Kampf gegen die Pandemie
Zertifikatspflicht: Das sind die Reaktionen der Restaurant- und Kulturbetreiber im Fricktal

Die Meinungen darüber, dass bald für die Gastronomie oder Kultur- und Freizeiteinrichtungen die Zertifikatspflicht eingeführt werden könnte, sind gespalten. Während die einen von einem «gehörigen Mehraufwand» sprechen, stellt andere die Zertifikatspflicht «nicht vor grosse Probleme».

Thomas Wehrli
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Braucht es bald für den Restaurant-Besuch ein Covid-Zertifikat?: Der Bundesrat prüft derzeit die Ausweitung der Zertifikatspflicht. In viele Einrichtungen kann dann nur noch, wer geimpft, genesen oder getestet ist.

Braucht es bald für den Restaurant-Besuch ein Covid-Zertifikat?: Der Bundesrat prüft derzeit die Ausweitung der Zertifikatspflicht. In viele Einrichtungen kann dann nur noch, wer geimpft, genesen oder getestet ist.

Bild: Keystone/Christian Beutler

Der Bundesrat prüft, die Zertifikatspflicht im Kampf gegen die Coronapandemie massiv auszuweiten. Neu soll sie auch in den Innenbereichen von Restaurants, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie für Veranstaltungen im Inneren gelten. In ein Restaurant kann dann nur noch, wer die 3-G-Regel einhält – geimpft, genesen, getestet – und dies per Zertifikat nachweisen kann. Was halten Fricktaler Restaurant- und Kulturbetreiber von dieser Massnahme?

Martin Willi, Betriebsleiter der Kultschüür in Laufenburg.

Martin Willi, Betriebsleiter der Kultschüür in Laufenburg.

Bild: twe

Martin Willi, Betriebsleiter der Kultschüür in Laufenburg, hat mit der Zertifikatspflicht gerechnet. Man habe intern schon Überlegungen angestellt, ob man selber statt der Masken- die Zertifikatspflicht einführen wolle. Willi sagt:

«Wir haben aber dann zugewartet, was der Bundesrat bringt.»

Er findet die Lösung mit dem Zertifikat besser als die heutigen Regelungen. «So gilt dann für alle das Gleiche.» Klar ist für ihn, dass mit der Zertifikatspflicht die 2/3-Regel – Veranstalter dürfen die Innenräume nur zu 2/3 belegen – fallen muss. «Sie macht dann keinen Sinn mehr.»

Hannes Burger, Präsident des Museumsvereins Laufenburg, nimmt die Ankündigung des Bundesrates ebenfalls pragmatisch auf. «Als kleines Museum stellt uns die Zertifikatspflicht nicht vor grosse Probleme», sagt er. Das sei bei grösseren Museen sicher schwieriger. Wenn die Zertifikatspflicht komme, dann setze man sie halt um. Natürlich sei er nicht begeistert, denn dies bringe einen zusätzlichen Aufwand mit sich. Aber eben: «Machbar ist es.»

Hannes Burger, Präsident des Museumsvereins Laufenburg.

Hannes Burger, Präsident des Museumsvereins Laufenburg.

Bild: hcw

Im Museum Schiff achtet man laut Burger bereits heute genau darauf, dass die Vorschriften eingehalten werden. Dazu gehört die Maskenpflicht und dazu gehört, dass sich die Besucher in die Liste eintragen. Die meisten Besucher sind älter und seien geimpft, hat Burger festgestellt. Er bringt es auf einen kurzen Nenner:

«Ich habe lieber einen Museumsbetrieb mit Zertifikatspflicht als gar keinen.»

Kein Besucherrückgang im Schwimmbad erwartet

Auch Daniel Suter, Gemeindeammann von Frick und als Präsident der Schwimmbadkommission für das Freizeitzentrum Vitamare zuständig, hat angesichts des raschen Anstiegs der Neuinfektionen wie auch der Hospitalisierungen Verständnis für die Massnahmen. Es gelte, eine Überlastung der Spitäler zu verhindern. Suter sagt:

Daniel Suter, Gemeindeammann von Frick und Präsident der Schwimmbadkommission.

Daniel Suter, Gemeindeammann von Frick und Präsident der Schwimmbadkommission.

Bild: zvg
«Wir befürworten es zugleich, dass dabei möglichst alle Angebote des gesellschaftlichen Lebens offen bleiben.»

Das Zertifikat biete eine gute Möglichkeit, mit einer verhältnismässigen Massnahme eine starke Ausbreitung der Infektionen zu verhindern, ist Suter überzeugt.

