Roland Agustoni, GLP-Grossrat mit Bahnaffinität, kämpft seit Jahren für einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs im Fricktal. Ein besonders Anliegen ist ihm dabei die Bahnlinie zwischen Stein und Laufenburg. Hier besteht «lediglich ein Stundentakt», hielt Agustoni im November in einem Vorstoss im Grossen Rat fest.

Und dies, obwohl der Grosse Rat den Ausbau der Bahnlinie bereits mehrmals beschlossen hat und der Halbstundentakt auch bereits zweimal in das Mehrjahresprogramm öffentlicher Verkehr aufgenommen wurde.

Zum Vorstoss gedrängt fühlte sich der 62-Jährige, weil der Regierungsrat den Ausbau im Zuge der Sparbemühungen erneut nicht umsetzen will. Agustoni forderte den Regierungsrat in seiner Motion auf, «auf seinen Streichungsentscheid zurückzukommen» und der Region den «längst fälligen» Bahnausbau zu gewähren. Auch mit dem Angebot eines Halbstundentakts seien, so bilanzierte Roland Agustoni, «die Forderungen des oberen und mittleren Fricktals nach wie vor sehr bescheiden».

Nun liegt die Antwort des Regierungsrates vor – und er denkt derzeit nicht daran, die «bescheidene» Forderung aus dem Fricktal umzusetzen. Er rechtfertigt es primär damit, dass die Nachfrage zu klein sei. «Mit knapp 800 Reisenden pro Tag hat der Abschnitt Stein-Säckingen–Laufenburg ein Nachfragevolumen, das für einen Ausbau zum Halbstundentakt momentan nicht gerechtfertigt ist», schreibt die Regierung. Die Vorgaben des Bundes für einen Halbstundentakt lägen bei «mindestens 2000 Reisenden pro Tag».

Bedeutung der Buslinie betont

Zudem sei, so moniert die Regierung, das Verkehrsangebot «in seiner Gesamtheit» zu betrachten. So sei Laufenburg neben dem Anschluss mit der Regio-S-Bahnlinie S1 auch mit «bedeutenden überregionalen Buslinien» erschlossen. Gemeint ist damit die Buslinie nach Frick und Aarau.

Diese habe ab Laufenburg annähernd so hohe Fahrgastzahlen wie die S1 und sei mit Anschlüssen in Frick auf die Schnellzüge Richtung Zürich und in Aarau an die Mittellandachse «von sehr hohem Stellenwert», betont die Regierung. Die Buslinie sei in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut worden.

Immerhin lässt die Regierung aber eine Ausbau-Tür offen: Man werde, zusammen mit der Region, «alternative Möglichkeiten finanzierbarer Angebotsmodule im Bahn- und Busverkehr prüfen». Und: Sollten sich die Rahmenbedingungen ändern – womit beispielsweise die finanzielle Lage von Bund und Kanton gemeint ist – «wird die neue Situation zusammen mit der Region neu beurteilt».

Regierung fordert Ausbau 2030/35

Gleichzeitig erinnert die Regierung daran, dass beim Bahn-Ausbauschritt 2025 zusätzliche IR-Halte in Stein-Säckingen und Möhlin vorgesehen seien. «Damit sind die grossen Gemeinden respektive die meisten Entwicklungsschwerpunkte mit Fernverkehrshalten abgedeckt», ist die Regierung überzeugt.

Die Regierung erinnert Agustoni zudem daran, dass sie sich gerade jetzt – im Vernehmlassungsverfahren für den nächsten Bahn-Ausbauschritt 2030/35 – für das Fricktal starkmache. «Der Kanton Aargau fordert für diesen Ausbauschritt im Fricktal den 15-Minuten-Takt bis Rheinfelden und auf den Aussenästen nach Laufenburg/Frick den Halbstundentakt.»

Beides ist in der Vernehmlassungsbotschaft des Bundes nicht vorgesehen. Wohl auch, weil es für einen Viertelstundentakt zwischen Pratteln und Rheinfelden ein drittes Gleis braucht und dieses mehr als 300 Millionen Franken kosten würde.

Einleitend rechtfertigt der Regierungsrat zudem den (vorläufigen) Verzicht des S1-Ausbaus, der 2013 mit dem Mehrjahresprogramm Verkehr beschlossen wurde. Er macht dabei weniger finanzielle Gründe geltend, als vielmehr logistische. Abklärungen mit den SBB hätten gezeigt, dass das Trennen und Vereinen der Züge in Stein-Säckingen – eine Komposition wäre ab hier nach Laufenburg gefahren, die zweite nach Frick – zu lange dauern würde.

«Die aktuelle Wendezeit von acht Minuten in Laufenburg sinkt gegen null Minuten und eine Kurzwende der S-Bahnzüge ist nicht mehr möglich», so der Regierungsrat. Und für einen separaten Shuttle-Betrieb zwischen Stein und Laufenburg müsste die Infrastruktur erweitert und zusätzliches Rollmaterial eingesetzt werden.