Flüchtlinge

Kanton öffnet sein Zivilschutzzentrum für bis zu 300 Asylbewerber

Weil der Kanton damit rechnet, über die Festtage Asylsuchende vom Bund zugewiesen zu erhalten, öffnet er das Zivilschutzzentrum in Eiken. (Symbolbild)

Weil der Kanton damit rechnet, über die Festtage Asylsuchende vom Bund zugewiesen zu erhalten, öffnet er das Zivilschutzzentrum in Eiken. (Symbolbild)

Der Kanton will die Schutzräume der Ausbildungsanlage in Eiken über die Festtage öffnen – für den Fall, dass der Bund dem Aargau auch dann Asylsuchende zuweist. Eine Notlage herrsche aber nicht, sagt der Sprecher von Regierungsrätin Susanne Hochuli.

Die Mitteilung des Gemeinderats Eiken lässt aufhorchen: «Eine massenhafte Zuweisung von Flüchtlingen vom Bund an den Kanton Aargau ist eingetreten. Der Gemeinderat wurde Anfang Woche darüber in Kenntnis gesetzt, dass über Weihnachten/Neujahr mit grösster Wahrscheinlichkeit das kantonale Zivilschutzzentrum an der Laufenburgerstrasse, 5074 Eiken, als provisorische Unterkunft für drei bis vier Flüchtlinge in Betrieb genommen werden soll.»

Ist die Situation tatsächlich so kritisch, dass der Kanton nun die Zivilschutzanlagen in den Gemeinden belegen muss? Balz Bruder, Sprecher der zuständigen Regierungsrätin Susanne Hochuli, sagt auf Anfrage, die Mitteilung der Gemeinde Eiken beruhe auf falschen Annahmen und entspreche nicht den Tatsachen. Bruder betont: «Es ist nicht so, dass eine Notlage im Asylwesen eingetreten ist oder wir dies unmittelbar befürchten.»

Zuweisungen über Festtage

Bruder rechnet aber damit, dass der Bund den Kantonen auch über die Festtage weiterhin Asylsuchende zuweisen wird. Dies im Gegensatz zu früheren Jahren, als die Zuweisungen zwischen Weihnachten und Neujahr ausgesetzt wurden. «Darauf möchten wir vorbereitet sein, und deshalb bereiten wir das kantonale Zivilschutzzentrum in Eiken vor, damit wir nicht über die Festtage ausserordentliche Massnahmen ergreifen müssen», erläutert er.

Eiken ist die einzige kantonale Schutzanlage, die derzeit als Asylunterkunft vorgesehen ist. Sie wird nach Bedarf genutzt, wenn die übrigen Unterkünfte, insbesondere die geschützten Operationsstellen der Spitäler, voll ausgelastet sind. Wie viele Personen dort untergebracht werden dürfen, ist in den Brandschutzvorgaben festgelegt. «Die Anlage in Eiken hat eine Kapazität von maximal 300 Personen, je nach Anzahl der Zuweisungen und Belegung der Notspitäler werden dort unterschiedlich viele Menschen untergebracht», sagt Bruder.

Sollte die Anlage geöffnet werden, dürften also nicht nur drei bis vier Asylbewerber dort einquartiert werden. Der Gemeinderat Eiken geht laut Mitteilung davon aus, dass die Anlage nur wenige Wochen betrieben wird. Dazu sagt Bruder: «Wie bei allen unterirdischen Anlagen gilt der Grundsatz, dass wir nur auf sie zurückgreifen, wenn keine anderen Unterkünfte frei sind und die Belegung möglichst rasch wieder beenden.»

Baugesuch für Asyldorf

Sicher erst im nächsten Jahr wird die zweite grosse Asylunterkunft im Fricktal belegt. Für das geplante «Asyldorf» mit Ikea-Häuschen in den Hallen des ehemaligen A3-Werkhofs in Frick soll Mitte Dezember ein Baugesuch eingereicht werden, wie der Kanton mitteilt. Bruder erklärt, die Anlage liege zwar in der richtigen Zone, dennoch stelle «die Unterbringung von Asylsuchenden eine Nutzung dar, die an diesem Ort bisher nicht stattgefunden hat». Zudem sind bauliche Massnahmen nötig, so muss im Aussenraum eine Container-Infrastruktur mit sanitären Anlagen, Küche und Waschräumen erstellt werden.

In zwei Werkhallen sollen insgesamt 300 Asylbewerber untergebracht werden. Geplant ist eine gemischte Unterkunft – Familien in der einen, Männer in der anderen Halle. Weiter soll eine Einschulungsvorbereitungsklasse eingerichtet werden. «So kann die Beschulung sichergestellt werden, ohne dass die Schulen Frick tangiert werden», hält der Kanton fest. Die Betreuung der Asylbewerber soll von der Firma ORS wahrgenommen werden, die bereits in den vom Kanton betriebenen Unterkünften in den Notspitälern tätig ist.

Balz Bruder rechnet damit, dass es nach einer rechtskräftigen Baubewilligung rund zwei Monate dauern wird, bis die nötigen Bauarbeiten ausgeführt sind und die Anlage bezogen werden kann. Die Kosten für den Umbau dürften sich laut Bruder «im tiefen sechsstelligen Bereich» bewegen.

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