Einen grossen Zusatzaufwand erwartet er nicht, denn bereits heute müsse jeder an der Kasse einen Eintritt lösen oder ein Abonnement vorweisen. Er geht dabei nicht von einem grossen Rückgang der Besucherfrequenzen aus. «Die Impfquote dürfte in den nächsten Wochen zudem weiter steigen», so Suter. Ausserdem würden gemäss der Vernehmlassungsvorlage Jugendliche und Kinder unter 16 Jahren von der Zertifikatspflicht ausgenommen sein. «Diese machen einen grossen Teil unserer Besucher aus.»

Philipp Weiss, der zusammen mit seiner Partnerin Martina Welti Fricks Monti betreibt, spricht von einer schwierigen Situation und meint damit sowohl die Pandemie wie auch die Situation der Gastronomie und Kulturveranstalter. «Die Zertifikatspflicht ist wohl unumgänglich, aber glücklich bin ich damit nicht», weiss auch er. Allerdings hätte er sich gewünscht, dass zuerst Ferienrückkehrer getestet worden wären. «Das wäre einfacher gewesen und hätte viele Infektionsherde aufgedeckt», ist er überzeugt.

Der Blick auf die umliegenden Länder

Weiss weiss aber auch: «Die Zertifikatspflicht kann funktionieren, das zeigen die umliegenden Länder.» Hier werden er und Martina Welti auch Inspirationen holen, wie sie die Zertifikatspflicht, so sie denn kommt, umsetzen werden. «Das bringt natürlich einen erheblichen Mehraufwand mit sich», sagt Weiss. Gerade auch, weil man das Zertifikat jedes Gastes jedes Mal kontrollieren muss, denn es könne ja jederzeit ablaufen.

Philipp Weiss, Betreiber von Fricks Monti.

Philipp Weiss, Betreiber von Fricks Monti.

Bild: nbo

Klar ist für Weiss bei allen Vorbehalten gegenüber der Zertifikatspflicht: «Sie ist immer noch viel besser, als wenn wir Fricks Monti wieder ganz schliessen müssen.» Einen erneuten Lockdown gelte es unbedingt zu verhindern. Eines erwartet er aber als Gegenzug zur Zertifikatspflicht vom Bundesrat:

«Aktuell darf ich den Kinosaal nur zu 2/3 belegen. Wenn die Zertifikatspflicht kommt, muss diese Einschränkung fallen.»

Der Mehraufwand wird gross sein

Für Johannes Oehler, Geschäftsführer der Sportcenter Bustelbach AG in Stein, werden die Fallzahlen der nächsten zwei Wochen weisen, ob die Zertifikatspflicht kommt oder nicht. «Ich selber halte nicht viel davon», sagt Oehler. Wenn die Pflicht komme, wird Oehler aufs Clubs zugehen, die bereits jetzt eine Zertifikatspflicht haben, und von ihren Erfahrungen lernen. Mit der Frage, wie umsetzen, habe er sich noch nicht beschäftigt, sagt Oehler.

Johannes Oehler, Geschäftsführer der Sportcenter Bustelbach AG in Stein.

Johannes Oehler, Geschäftsführer der Sportcenter Bustelbach AG in Stein.

Bild: mfi

Klar ist aber: «Es wird einen gehörigen Mehraufwand geben.» Und es werde auch Umsatzeinbussen geben. Oehler schätzt sie auf 20 bis 30 Prozent. Oehler ist überzeugt:

«Nicht jeder, der nicht geimpft ist, ist bereit, vor jedem Restaurantbesuch einen Test zu machen.»

Wenig hält Oehler davon, dass jemand, der einen Coronatest für den Ausgang macht, diesen künftig selber bezahlen soll. Er befürchtet, dass der so initiierte Rückgang der Tests zu einer Konzentration der Testmöglichkeiten führen wird. «Und darunter leiden ländliche Regionen», ist er überzeugt. Wer sich dann testen lassen wolle, müsse weiter reisen, um dies tun zu können. «Das kann es nicht sein.»

Für Oehler gibt es zudem bei einer Zertifikatspflicht viele ungelöste Probleme, auch rechtliche. Er macht ein Beispiel. Im Tennisbereich hat das Sportcenter Verträge mit Spielern abgeschlossen. «Wenn nun die Zertifikatspflicht kommt und die Spieler nicht mehr kommen können, weil sie sich nicht jedes Mal testen lassen wollen, stellt sich etwa die Frage, ob und wie weit wir rückerstattungspflichtig sind.»

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