Kakerlaken, die auf dem Boden krabbeln, Marihuana- und Tabak-Geruch in den Räumen, fehlendes Mobiliar – Mitte Februar machte die AZ die Missstände, die in der Asylunterkunft der Gemeinde Wegenstetten herrschten, publik. Zu den konkreten Vorwürfen nahm der Wegenstetter Gemeinderat keine Stellung. Er verwies auf die ORS Service AG, an die man die Betreuung der Asylsuchenden mandatiert habe. Ein halbes Jahr später stattet die AZ der Asylunterkunft Wegenstetten einen zweiten Besuch ab, um zu sehen, was sich getan hat.

Die Fliesen am Boden in der Unterkunft sind so glatt wie Schmierseife. «Vorsicht», ruft ein Mitarbeiter der ORS Service AG, der für die Betreuung der Unterkunft zuständig ist. «Die Bewohner haben zu viel Putzmittel ins Wasser getan.» Kakerlaken sind an diesem Nachmittag, keine zu sehen. 

Keine Reklamationen wegen Kakerlaken mehr

«Seit der letzten durchgeführten Massnahme zur Schädlingsbekämpfung sind diesbezüglich keine Reklamationen mehr bekanntgeworden», sagt ORS-Sprecher Lutz Hahn. Dies läge auch daran, dass die Bewohner Essensboxen zugeteilt bekommen haben, in denen sie ihre nicht verderblichen Lebensmittel verstauten. Zudem würden die Bewohner für Hygienethemen, Sauberkeit und Ordnung sensibilisiert.

Rundum erneuert wurde die desolate Küche. Neben der Ausstattung mit einem neuen Kochherd, einer Mikrowelle und einem Spritzblech hat die Gemeinde als Mieterin der Liegenschaft auf Empfehlung der ORS-Betreuer zusätzlich veranlasst, die Küchenwände mit einer Spezialfarbe zu streichen, damit die Reinigung einfacher ist. «Demnächst wird auch das Sofa ausgetauscht», sagt Hahn. Zudem hat die Gemeinde die Asylunterkunft mit einer neuen Waschmaschine ausgestattet.

Insgesamt wohnen derzeit acht männliche Bewohner in der Unterkunft, die sich je zu viert zwei Zimmer teilen. «Weil die Bewohner allesamt in Integrationskursen eingebunden sind oder arbeiten, kann es morgens zu Engpässen hinsichtlich der Benutzung des Bads kommen. Aber das ist in so manchen Schweizer Haushalten nicht anders», sagt Hahn.

Aufgrund der engen Platzverhältnisse und den kulturellen Unterschieden der Bewohner gebe es derzeit vereinzelt Spannungen unter den Bewohnern, die von den ORS-Betreuern in Zusammenarbeit mit den Behörden aufmerksam beobachtet würden, so Hahn. «Momentan werden Umplatzierungen einzelner Bewohner geprüft, um die angespannte Situation zu beruhigen.»

Gemeindeammann Willy Schmid, der bei der Besichtigung anwesend ist, sagt, dass es im Dorf keine negativen Meldungen über die Asylbewerber in der Vergangenheit gegeben habe. «Man sieht sie kaum im Dorf. Höchstens beim Einkaufen im Volg oder an der Haltestelle, wenn sie auf den Bus warten.»

«Es musste damals ganz schnell gehen»

Schmid sagt, dass die Asylunterkunft, in der die acht Bewohner derzeit leben, die einzige Liegenschaft gewesen sei, die der Gemeinde zur Verfügung gestanden sei. «Zuvor waren die Asylsuchenden in der Zivilschutzanlage einquartiert. Als wir das Quartier auflösen mussten, weil es nicht mehr ging, musste alles ganz schnell gehen», sagt er.

Klar für ihn ist auch, dass man den Bewohnern keinen Neubau hinstellen kann. «Erstens sind wir keine reiche Gemeinde. Zweitens kann der Gemeinderat dies auch gar nicht der Bevölkerung verkaufen», so Schmid.