Die kantonale Asylunterkunft im ehemaligen Autobahn-Werkhof in Frick ist seit fast einem Jahr in Betrieb. Um die 140 Asylsuchenden leben seit April 2017 im Container-Dörfli ausserhalb des Dorfes. Insgesamt waren in der Unterkunft bislang 205 Asylsuchende untergebracht.

Die Befürchtungen im Vorfeld der Eröffnung waren bei einigen gross. So warnte beispielsweise Adrian Speckert, Präsident der SVP-Ortspartei, davor, dass «unser Schwimmbad zu einer Art ‹Schönwetter-Filiale› für die Asylunterkunft im Werkhof wird» und regte an, über ein Rayonverbot zumindest nachzudenken.

Passiert ist in den letzten zwölf Monaten – so gut wie nichts. Um die Unterkunft ist es ruhig geworden, in Frick hat man sich an die meist dunkelhäutigen Asylsuchenden auf den Strassen gewöhnt.

Den positiven Eindruck bestätigen Gemeinde, Polizei und Kanton. «Die Polizei kann insgesamt eine gute Bilanz ziehen», sagt Werner Bertschi, Chef der Polizei Oberes Fricktal.

Laut Kantonspolizei kam es in der Unterkunft in den zwölf Monaten zu 21 Vorfällen. «In den meisten Fällen rückte die Polizei wegen Streitigkeiten und Drohungen aus», sagt Michael Stauffer vom Kommunikationsdienst des Departements Gesundheit und Soziales.

Dreimal habe man Asylbewerber in die Psychiatrische Klinik Königsfelden eingewiesen.

Bei den Einsätzen sei es meist um kleinere Streitigkeiten zwischen den Bewohnern gegangen, präzisiert Bertschi, teilweise verbunden mit Tätlichkeiten. Gerufen wurde die Polizei auch, wenn sich Personen in der Unterkunft aufhielten, die hier nichts zu suchen hatten.

Stauffer zieht denn auch eine «sehr gute Bilanz», was Gemeindeschreiber Michael Widmer bestätigt. Beide Seiten betonen, dass die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Kanton als Betreiberin der Unterkunft bestens funktioniere.

Dies dürfte einer der Gründe dafür sein, dass Stauffer sagen kann: «Wir sind sehr zufrieden mit dem Betrieb» und Widmer nachschieben kann: «Es ist sowohl in der Unterkunft als auch in der näheren Umgebung ruhig.»

Da kennt man aus Aarau ganz andere Szenen. Immer wieder fallen hier Asylsuchende rund um den Bahnhof negativ auf – nicht selten ist dabei Alkohol im Spiel. Den Genuss von Alkohol wertet Stauffer als das grösste Konfliktpotenzial.

Dass es in Frick im Vergleich zu Aarau ausgesprochen ruhig ist, führt Stauffer auf vier Gründe zurück. Erstens liege die Unterkunft oberirdisch.

«Dies führt automatisch zu mehr Bewegungsfreiheit und einem besseren Lebensgefühl.» In Aarau waren die Asylsuchenden – wie auch in Baden, Muri und Laufenburg – bis im letzten Jahr in den unterirdischen Notspitälern untergebracht.

Zweitens sei die Unterkunft in Frick halb so gross wie jene in Aarau.

Drittens habe sich der Bahnhof Aarau als Treffpunkt für Asylsuchende etabliert. «Mögliche Reibereien entstehen eher dort als in Frick.»

In Uniform Präsenz markieren

Viertens führt Stauffer die Ruhe auf die «intensive Präventionsarbeit» von Betreuern und Polizei zurück. Das sei ein wesentlicher Aspekt bei der erfolgreichen Führung einer solch grossen Unterkunft. Dies sieht Bertschi ebenso.

«Die Polizei war und ist im Umfeld der Unterkunft und in der Unterkunft von Beginn an uniformiert präsent und kontrolliert präventiv», sagt der Polizeichef. «Die Polizei ist täglich im Umfeld der Unterkunft unterwegs.»

Wichtig für einen ruhigen Betrieb ist aber auch, dass die Asylsuchenden, die in einer Unterkunft untergebracht sind, miteinander auskommen. Die Asylsuchenden, die in Frick leben, stammen hauptsächlich aus Eritrea, Afghanistan, Somalia, Iran und dem Irak.

«Ein gewaltfreies Miteinander ist eines der obersten Ziele», sagt Stauffer. Deshalb achte man bei der Zuweisung auf kulturelle Hintergründe und die Zusammensetzung der Ethnien, «um das Konfliktpotenzial so gering als möglich zu halten».

Berücksichtigt wird bei der Zuweisung aber auch das private Umfeld des Asylsuchenden. «Wenn beispielsweise jemand aus der Verwandtschaft bereits an einem anderen Ort untergebracht ist, versuchen wir, den neuen Asylsuchenden dort unterzubringen», sagt Stauffer. Auch dies trägt zur ruhigen Stimmung bei.

Dass das Warten auf den nächsten Termin, das Gezwungensein zum Nichtstun für die Asylsuchenden nicht eben einfach ist, versteht sich.

Hier setzt die Kontaktgruppe Asyl an, ein Konglomerat von Freiwilligen, die den Asylsuchenden sinnvolle Beschäftigungen bieten will.

Die Kontaktgruppe hat einen wöchentlichen Treffpunkt eingerichtet, bietet Deutsch- und andere Kurse an und ermöglicht Begegnungen zwischen Asylsuchenden und Bevölkerung.

«Die Kontaktgruppe nimmt eine wichtige Brückenfunktion zwischen den Asylsuchenden und der Bevölkerung wahr», sagt Widmer. Als gelungenes Beispiel nennt er den Essstand, den die Asylsuchenden am letzten Weihnachtsmarkt betrieben haben.

Der Kanton hat beim Start eine Hotline für die Bevölkerung eingerichtet. Diese werde nur spärlich genutzt, sagt Stauffer. «Wenn Anrufe kommen, dann sind es Menschen, die etwas spenden möchten.»

Auch bei der Gemeinde ging bislang keine einzige negative Rückmeldung ein, sagt Widmer. Wenn jemand anrief oder vorbeikam, dann, weil er wissen wollte, wie er den Asylsuchenden helfen kann.

Trotz positiver Zwischenbilanz – eine Verlängerung des Betriebs über die vereinbarten drei Jahre hinaus können sich weder Kanton noch Gemeinde vorstellen.

«Gemäss Planung wird die kantonale Unterkunft spätestens im Frühjahr 2020 geschlossen», sagt Stauffer und für Widmer ist klar: «Bei der Befristung handelt es sich um eine für beide Seiten verbindliche Vereinbarung.»