Im Rahmen einer Instandhaltungskontrolle von Freileitungen der AEW Energie AG ist die Firma Swisscontrolling GmbH in Bühler AR damit beauftragt worden, die Freileitungen auf dem Gemeindegebiet von Möhlin abzufliegen.

Aufzeichnung mit Videokamera

Die Freileitungen werden vom Helikopter aus mittels Videokamera aufgezeichnet. Diese Arbeiten sind ab dem 22. Oktober geplant und können nur bei guter Witterung durchgeführt werden. Die Bevölkerung muss mit kurzfristig auftretendem Helikopterläm rechnen.

Bei der visuellen Leitungskontrolle wird mit der Helikopter-Kamera mit einem hochauflösenden Videosystem jedes Mastdetail festgehalten. Die gyrostabilisierte Kamera zeichnet auch feinste Details, wie Haarrisse im Beton auf. Zusammen mit dem Aufnahmekommentar des Piloten und des Kameramanns sowie der Zusatzdaten wie GPS-Koordinaten entsteht bei der Nachbearbeitung auf einem speziell ausgerüsteten Computersystem ein umfassender Zustandsbericht. Wesentlicher Vorteil an diesem Kontrollsystem: Stromleitungen müssen nicht ausgeschaltet werden.

Gut unterhaltene Stromnetze wichtig

Die Schweiz, insbesondere der Aargau beziehungsweise das Fricktal, ist mit den zahlreichen Kraftwerken ein wichtiger Stromproduzent. Um die gewonnene Energie störungsfrei transportieren zu können, sind die Kraftwerkbetreiber auf ein gut erhaltenes Starkstromnetz angewiesen. Deshalb werden Leitungskontrollen per Helikopter durchgeführt. Pro Mast wird ein Schadenstatus mit fachmännischer Beurteilung und Bewertung erstellt. Die Schaden-Dokumentation liegt mit hochauflösenden Bildern vor. Sofern erforderlich gibt es eine Thermografie-Analyse und schliesslich den Vorschlag für Sanierungsmassnahmen.

Entladungs-Analyse möglich

Es kann auch eine Analyse von übermässigen Korona-Entladungen erstellt werden. Eine Korona-Entladung, auch Büschelentladung, ist eine elektrische Entladung, die durch Ionisation eines elektrisch nichtleitenden Fluids (Gas oder Flüssigkeit) entsteht, das einen elektrischen Leiter umgibt.

Die Entladung tritt auf, wenn die elektrische Feldstärke so weit ansteigt, dass sich der Lawinenkopf einer Elektronenlawine nicht mehr exponentiell steigern lässt und sich aus der Lawine eine Streamerentladung bildet, aber die Feldstärke noch nicht hoch genug ist, um einen Lichtbogen beziehungsweise einen Durchschlag hervorzurufen.

Vor allem kommt sie als Spitzenentladung vor. Die Korona-Entladung ist ein spezieller Fall einer stillen elektrische Entladung in der Luft bei Atmosphärendruck. Ähnlich wie die Glimmentladung, welche bei niedrigem Gasdruck auftritt, ist die Farbe der Korona-Entlagung primär vom Fluid abhängig. Korona-Entladungen treten unter anderem entlang von mit Hochspannung betriebenen Freileitungen auf und stellen dabei einen kleineren Teil der unerwünschten Energie-Übertragungsverluste dar.

Kein Mast muss bestiegen werden

Gegenüber der Leitungskontrolle per Mastbesteigung bietet das Helikopter-Verfahren wesentliche Vorteile. Das gefährliche und aufwendige Besteigen der Leitungsmasten für die Kontrolleure entfällt, das Stromnetz muss nicht ausgeschaltet werden, wie bereits erwähnt, und es kann eine viel höhere Anzahl Masten pro Tag kontrolliert werden.

Umfassende Flugvorbereitungen

Doch bevor zum Kontrollflug gestartet werden kann, sind umfassende Vorbereitungsarbeiten zu erledigen. Bei den Kontrollflügen ist gutes Teamwork, höchste Fähigkeit und Erfahrung sowie grösstes Vertrauen gefordert. Daher setzt sich die Crew immer aus denselben ausgewählten Personen zusammen. Der Kameramann konzentriert sich nur auf seine Aufgabe am Monitor – und dies bis zu 6 Stunden täglich. Er leitet den Piloten in den richtigen Winkel und auf die ideale Distanz zum Mast. Der Pilot ist für die Sicherheit in der Luft und für möglichst ruhige Schwebeflüge verantwortlich. Im oftmals dichten Dschungel von Leitungsdrähten und Häusern gar kein leichtes Unterfangen.