Vaterschaftsurlaub
Kaiseraugst ist das Fricktaler Papi-Paradies – so sieht es in den anderen Gemeinden aus

Im Schnitt bekommen Männer im Fricktal drei Tage frei, wenn sie Vater werden – Kaiseraugst gewährt zwei Wochen.

Thomas Wehrli
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Die meisten Fricktaler Gemeinden – deren 12 – gewähren ihren Mitarbeitern zwei Tage Vaterschaftsurlaub.

Die meisten Fricktaler Gemeinden – deren 12 – gewähren ihren Mitarbeitern zwei Tage Vaterschaftsurlaub.

Thinkstock

Aarau wird zum Papi-Paradies. Das vermeldete die AZ am Mittwoch und die Aargauer Hauptstadt erntete dafür in den sozialen Medien «Applaus aus der ganzen Schweiz». Das kommt so: Der Einwohnerrat debattierte am Montag über das neue Personalreglement und entschied sich – per Stichentscheid – für 20 statt wie bisher 10 Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub. Die neue Regelung sei «eine kleine Revolution», schrieb die AZ-Journalistin.

Da stellt sich dem Fricktaler jenseits des Hügels die aufmüpfige Frage: Wie revolutionär sind die Gemeinden in den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden unterwegs? Schliesslich sind wir Fricktaler ja ein kampferprobtes Völklein – was sich in den letzten Monaten, auf politischem Parkett, unter anderem beim Kantonsbeitrag an den Tarifverbund Nordwestschweiz (wir haben uns durchgesetzt), beim Halbstundentakt der S1 zwischen Laufenburg und Stein (wir haben uns durchgesetzt) oder, gerade aktuell, beim Kampf um den Erhalt des Spitals Laufenburg zeigt.

Nun, in Sachen Vaterschaftsurlaub sind wir dann doch etwas unrevolutionärer unterwegs. Die väterfreundlichste Regelung hat Kaiseraugst. Dei Gemeinde gewährt satte zwei Wochen Vaterschaftsurlaub. Allerdings ist das Junge-Väter-Glück an Bedingungen geknüpft. «Diese Wochen sind maximal einen Monat nach der Geburt zu beziehen», sagt Gemeindeschreiber Roger Rehmann. Beziehen die Väter die Freitage nicht in dieser Zeitspanne, verfallen sie.

Françoise Moser, die am 1. Juli das Gemeindepräsidium von Sibylle Lüthi übernimmt, begrüsst die Regelung. «Ich bin froh, dass wir eine derart fortschrittliche Regelung haben», sagt sie. In der heutigen Zeit sei es nicht mehr als anständig, dass auch Männern bei der Geburt ihrer Kinder Zeit für die Familie zustehe.

Fünf Gemeinden mit fünf Tagen

Im Vergleich ebenfalls grosszügig zeigt sich die Gemeinde Stein; hier haben Arbeitnehmer bei der Geburt eigener Kinder Anspruch auf sechs Vaterschafts-Tage. «Dabei ist ein Tag bei Niederkunft und die übrigen fünf Tage grundsätzlich zusammenhängend innerhalb eines Zeitraums von 60 Tagen nach der Geburt zu beziehen», erklärt Gemeindeschreiber Sascha Roth.

Fünf Gemeinden gewähren ihren werdenden – oder besser: gewordenen Vätern eine Woche bezahlten Vaterschaftsurlaub (siehe Tabelle). Auffallend dabei: Vier der fünf Gemeinden haben ihr Personalreglement in den letzten Jahren überarbeitet; in Wittnau beispielsweise ist das neue Personalreglement seit diesem Jahr in Kraft. Auch in Mettauertal ist das neue Reglement erst gut eineinhalb Jahre alt. Die Gemeinde gewährt ihren Angestellten ebenfalls fünf freie Tage, wenn sie Vater werden. Diese Urlaubstage müssen allerdings innert 30 Tagen nach der Geburt bezogen werden, wie Priska Meyer, Leiterin Finanzen, erklärt.

Im Durchschnitt sind es drei Tage

Genau im Fricktaler Mittel liegen sechs Gemeinden in den beiden Bezirken: In Frick, Kaisten, Laufenburg, Oeschgen, Zeiningen und Ueken bekommen stolze Jungväter drei Tage Zeit, um sich um Nachwuchs und Frau zu kümmern.

Gut ein Drittel der Fricktaler Gemeinden gewährt ihren Angestellten zwei zusätzliche Freitage. Gleich in mehreren der Zwei-Tage-Gemeinden wird das Personalreglement derzeit allerdings überarbeitet. In Eiken plant der Gemeinderat, auf 2019 «ein neues, total überarbeitetes Personalreglement einzuführen», erklärt Gemeindeschreiberin Jennyfer Zbinden. Zurzeit sind die beiden Gemeindeschreiber – Zbinden übt das Schreiberamt im Jobsharing mit Martin Rychener aus – an der Ausarbeitung des Entwurfes. Es ist geplant, das Reglement der Gemeindeversammlung im November vorzulegen. «Ob der Vaterschaftsurlaub im überarbeiteten Reglement eine Änderung erfährt, ist wahrscheinlich, muss aber vom Gemeinderat noch beurteilt werden», sagt Zbinden.

Auch Münchwilen gehört zum Zweier-Kreis. Hier ist ebenfalls eine Änderung des Personalreglements «pendent». «Auch die Anpassung des Vaterschaftsurlaubes wird ein Thema sein», schreibt Renate Kaufmann, Leiterin Finanzen ad interim.

Die Gemeinde hat in ihrem Reglement – als eine von wenigen Kommunen – neben der Vaterschaftsfrage auch die Urlaubsfrage bei einer Adoption geregelt. Eltern stehen in Münchwilen ab Kindesaufnahme sechs Woche Ferien zu, «wenn der andere Elternteil ebenfalls mindestens 50 Prozent arbeitet», so Kaufmann.

Zweimal ein Nuller

Mit einem Vater-werden-Tag müssen sich junge Väter in Oberhof, Sisseln, Wölflinswil und Zeihen begnügen. Allerdings liegt es in vielen Kommunen in der Kompetenz des Gemeinderates, individuelle Lösungen zu treffen. «Die Bewilligung weitergehender bezahlter oder unbezahlter Urlaube ist Sache des Gemeinderates», sagt Martina Schütz, Gemeindeschreiberin von Oberhof.

Einen Nuller landen Schupfart und Wallbach: Sie kennen keinen spezifischen Vaterschaftsurlaub. Das neue Personalreglement sei erst seit 2017 in Kraft, sagt Jacqueline Stöcklin, Gemeindeschreiberin von Schupfart. Eine Überarbeitung – auch mit Blick auf den Vaterschaftsurlaub – sei zwar «in Anbetracht unserer Personalstruktur» nicht vorgesehen, könnte jedoch «bei Bedarf in Betracht gezogen werden».