieder in ihre Unterkünfte zurück. Landwirt Schmid berichtet, die Zusammenarbeit mit den jungen Männern funktioniere tipptopp. Seit 20 Jahren erntet er mit den Asylsuchenden und bezahlt ihnen für einen 8-Stunden-Tag 50 Franken. «Das motiviert die Jungen», sagt er.

«Pfarrer» Lukas ist froh um die Landwirte, die bei seinen Projekten mitmachen. Es sei wichtig, den jungen Asylsuchenden, die bis zu drei Jahre auf einen Bescheid warten und nur herumsitzen dürfen, eine Beschäftigung zu geben. «Das nützt beiden Seiten.»

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