Die Präsidentin der Römisch-katholischen Kirchenpflege Kaiseraugst, Lisbeth Dudler, ist verärgert. Der Grund: Im Gespräch mit der Aargauer Zeitung hatte die neue Fricktaler Dekanatsleitung von der einen oder anderen Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Aufbau der Pastoralräume im Fricktal gesprochen.

Tatsache aber ist, dass sich Kaiseraugst seit mehreren Jahren gegen einen Pastoralraum wehrt. «Es gibt einen Beschluss der Kirchgemeindeversammlung aus dem Jahr 2009, dass wir uns dem Pastoralraum mit Rheinfelden nicht anschliessen werden. Dieser fiel damals einstimmig und an unserer Haltung hat sich seitdem nichts geändert», sagt Lisbeth Dudler.

Zusammenarbeit muss freiwillig sein

Gründe für den Widerstand gibt es laut Lisbeth Dudler einige: «Ein Pastoralraum ist im Gegensatz zu einem Seelsorgeverband ein starres Gebilde. Ist er einmal gegründet, lässt sich nur sehr schwer noch etwas daran ändern.»

Auch sei ein Pastoralraum kein probates Mittel gegen den Personalmangel: «Unserer Ansicht nach gibt es nur einen vernünftigen Weg, den Personalsorgen in der Seelsorge zu begegnen: die Abschaffung des Pflichtzölibats und die Gleichstellung der Geschlechter. Das heisst, die Kirche sollte Frauen zum Priestertum zulassen und allen Seelsorgenden die Heirat gestatten», so Dudler.

Und auch dass die «weltweit einzigartige Selbstbestimmung der Kirchgemeinden empfindlich eingeschränkt» wird, stört die Kaiseraugster. «Zusammenarbeit macht sicher an einigen Orten Sinn», so Lisbeth Dudler, «aber sie funktioniert nur, wenn sie auf freiwilliger Basis abläuft.»

Zu den grundsätzlichen Einwänden kommt in Kaiseraugst die geografische Situation. Der Kaiseraugster Gemeindeleiter betreut auch die Gläubigen der Baselbieter Gemeinden Giebenach und Arisdorf. Diese gehören zwar zur Pfarrei nicht aber zur Kirchgemeinde Kaiseraugst. Erst in diesem Jahr wurde gemeinsam mit dem Bischofsvikariat und den Landeskirchen der beiden Kantone Aargau und Baselland beschlossen, diesen Zustand beizubehalten.

«Giebenach und Arisdorf wären bei der Umsetzung der Pastoralraumpläne jedoch auch im Pastoralraum mit Rheinfelden eingeschlossen, obwohl die beiden Baselbieter Dörfer keine Beziehungen zum Kanton Aargau haben und eindeutig zu ihrem eigenen Kanton hin und nach Basel ausgerichtet sind», so die Kaiseraugster Kirchenpflegepräsidentin.

Briefwechsel mit dem Bistum

Seit 2009 sei dem Bistum und dem Dekanat der Widerstand der Kirchgemeinde Kaiseraugst bekannt, sagt Lisbeth Dudler. Sie gibt auch freimütig zu, dass Kaiseraugst mit dem Beschluss von 2009 seinem Gemeindeleiter untersagt hat, am Aufbau des Pastoralraumes mitzuwirken. Anfänglich habe es einige Kontakte mit dem Bistum gegeben, so Dudler, danach sei lange Zeit nichts passiert.

«Kurz vor den Sommerferien haben wir aber erfahren, dass der Bischof an alle Seelsorger geschrieben hat und betont hat, dass er überall dort entscheiden werde, wo bis Ende 2014 keine Struktur erkennbar sei. Daraufhin haben wir uns wieder schriftlich gewehrt», so die Kirchenpflegepräsidentin. Nun ist ein Briefwechsel im Gang. «Aber eigentlich erwartet der Bischof ganz einfach, dass man nickt und folgt.»

«Unbefriedigender Zustand»

Und was sagt das Bistum zu den Problemen in Kaiseraugst? Der Zustand in Kaiseraugst sei unbefriedigend, so Bischofsvikar Christoph Sterkman auf Anfrage der Aargauer Zeitung. «Die Kirchenpflege hat sich bis jetzt noch nicht entscheiden können, zuzulassen, dass sich die Seelsorgenden der Pfarrei Kaiseraugst auf den Prozess zur Bildung des Pastoralraums einlassen.»

Natürlich wisse man über den Bescheid und es hätten seit 2009 auch «einzelne Gespräche stattgefunden», so Sterkman weiter. Den Brief des Bischofs an die Seelsorger bestätigt der Bischofsvikar: «Der Bischof will die Bildung der Pastoralräume beschleunigen. Dazu gehört erstens, dass bis Ende 2014 im ganzen Bistum geklärt ist, wie die Pastoralräume gebietsmässig umschrieben sind.» Ebenfalls dazu gehöre es, dass klar ist, nach welchem Leitungstyp der Pastoralraum aufgebaut wird.

Zwang nicht hilfreich

Im Fricktal hinkt die Entwicklung der Pastoralräume generell noch etwas hinterher. Es gibt auch an anderen Orten noch laufende Verfahren, wie Christoph Sterkman bestätigte. Genauer wollte er sich dazu nicht äussern. Er betonte aber, Widerstand wie in Kaiseraugst gebe es sonst nicht: «In der Regel stehen die Kirchgemeinden und ihre Behörden dem Pastoralen Entwicklungsplan konstruktiv gegenüber und sind bereit das Anliegen des Bischofs aufzunehmen und mitzutragen.»

Wie die Lösung in Kaiseraugst dereinst aussehen wird, ist nicht abzusehen. Können die Kaiseraugster gezwungen werden, den Pastoralraum zu bilden? Eine klare Antwort dazu gibt es vom Bistum nicht: «Zwang ist kein hilfreiches Lösungsmittel», so der Bischofsvikar.