Kaiseraugst
Die Feuerwehr auf Storchenmission: Wie die Jungtiere per Drehleiter beringt werden

Der kalte und nasse Mai hat den Störchen im Fricktal arg zugesetzt. Viele Jungtiere sind gestorben. In Kaiseraugst haben nur 14 überlebt – obwohl so viele Störche wie noch nie genistet haben.

Thomas Wehrli
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Die beiden jungen Störche werden, beobachtet von Schülern, aus ihrem Horst geholt, um sie am Boden beringen zu können.

Die beiden jungen Störche werden, beobachtet von Schülern, aus ihrem Horst geholt, um sie am Boden beringen zu können.

Urs Wullschleger / Aargauer Zeitung

«Was guckst du?!», dürften sich letzte Woche die beiden Jungstörche auf der Platane beim Schulhaus in Kaiseraugst gedacht haben, als da plötzlich zwei Herren in einem – aus Sicht von jungen Störchen – riesigen und gefährlich anmutenden Metallkorb unverhofft vor ihrem Horst aufgetaucht sind.

Da nutzte ihnen alles Totstellen nichts, die beiden Herren – Bruno Gardelli von der Storchenstation Möhlin und Walter Bräutigam von der Feuerwehr Rheinfelden – nahmen die Jungstörche flugs an Bord und fuhren sie nach unten. Hier erhielten die Jungstörche, beobachtet von vielen Schülern, ihre Erkennungsringe.

Letzte Jungstörche werden im Juli beringt

Es war die erste Beringungsaktion in diesem Jahr in Kaiseraugst, am Mittwoch folgt die zweite. «Die letzten Jungstörche werden wir erst im Juli beringen», erzählt der Kaiseraugster Storchenvater Urs Wullschleger. Normalerweise sind bereits Ende Juni alle Jungstörche beringt. «In diesem Jahr fingen die letzten Paare erst spät mit Brüten an», erklärt Wullschleger den längeren Zeitraum. Damit zieht sich auch die Beringung der Jungstörche in die Länge.

Die beiden jungen Störche erhalten ihren Ring.

Die beiden jungen Störche erhalten ihren Ring.

Urs Wullschleger / Aargauer Zeitung

Das Storchenjahr bezeichnet Wullschleger als «durchzogen». Am Anfang sah es schlecht aus – und dann kamen plötzlich so viele Störche wie noch nie. Brüteten im letzten Jahr 12 Paare, so tummelten sich in diesem Jahr 20 in Kaiseraugst. Acht von ihnen bauten nolens volens neue Horste. Wullschleger lacht.

«Fast jeder Baum wurde als Nistort auserkoren.»

Auch in Gärten von Einfamilienhäusern und auf geknickten Bäumen bauten die Störche ihre Nester. Eine Familie hat nun vom ersten Stock ihres Hauses aus freie Sicht auf das Kinderzimmer der Storchenfamilie.

Störche kamen von Basel her

Dass es in Kaiseraugst plötzlich deutlich mehr Störche hat als in Vorjahren, kann sich Wullschleger nur mit Baumfällungen in Basel erklären. «Sie schwärmten dann auf der Suche nach neuen Nistplätzen weiter aus.» Und kamen nach Kaiseraugst.

Gebaut haben dabei auch ein- bis zweijährige Störche, die gar noch nicht geschlechtsreif sind, einen Horst. Nachwuchs gab es natürlich keinen und so blieb in 6 der 20 Horste die Kinderstube leer.

Im Mai starben viele Jungtiere

Lange glaubte Wullschleger denn auch, dieses Jahr könnte ein ausgesprochen gutes Storchenjahr werden. Mit gut 30 jungen Störchen rechnete er im Frühjahr noch. Doch dann kam der Mai. Viel zu kalt, viel zu nass. Etliche Jungtiere starben. Das Storchenpaar auf den Platanen im Dorfzentrum beispielsweise hatte ursprünglich vier Junge; überlebt haben zwei. Auf dem Kirchturm schaffte es sogar nur eins von vier Jungtieren.

«Einzig auf dem ‹Adler› haben drei überlebt.»

Das sei eben die Natur, sagt Wullschleger. Da könne man nichts machen. Geschafft haben es 14 Jungtiere. Wullschleger überlegt kurz, nickt. «Nach diesem Mai können wir damit ganz zufrieden sein», bilanziert er. Er freut sich über den Horstzuwachs.

Auf dem «Adler» haben drei Jungstörche überlebt.

Auf dem «Adler» haben drei Jungstörche überlebt.

Urs Wullschleger / Aargauer Zeitung

Natürlich gebe es im Dorf auch Stimmen, die finden: Nun reiche es langsam, weiss Wullschleger. Er ist überzeugt: «Die Natur richtet das schon.» Denn wenn das Futterangebot knapp werde, würden die Störche weiterziehen.

Eine Futterquelle gibt es im Dorf nicht mehr: das Entsorgungscenter. Denn das Gelände ist inzwischen «storchensicher». «Darüber bin ich froh», sagt Wullschleger. «Denn da fanden die Störche immer auch Sachen, die ihnen nicht guttaten.»

Hoch hinaus müssen Bruno Gardelli von der Storchenstation Möhlin und Walter Bräutigam von der Feuerwehr Rheinfelden, um zum Jungtier auf dem Kirchturm zu gelangen.

Hoch hinaus müssen Bruno Gardelli von der Storchenstation Möhlin und Walter Bräutigam von der Feuerwehr Rheinfelden, um zum Jungtier auf dem Kirchturm zu gelangen.

Urs Wullschleger / Aargauer Zeitung

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