Liebrüti

Kaiseraugst im Kampf gegen Krähenplage: Jäger und Falke lauern den Tieren auf

Die Gemeinde Kaiseraugst geht mit verschiedenen Massnahmen gegen die Krähen in der Liebrüti-Siedlung vor.

Die Gemeinde Kaiseraugst geht mit verschiedenen Massnahmen gegen die Krähen in der Liebrüti-Siedlung vor.

Weil sich Anwohner über den Lärm nervten, sollen die Liebrüti-Krähen in Kaiseraugst dezimiert und vertrieben werden.

Kaiseraugst geht gegen die Krähenplage in der Wohnsiedlung Liebrüti vor. Über Wochen und Monate hatten sich Anwohner über die Vögel beschwert, die ihnen am Morgen und Abend den Schlaf raubten, auf der Strasse Abfallsäcke aufrissen und die Gärten und Balkone verdreckten. Bei der Gemeinde gingen mehrere entsprechende Reklamationen ein und auch auf Facebook machten die Leute mit Kommentaren ihrem Ärger Luft. Ende Juli dann beschloss der Gemeinderat verschiedene Massnahmen: Die Feuerwehr soll Nester aus den Bäumen in der Liebrüti entfernen, die Jagdgesellschaft einen Abschuss koordinieren und ein Falkner die Vögel vergrämen.

Seit zwei Wochen läuft die Aktion nun, seit die Schonzeit für Krähen am 31. Juli ablief. Eine Gruppe Jäger ist in der Zwischenzeit bereits mehrmals ausgerückt. Rund 60 bis 70 Krähen hätten bisher erlegt werden können, sagt Niklaus Schmid, Präsident der Jagdgesellschaft. Geschossen wird nicht im Quartier selber, sondern draussen auf den Feldern – dort, wo die Krähen tagsüber auf Futtersuche gehen.

Abschuss auf den Feldern

Um überhaupt Erfolg zu haben, müssen die Jäger die Krähen überlisten. «Es würde nicht funktionieren, wenn wir einfach mit dem Gewehr hinstehen und warten würden», sagt Schmid. «Dafür sind die Vögel zu schlau.» Deshalb legen die Jäger in den frühen Morgenstunden auf einem Feld Vogel-Attrappen aus. «Es soll möglichst so aussehen, als wären bereits Krähen am fressen», erklärt Schmid. Die Jäger selber verstecken sich in nahen Maisfeldern oder hinter Tarnnetzen. Wenn dann die Krähen einfliegen, wird geschossen. «Es geht nicht darum, die Vögel auszurotten», betont Schmid. «Wir haben den Auftrag, den Bestand zu reduzieren.»

Auch Falkner Ben Gregor-Smith hat seine ersten Einsätze in der Liebrüti schon hinter sich. Seine zwei Wüstenbussarde und ein Wanderfalke sollen die Krähen vergrämen. Die Vögel sind darauf trainiert, gemeinsam zu fliegen. «Sie jagen die Krähen und erschrecken sie», sagt Gregor-Smith. Ein Töten sei nicht nötig, komme aber vor, wenn auch eher selten. «Das kann nicht verhindert werden, da es sich bei den Vögeln um wilde Tiere handelt und auch ich als Falkner nicht jede ihrer Bewegungen kontrollieren kann.»

Raubvögel markieren Präsenz

Wichtiger sei aber ohnehin die schlichte Präsenz der Raubvögel. «Fühlen sich die Krähen unwohl und bedroht, suchen sie sich einen neuen Lebensraum», sagt Gregor-Smith. In den ersten Wochen möchte er daher möglichst oft mit seinen «Harris Hawks» in Kaiseraugst präsent sein, später dann nur noch sporadisch. So soll der Eindruck erweckt werden, dass die Raubvögel permanent in der Siedlung leben. «Die Krähen werden immer wieder zurückkommen, sobald sie aber die Raubvögel sehen, gehen sie wieder», sagt Gregor-Smith. Er hat bereits in England und der Schweiz als Falkner gearbeitet und Erfolg gehabt.

Sowohl der Falkner als auch der Jäger rechnen damit, dass die Massnahmen bald spürbar werden. Es gibt keine Statistiken darüber, wie viele Krähen in der Liebrüti nisten und übernachten. Die Verantwortlichen gehen von einigen Hundert aus. Die Feuerwehr berät noch diese Woche, wie das genaue Vorgehen beim Entfernen der Nester sein wird. Auch diese Massnahme soll dabei helfen, den Bestand in der Siedlung einzuschränken.

Positive und negative Reaktionen

Wann der Kampf gegen die Krähenplage wieder beendet wird, ist noch nicht klar. «Wir werden analysieren, wie es sich entwickelt. Das Ziel ist es, den Bestand so zu halten, dass er für die Anwohner erträglich ist», sagt Jäger Niklaus Schmid. Erste Reaktionen aus der Siedlung hat er bereits erhalten – positive und negative. «Einige Anwohner bedanken sich, weil es bereits merklich ruhiger geworden sei. Andere können die Aktion nicht verstehen und halten das Töten der Krähen für unnötig.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1