Kaiseraugst
Einst brachte er die Marroni nach Kaiseraugst – jetzt geht Förster André Schumacher in Pension

Knapp 35 Jahre lang war André Schumacher Förster in Kaiseraugst. Ende Monat nun geht er in Pension. Seinen Wald, sagt Schumacher nicht ohne Stolz, könne er seiner Nachfolgerin in einem «tipptoppen» Zustand hinterlassen – und mit einigen exotisch anmutenden Bäumen.

Nadine Böni
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André Schumacher, Förster von Kaiseraugst, geht nach 35 Jahren in Pension.

André Schumacher, Förster von Kaiseraugst, geht nach 35 Jahren in Pension.

Nadine Böni / Aargauer Zeitung

Es ist wahrlich kein schöner Frühlingsmorgen. Der Himmel hängt grau und tief über den Baumkronen, der Regen prasselt aufs Blätterdach. Irgendwo zwitschert einsam eine Amsel. Doch auch an diesem tristen Morgen sieht André Schumacher die Schönheit im Wald, an diesem Plätzchen nahe der Kaiseraugster Waldhütte.

Die verschiedenen Grüntöne um ihn herum – sie haben es ihm angetan. «Die Farben sind in diesem Licht besonders intensiv», sagt der Förster. Besonders in diesem Frühjahr, wo die Bäume für einmal nicht unter Trockenheit leiden.

Der Büroalltag wäre nichts für ihn

Es ist Schumachers letzter Frühling im Dienste des Kaiseraugster Walds. Ende Monat geht er in Pension. Mit einem Lächeln sagt er:

«Es ist ein gutes Gefühl. Aber ich gehe auch mit einem tränenden Auge.»

Der Wald hat ihn schliesslich fast sein ganzes Erwachsenenleben lang begleitet – und immer wieder von Neuem fasziniert.

Nach einer Lehre zum Eisenbetonzeichner in Rheinfelden merkte er rasch: Im Büro, in einem durchstrukturierten Umfeld, da liegt seine Zukunft nicht. Und so arbeitete er zwischenzeitlich als eine Art «freiwilliger Knecht» auf einem Bauernhof im Berner Oberland. «Die Familie besass Wald. Im Winter waren wir daher viel draussen beim Holzen», erzählt er. So entdeckte er seine Leidenschaft.

Nach der Rekrutenschule absolvierte er in Möhlin also eine Forstwartlehre, später die Försterschule in Maienfeld (GR). 1987 schliesslich trat er seine Stelle in Kaiseraugst an.

Ein Souvenir aus dem Bergell

Viel hat sich in den knapp 35 Jahren seither verändert, sowohl an der Arbeit des Försters als auch im Wald. Eines hat André Schumacher immer über alles geschätzt: seine Freiheiten in der Tätigkeit als Förster, den Gestaltungsraum auch. Er erklärt es so:

«Als Förster beeinflusse ich die Entwicklung des Waldes ganz direkt. Ich kann meine Ideen einbringen und ausprobieren – und nach einigen Jahren sehe ich dann, ob es funktioniert.»

Funktioniert hat einiges. Schumacher zeigt auf einen Baum etwas abseits der Waldhütte. Es ist eine Edelkastanie – oder wie Schumacher sagt: ein «Marronibaum». In jungen Jahren verbrachten er und seine Frau mit den beiden Kindern einige Jahre im Bergell. Ihm gefielen die dort weit verbreiteten Edelkastanien. So pflanzte er auch in Kaiseraugst «Marronibäume».

Dem Wald wird er treu bleiben

Auch andere Bäume, die zuvor nicht vorkamen, hat Schumacher nach Kaiseraugst gebracht. Die Schwarznuss etwa oder die Hopfenbuche. Seine Devise: «Je vielfältiger ein Wald ist, desto widerstandsfähiger ist er.» Gegen Stürme, Pilze, Käfer und den Klimawandel. «Der Wald verändert sich stetig. Das aber ist auch eine Chance», sagt er.

«Wichtig ist, dass wir Förster immer wieder offen sind für neue Varianten, ohne dabei die bewährten Baumarten ganz zu vernachlässigen.»
Zu André Schumachers Hobbys gehört das Schnitzen von Skulpturen.

Zu André Schumachers Hobbys gehört das Schnitzen von Skulpturen.

Nadine Böni / Aargauer Zeitung

«Seinen» Wald übergibt André Schumacher nun in einem «tipptoppen» Zustand, wie er mit einem verschmitzten Lächeln und nicht ohne Stolz sagt. Ein paar Wochen lang wird er seine Nachfolgerin, Astrid Schwyter, stundenweise noch begleiten und dann endgültig in Pension gehen.

Im Wald wird André Schumacher allerdings auch danach noch anzutreffen sein, als Spaziergänger oder Jogger – oder mit der Motorsäge: Das Schnitzen von Holzskulpturen ist schliesslich sein Hobby. Und: das Reisen. Über all die Jahre hat er regelmässig an der Schweizer Waldschadeninventur mitgearbeitet, war dafür in der ganzen Schweiz unterwegs. Mit einem Lachen sagt er: «Ich weiss also, wo die schönsten Plätzchen sind.»