Laufenburg

Kaufen, sanieren und vermieten: Stadtrat will höhere Kompetenzsumme

Der Laufenburger Stadtrat will mit seiner Investitionsidee auch andere Investoren anstossen und so die Altstadt attraktiver und lebendiger machen.

Der Laufenburger Stadtrat will mit seiner Investitionsidee auch andere Investoren anstossen und so die Altstadt attraktiver und lebendiger machen.

Der Laufenburger Stadtrat will für Liegenschaftserwerb neu eine Kompetenz von 3,5 Millionen Franken. Er will so geeignete Liegenschaften schnell kaufen können. Das Ziel: Wohnraum - auch in der Altstadt - attraktiv machen und Steuerzahler anlocken.

Bis 2020 will der Laufenburger Stadtrat seinen Finanzhaushalt im Lot haben. Dafür sollen neue Wege beschritten werden, die auch Mut zur Risikobereitschaft zeigen. «Machen wir nichts, haben wir ganz düstere Aussichten», sagt Stadtrat Thomas Argast.

Eine ausgeglichene Rechnung kann nur mit dem Generieren von Mehreinnahmen erzielt werden. «Das wollen wir nicht über Steuergelder erreichen», so Argast. Betonte aber auch, dass bei Nichtstun, sprich Status quo, der Stadt mittelfristig eine Handlungsunfähigkeit drohe. Dieser könne ohne Eigeninitiative dann nur noch mit einer Steuerfusserhöhung von bis zu 25 Prozent entgegengewirkt werden. So weit will es die Behörde aber nicht kommen lassen.

Sie will in Liegenschaften in der Altstadt sowie in der Dorfkernzone vom Ortsteil Sulz investieren. Gebäude sollen erworben, saniert und dann vermietet, eventuell auch mit Auflagen verkauft (nur mit dem Einverständnis der Gemeindeversammlung) werden. Damit soll attraktiver Wohnraum geschaffen, sollen neue Steuerzahler in die Gemeinde geholt und auch die Altstadt wieder belebt werden. Stehen geeignete Liegenschaften zum Verkauf, so muss der Gemeinderat schnell handeln können. Heute geht das nicht, da die Kompetenzsumme in der Gemeindeordnung mit 500 000 Franken pro Fall und 1 Million pro Jahr festgehalten ist.

Deshalb beantragt die Behörde eine Anpassung. Für den Erwerb, den Ausbau und die Sanierung von Liegenschaften im Gebiet der Altstadt und der Dorfkernzone Sulz soll der Gemeinderat bis zu 3,5 Millionen Franken pro Fall aufnehmen können.

Zuerst wird genau geprüft

Thomas Argast wie auch Vizeammann Meinrad Schraner betonten am Mittwochabend an einer Infoveranstaltung, dass dabei das festgeschrieben Konzept Investitionen in Liegenschaften strikte eingehalten wird. «Zeigt bei der Risikoanalyse die Ampel auf Rot, lassen wir die Finger davon», machten sie deutlich, dass jedes potenzielle Kaufobjekt vorgängig genauestens geprüft würde. Damit wurde auch der Einwand einer Versammlungsteilnehmerin aufgegriffen, die aus Erfahrung wusste, dass bei der Sanierung einer Altstadtliegenschaft so manch kostenintensives Unvorhergesehenes auftauchen kann.

Wohnungen über mehrere Häuser

Eine Votantin gab zu bedenken, dass die schmalen Altstadthäuser – zum Teil nur ein Zimmer pro Stockwerk – nicht ideale Voraussetzungen für künftige Mietwohnungen bieten würden. Hierzu führte Argast aus, dass man auch beabsichtige, gleich zwei oder drei Häuser zu erwerben. Mit Durchbrüchen können dann Wohnungen auf einem Stockwerk realisiert werden. Der Gemeinderat sei sich bewusst, dass das Gros der künftigen Mietklientel über 50 Jahre alt sein wird. Entsprechend wolle man mit Lift und behindertengerecht sanieren. Damit die Umbauten so möglich sind, wird zurzeit die Bau- und Nutzungsordnung (BNO) der Stadt überarbeitet, «die bereits heute sehr offen gehandhabt wird»..

In seinen Berechnungen geht der Stadtrat davon aus, dass bis 2020 56 Wohnungen in neun bis zehn Liegenschaften bereit gemacht werden können. Daraus resultieren Mieteinnahmen von durchschnittlich 18 000 Franken pro Wohnung und Jahr. «Wie beschafft der Gemeinderat das Geld für den Kauf?», wollte ein Versammlungsteilnehmer wissen. «Wir können die Mittel zu einem günstigen Zins von 1 Prozent aufnehmen», so die Antwort. Gleich für mehrere Anwesende war es wichtig, dass die Strassen- und Werkleitungssanierungen Hand in Hand mit dem Liegenschaftskonzept gehen. Gleiches gelte auch für den Wärmeverbund Altstadt.

Der Besitzer einer Altstadtliegenschaft störte sich daran, dass in den Medien die Laufenburger Altstadt mit ihren rund 170 Liegenschaften als sehr marode dargestellt wird. Eine 2014 gemachte Erhebung zeigt, dass rund 70 Gebäude einen Sanierungsbedarf ausweisen, 40 davon einen sehr grossen. Der Votant erklärte, dass daneben aber viele Liegenschaften für viel Geld instand gestellt wurden. «Wir wissen das», sagte Stadtammann Herbert Weiss.

Mit den von der Stadt geplanten Investitionen hofft die Behörde, dass es auch Anstoss für andere Investoren gibt. Und so die Perle Altstadt in Zukunft wieder mehr glänzende Lebendigkeit erhält.

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