Ein Fricktaler Jäger sieht rot: Die kantonale Jagdverwaltung habe im März den Abschuss von zwei Rothirschen, die aus einem Gehege entwichen seien, angeordnet, erzählt der erfahrene Waidmann, schüttelt den Kopf. «Und das während der Schonzeit.» Nicht genug: Zuerst habe der Kanton die Abschussbewilligung an die lokalen Jagdgesellschaften erteilt, um sie kurz darauf zu widerrufen und die beiden Tiere selbst zu erlegen. «So geht das nicht», findet der Jäger, der namentlich nicht genannt sein will.

So geht es doch, kontert Thomas Stucki, Leiter der Sektion Jagd und Fischerei beim Kanton. Die beiden Rothirsche, ein jüngeres männliches und ein älteres weibliches Tier, seien aus einer Hirschhaltung entwichen. «Sie konnten nicht eingefangen werden und wurden von den Besitzern deshalb zum Abschuss freigegeben», sagt Stucki. Die Abschussfreigabe erfolgte am 10. März; geschossen wurden die Tiere am 27. März.

Den Vorwurf, dass die Tiere während der Schonzeit – also widerrechtlich – geschossen wurden, lässt der Jagdverwalter nicht gelten. «Bei den beiden Tieren handelt es sich um Haustiere, die aus dem Gehege ausbrechen konnten, und nicht um Wildtiere», sagt Stucki. Deshalb sei ein Abschuss mit Zustimmung der Eigentümer jederzeit möglich. «Die Schonzeit gilt für Wildtiere.» Und selbst da seien Ausnahmen gemäss Bundesgesetzgebung möglich.

Vermischung verhindern

Doch weshalb schiesst man die Tiere überhaupt und lässt ihnen die Freiheit nicht? Mit dem Abschuss wollte der Kanton eine Vermischung von Haus- und Wildtieren vermeiden, denn: «Der Rothirsch besiedelt den Aargau zurzeit natürlich.»

Geschossen wurden die Tiere «durch beauftragte Mitarbeiter des Kantons», so Stucki. Er bestätigt gleichzeitig die Version des Fricktaler Jägers, dass der Kanton nach der Freigabe zum Abschuss durch den Besitzer zuerst den lokalen Jagdgesellschaften die Bewilligung erteilt hat, die beiden Tiere zu schiessen. «Die betroffenen Jagdgesellschaften konnten jedoch die Tiere nicht erlegen», so Stucki.

Auch die Kehrtwende, also den Rückzug der Abschussbewilligung, kann Stucki erklären. Man habe von angrenzenden Jagdgesellschaften die Meldung erhalten, dass weiteres Rotwild im Gebiet gesichtet wurde. «Von den Angaben musste man davon ausgehen, dass es sich um andere Tiere handelt», sagt Stucki. «Um einen Abschuss von Wildtieren in der Schonzeit zu vermeiden, haben wir die Bewilligung zurückgezogen und Mitarbeiter vor Ort geschickt, um die Situation zusammen mit der lokalen Jagdaufsicht zu beurteilen.» Man habe die beiden Tiere in kurzer Zeit gesichtet und «spezifisch erkannt», so der Jagdverwalter.

Metzger verarbeitete Hirsche

Ein spezifisches Detail am Rande: Die beiden Rothirsche wurden laut Stucki «im Grenzgebiet der Jagdreviere Gipf-Oberfrick und Schupfart» geschossen. Der Fricktaler Jäger formuliert es pointierter: «Sie wurden vom Jagdrevier Gipf-Oberfrick aus geschossen und fielen auf Schupfarter Boden.»

Da die Besitzer die toten Tiere nicht selber verwerten wollten und auf ihre Besitzansprüche verzichtet haben, entschied die Jagdverwaltung, die beiden geschossenen Tiere einem Metzger zur Verarbeitung zu übergeben. «Die entsprechend verwertbaren Teile werden für einen öffentlichen Anlass der Abteilung Wald verwendet.»