Der Oeschger Finanzhimmel präsentiert sich seit Jahren wie das typische Fricktal-Wetter: Viel Sonnenschein, kaum Nebel. Oeschgen hat keine Schulden, die Steuerkraft kann sich mit gut 2130 Franken pro Einwohner sehen lassen und als Einwohner lässt es sich mit einem Steuerfuss von 113 Prozent ganz gut leben.

Doch nun ziehen zwei Wolken am Oeschger Himmel auf. Die eine, düster und regengeladen, ist noch ein Stück weit vom Dorf weg; die zweite, deutlich heller, ist jedoch bedrohlich nahe.

Die Düstere ist der neue Finanzausgleich im Aargau. Oeschgen droht da zum grossen Verlierer zu werden und versucht, einen Regenschirm aufzuspannen – sprich: den Wegfall des Finanzausgleichs durch Mehreinnahmen, also durch Zuzüger, wettzumachen.

Die kleinere Wolke ist die Aufnahmepflicht von Asylsuchenden. Oeschgen erfüllt diese – wie acht andere Gemeinden im Fricktal – derzeit nicht und zahlt eine symbolische Ersatzabgabe von zehn Franken pro Tag und Asylsuchenden. Bei einer Aufnahmepflicht von zwei Personen macht dies 7300 Franken pro Jahr.

Ab kommendem Jahr verrechnet der Kanton nun aber die Vollkosten von 113 Franken pro Tag und Person. Für Oeschgen heisst das: Mehrausgaben von rund 75 000 Franken, was rund vier Steuerprozenten entspricht.

Oeschgen ging deshalb aktiv auf die Suche nach freien Unterkünften und platzierte dazu auch einen Wohnungs-Such-Aufruf in der Zeitung. Die Resonanz war – null. Gemeindeschreiber Roger Wernli erstaunt das nicht. «Wir haben kaum Mietwohnungen im Dorf und auch kaum Mieterwechsel.»

Nun scheint sich aber doch noch eine Lösung anzubahnen: Hinter dem Winterquartier des Circus Nock steht ein älteres Einfamilienhaus zum Verkauf. «Die Liegenschaft eignet sich als Asylunterkunft sehr gut», sagt Wernli.

Aber auch für andere Nutzungen kann sich Wernli das Gebäude vorstellen: Als Lagerraum für die Vereine, als Einstellraum für den Kipper oder als Jugendraum.

Oeschgen Circusstrasse 288

Haus kostet 675 000 Franken

«Eine Detailplanung haben wir noch nicht ausgearbeitet», sagt Wernli. «Wir wollen zuerst wissen, was der Souverän dazu sagt.» Dieser kann sich an der Gemeindeversammlung vom 27. November äussern: Der Gemeinderat beantragt da einen Kredit über 675 000 Franken für den Kauf der Liegenschaft.

Bei einem Ja will der Gemeinderat die Detailplanung rasch an die Hand nehmen. Dazu gehört primär, die Nutzungsfrage zu klären. Geht es in Richtung Asylunterkunft, werde man das Gespräch mit dem Kanton suchen und klären, für wen sich die Liegenschaft am besten eignet. Von den Räumlichkeiten her kann sich Wernli eine vier- bis fünfköpfige Familie gut vorstellen.

Damit würde die Gemeinde ihre Aufnahmepflicht mehr als erfüllen. Möglich wäre dann, die überzähligen Plätze an eine Gemeinde zu «vermieten», die das Aufnahmesoll nicht erfüllt.

Gansingen hat dieses Platz-Miet-Modell in diesem Jahr umgesetzt und «vermietet» einen Platz an Mönthal. Davon profitieren beide Gemeinden: Gansingen bekommt eine Entschädigung für seine Unkosten, Mönthal erfüllt seine Aufnahmepflicht zu einem deutlich günstigeren Preis als die Ersatzabgabe von 113 Franken pro Tag und Person.

Für Wernli wäre ein solcher Deal zumindest «vorstellbar». «Noch stehen wir aber erst am Anfang der Planung.» Zuerst müsse entschieden werden, ob die Gemeinde die Liegenschaft kaufe; dann, wie man sie nutze. Oder eben: Die hellere der beiden Wolken steht derzeit am Himmel still. Ob sie verblasen wird, wird sich weisen.

Gemeindeversammlung Oeschgen: Freitag, 27. November, 20 Uhr, Singsaal der Turnhalle.