Zwischen dem Eintreffen der regierungsrätlichen Antwort auf seinen Vorstoss zum Halbstundentakt auf dem S1-Ast von Stein nach Laufenburg und dem Telefonat der AZ liegt ein Wochenende. Beruhigt hat sich Roland Agustoni dennoch noch nicht. «Katastrophal» sei das, sagt der GLP-Grossrat aus Rheinfelden, «eine Frechheit» die Antwort. Bitter bilanziert er: «Im Fricktal wird der letzte Bahnwagen einfach abgehängt und stehen gelassen.»

Was Agustoni derart auf die Palme, Pardon: die Schiene bringt, ist die Tatsache, dass die Regierung den mehrfach versprochenen Halbstundentakt nicht umsetzen will. «Aus der ‹Verzögerung› ist in der Antwort nun ein ‹Verzicht› geworden», schnaubt Agustoni.

Begründet wird dieser von der Regierung mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Mit knapp 800 Reisenden pro Tag habe der Streckenabschnitt «ein Nachfragevolumen, das für einen Ausbau zum Halbstundentakt momentan nicht gerechtfertigt ist», hält die Regierung fest.

Das sei eine billige Argumentation, findet Agustoni. Denn: «Wenn das Angebot wie heute schlecht ist, ist doch klar, dass es niemand nutzt», sagt er, stockt kurz und fügt dann an: «Das ist wie beim Kino: Wenn der Betreiber ein schlechtes Programm zeigt, geht auch niemand hin.»

Man habe das Geld, das eigentlich für den Ausbau auf den Halbstundentakt vorgesehen war, wohl für anderes ausgegeben, mutmasst Agustoni. «Jetzt hat man kein Geld mehr und sucht verzweifelt nach Erklärungen.»

Wenig abgewinnen kann Agustoni auch dem Abschnitt, in dem der Regierungsrat ausführt, er fordere für den Bahnausbauschritt 2030/35 den 15-Minuten-Takt von Basel bis Rheinfelden. «Hört denn das Fricktal bereits bei Rheinfelden auf?», fragt Agustoni lakonisch, um gleich selbst zu antworten: «Nein, selbstverständlich nicht.»

Selbstverständlich ist für Agustoni indes etwas anderes: «Dass der 15-Minuten-Takt gar nie kommen wird.» Denn die 300 Millionen Franken, die für das dritte Gleis zwischen Pratteln und Rheinfelden nötig sind, «werden nie bewilligt».

Und noch etwas ärgert Agustoni: «Da spricht der Kanton immer vom Sisslerfeld und wie wichtig dieses Industriegebiet ist. Aber in die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr will er, abgesehen von ein paar zusätzlichen Bussen, nichts investieren.» Das gehe nicht auf.

Zu wenig Zeit zum Koppeln?

Das geht nicht auf, fand auch der Kanton in seiner Antwort – und meint damit die Zeit. Für das gemäss Mehrjahresprogramm öV 2013 geplante Verfahren mit Trennen und Vereinen der S1 in Stein fehle schlicht die Zeit, hält die Regierung fest.

«Die aktuelle Wendezeit von acht Minuten in Laufenburg sinkt gegen null Minuten und eine Kurzwende der S-Bahn-Züge ist nicht mehr möglich.» Dieses Trennen und Vereinen braucht es aber, damit ein Teil des Zuges nach Laufenburg, der andere Teil nach Frick fahren könnte.

Auch da ist Agustoni skeptisch. «Es geht jetzt auf einmal nicht mehr, wo es ums Geld geht», argwöhnt er, verhehlt aber nicht: «Natürlich kann man den 30-Minuten-Takt nicht gratis haben. Es braucht in Stein wohl eine zusätzliche Arbeitskraft.» Aber das sei gut investiertes Geld. Zumal: «Die Linie Stein–Laufenburg ist heute noch die einzige, die im Stundentakt bedient wird.»

Die Frage, ob er mit der regierungsrätlichen Antwort zufrieden sei, erübrigt sich. Und den Standardsatz der Regierung, die (verbindliche) Motion als (unverbindliches) Postulat entgegenzunehmen, entlockt Agustoni nur ein trockenes Lachen. «Das bringt der Region nichts», sagt er.

Er will denn auch für die Überweisung der Motion kämpfen. Er weiss indes: «Allein habe ich keine Chance. Es kann nur gelingen, wenn sich die Grossratskollegen aus dem Fricktal in ihren Fraktionen für die Überweisung starkmachen.» Support erhofft sich Agustoni auch vom Regionalplanungsverband Fricktal Regio. «Zusammen können wir dafür sorgen, dass die Motion mehrheitsfähig wird», ist er überzeugt.

Etwas Gutes hat Agustoni an der Antwort dann doch noch entdeckt: Dass sie nur 977 Franken gekostet hat. «Das ist im Vergleich mit anderen Vorstossbeantwortungen wenig», weiss der Grossrat aus Erfahrung.

Was schliesst er daraus? Daraus könne, so formuliert es Agustoni sibyllinisch, jeder seine Schlüsse ziehen. Er hat seine gezogen. Und will sich weiterhin für ein besseres ZugAngebot im Fricktal einsetzen. «Es ist mir klar, dass dieses nicht heute und nicht morgen kommt – aber es muss kommen.»