Fricktal
Kanton Nordwestschweiz: Tritt das Fricktal bald dem Kanton Basel bei?

Wenn Basel-Stadt und Baselland fusionieren, könnten auch die Fricktaler mitmachen – sie sind stark nach Basel orientiert. Mit der Fusionsinitiative in den beiden Basel wird das Thema wieder aktuell.

Marc Fischer
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Die beiden Halbkantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft sollen fusionieren – dies will die Initiative «ein Basel», welche Anfang August lanciert worden ist. Das Regionaljournal Aargau/Solothurn von Radio DRS1 hat angesichts dieser Fusionsinitiative die Frage aufgeworfen, ob es sinnvoll wäre, auch das Schwarzbubenland (SO) und das Fricktal in ein Fusionsprojekt einzubeziehen.

Soche Gedankenspiele gab es schon früher: Zuletzt im Jahr 2010, als die «Vereinigung für eine starke Region Basel/Nordwestschweiz» mit der Broschüre «Grenzen überwinden» ihre Vision eines Kantons Nordwestschweiz propagierte.

Es ist nicht verwunderlich, dass diese Vereinigung die Initiative als eine Art «Zwischenschritt zu einem Kanton Nordwestschweiz» unterstützt. Laut Hans Rudolf Bachmann, Geschäftsführer der Vereinigung, würde der Grosskanton die Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Solothurn und allenfalls Jura umfassen.

«Ein Grosskanton Nordwestschweiz ist weit weg und wohl nur sehr schwer umsetzbar», so Hansueli Bühler, Gemeindeammann von Stein und Präsident des Regionalplanungsverbandes Fricktal Regio auf Anfrage des «Sonntags».

Schliesslich müsste für ein derartiges Projekt ein grosser nationaler Prozess mit Kantonsreformen in Gang kommen. «Bisher hat im Fricktal kaum jemand auf die Basler Fusionsinitiative reagiert», so Bühler weiter, «ich denke nicht, dass die Fricktaler derzeit eine Fusion wollen.»

Allerdings räumt er auch ein, dass ein Projekt Kanton Nordwestschweiz aus raumplanerischer Sicht durchaus einen gewissen Reiz habe: «Es stellt sich hier tatsächlich die Frage, ob man nicht die administrativen Grenzen abbauen und sich dem Funktionalraum anpassen sollte.»

Als Funktionalraum bezeichnet er die Ausrichtung der Bevölkerung, was das Einkaufs-, Arbeits- oder Freizeitverhalten betrifft. «Betrachtet man diese Aspekte, ist das Fricktal ganz klar baselorientiert», ist Bühler überzeugt, «von den 75000 Fricktalern trifft dies sicher auf 50000 bis 60000 zu.»

Auch aus dem Bezirk Laufenburg besuchten vermehrt Schüler das Gymnasium in Muttenz und bei den Fussballfans sei eine Ausrichtung nach Basel noch deutlicher spürbar.

Dies bestätigt Rudolf Lüscher, Stadtammann des Bezirkshauptortes Laufenburg. Als Zukunftsvision wäre ein Kanton Nordwestschweiz für ihn denkbar – «allerdings ist derzeit ein solcher Zusammenschluss nicht in Sicht».

Sollten sich die Diskussionen intensivieren, müsste man gut abwägen, so Lüscher, ob sich die Aufgabe von Bewährtem für ein total neues Gebilde lohne. «Aus meiner Sicht wird das Fricktal in Basel auch noch nicht so wahrgenommen, wie das wünschbar wäre», betont Lüscher.

Der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi ist der Meinung, dass es «grundsätzlich sicherlich möglich wäre, eine effizientere Organisationsform zu finden als die bisherige.» Allerdings sei ein Kanton Nordwestschweiz nur möglich, wenn Kooperationsgewinne für alle Beteiligten vorhanden und deutlich aufzeigbar seien.

Nicht infrage steht für ihn, dass das Fricktal als Ganzes der Region Basel zugewandt ist – «insbesondere gesellschaftlich und wirtschaftlich», wie er betont.

Er untermauert seine Aussage mit einer bereits im Jahr 2010 gezeigten Studie von «Metrobasel», der Plattform für die Entwicklung der Metropolitanregion Basel, wonach ein Viertel der Fricktaler Wertschöpfung direkt mit den Basler Life Science- und Pharmafirmen erzielt wird.