Kaiseraugst
Ausnahmegenehmigung erteilt – Drohne soll Krähennester von den Bäumen holen

Die Gemeinde Kaiseraugst kämpft seit Jahren gegen das Krähenproblem in der Überbauung Liebrüti. Jetzt hat der Kanton eine Ausnahmebewilligung erteilt: Die Nester der Vögel dürfen auch während der Schonfrist entfernt werden.

Nadine Böni
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Nach dem «Robird» soll nun eine Drohne gegen die Krähen eingesetzt werden. Im Bild Marcel Maurer, CEO der beauftragen Firma.

Nach dem «Robird» soll nun eine Drohne gegen die Krähen eingesetzt werden. Im Bild Marcel Maurer, CEO der beauftragen Firma.

Nadine Böni

Noch immer treffen auf der Kaiseraugster Gemeindekanzlei wöchentlich E-Mails und Schreiben ein zum Thema Krähen in der Überbauung Liebrüti. Die Vögel sorgen dort bereits seit Jahren für grossen Unmut unter den Anwohnern. Ihr Gekrächze reisst manch einen frühmorgens aus dem Schlaf und stört abends bis in die Nacht hinein.

Die Gemeinde verfolgt daher seit einiger Zeit das sogenannte Drei-Säulen-Konzept – Nahrungsentzug, Vergrämung und Dezimierung. «Wir haben in allen Bereichen des Konzepts Massnahmen ergriffen. Das hat Wirkung gezeigt, leider aber jeweils nur relativ kurzfristig», sagt Gemeinderat Jean Frey. Die Vögel kehrten immer wieder zurück – und mit ihnen die Reklamationen. «Verständlicherweise», sagt Frey.

Die Krähen sollen andere Nistplätze suchen

Nun möchte die Gemeinde einen Schritt weiter gehen. Sie hat vom Kanton eine Ausnahmebewilligung für das Entfernen der Krähennester erhalten, und zwar über die eigentlich am 16. Februar beginnende Schonfrist für Krähen hinaus. «Erst wenn die Eiablage stattgefunden hat, dürfen keine Nester mehr entfernt werden», sagt Erwin Osterwalder, Fachspezialist Jagd und Fischerei beim Kanton.

«Das ist eine Vergrämungsmassnahme mit dem Ziel, das Brüten der Krähen in die Waldgebiete ausserhalb der Siedlung zu verlagern», sagt Frey. Am Violenbach und Richtung Autobahn habe es geeignete Bäume und dort sei das Störungspotenzial viel kleiner. Solche oder ähnliche Ausnahmebewilligungen werden selten erteilt. «Wir sind sehr restriktiv mit dem Erteilen von Bewilligungen für Nesterentfernungen und erteilen diese erst, wenn zuvor andere Massnahmen durchgeführt wurden, wie das Kaiseraugst gemacht hat», sagt Osterwalder. «Wir sprechen uns jeweils auch mit Birdlife Aargau ab, bevor wir eine Bewilligung erteilen.»

Die Saatkrähen-Population habe sich in Kaiseraugst aber innert kurzer Zeit etabliert und sei rasch gewachsen. Osterwalder hat sich auch schon vor Ort selber ein Bild von der Situation gemacht. Er rechtfertigt die Ausnahmebewilligung:

«Die Krähen brüten mitten in der Wohnsiedlung. Die damit verbundene Lärmbelastung und die ­flächendeckenden Kotverunreinigungen übersteigen dort das verträgliche Mass.»

Erfahrungswerte zu dieser Massnahme fehlen zwar. Osterwalder ist aber durchaus zuversichtlich, dass das längerfristig Wirkung zeigen könnte. «Es handelt sich zwar nicht um einen letalen, aber doch um einen sehr starken Eingriff in das Brutverhalten der Vögel.» Der Kanton werde mit der Gemeinde in Kontakt bleiben und so verfolgen, wie sich die Situation entwickelt.

Eine Drohne mit Greifarm soll zupacken

Bei der Nestentfernung wird eine eigens dafür entwickelte Drohne mit Greifarm zum Einsatz kommen. Sie stammt von der Firma Eagle Eye Multicopter Services GmbH. Die Firma war in den vergangenen beiden Jahren bereits für die Krähenbekämpfung in der Liebrüti tätig – mit dem Roboterfalken «Robird»:

Nadine Böni

Vergangene Woche wurde mit der Drohne ein Probeflug durchgeführt. «Es hat funktioniert», sagt Jean Frey.

Im Februar, wenn die Krähen mit dem Nestbau beginnen, soll die Drohne zum Einsatz kommen. Die Bäume würden dann wöchentlich kontrolliert und die Nester laufend entfernt, sagt Frey.

«Ziel ist es, dass es gar nicht erst grossflächig zu einer Eiablage kommt, sondern, dass die Vögel dafür an andere Standorte ausweichen.»

Der entsprechende Vertrag mit der Firma werde derzeit ausgearbeitet. Im Budget der Gemeinde sind auch 2021 einige zehntausend Franken für die Krähenbekämpfung reserviert.

Entsorgungsbetrieb installiert Netze über dem Kehricht

Als weitere Massnahme soll den Krähen die Nahrungsbeschaffung weiter erschwert werden. So werden die Zugänge der Krähen beim Entsorgungsbetrieb im Gebiet Rinau abends und an den Wochenenden mit Gitternetzen verschlossen und die Container abgedeckt. Die entsprechende Baubewilligung der Gemeinde liegt vor. «Wir hoffen, dass wir nun Wege finden, das Problem auch langfristig zu lösen», sagt Jean Frey.