Justiz
Per DNA auf Dose überführt: Farb-Sprayereien kommen 22-Jährigen teuer zu stehen

Ein Mann aus dem Baselbiet soll in einer einzigen Nacht 23 Stellen in Stein mit Graffiti versprüht haben. Dafür stand er jetzt vor dem Bezirksgericht Rheinfelden. Das verurteilte ihn wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe – die fiel aber geringer aus als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte.

Hans Christof Wagner
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Farbschmierereien an Wänden sorgten 2019 in Stein für einen Sachschaden von 28'440 Franken.

Farbschmierereien an Wänden sorgten 2019 in Stein für einen Sachschaden von 28'440 Franken.

Symbolbild getty

«Keine Aussage» – diese Worte hörte Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab in diesem Strafverfahren am Bezirksgericht Rheinfelden oft. Ein 22-Jähriger aus dem Baselbiet hatte vor ihr als Beschuldigter gesessen. Aber er nutzte bei der Befragung oft sein Recht auf Aussageverweigerung. Dazu, was aus in der Nacht vom 20. auf den 21. April 2019 in Stein passiert ist, sagte er nichts.

Für Sachschaden in Höhe von 28'440 Franken verantwortlich

Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg vom 27. Januar soll er zu besagter Zeit an 23 Stellen auf Steiner Gemeindegebiet Graffiti aufgesprayt haben und damit für einen Sachschaden in Höhe von 28'440 Franken verantwortlich sein. Das beantragte Strafmass: Geldstrafe wegen Sachbeschädigung über 5400 Franken bedingt mit einer Probezeit von zwei Jahren, Busse von 1350 Franken. Zivilforderungen in Höhe von nochmals mehr als 8000 Franken kommen hinzu.

Zeugenaussagen belasten den Beschuldigten

Um Licht ins Dunkel zu bringen, blieben dem Bezirksgericht nur die schon zuvor gegenüber der Polizei gemachten Zeugenaussagen sowie die Gewissheit, dass auf einer der wohl benutzten Farbdosen vom Beschuldigten stammende DNA gefunden wurde. Ein Zeuge hatte ausgesagt, dass der 22-Jährige bei einer den Farbsprayereien vorausgegangenen privaten Party im Clubhaus des FC Stein bereits Spraydosen mit sich geführt habe.

Für die Verteidigung war die Beweislage dennoch zu dünn. «Zeugen haben sich in ihren Aussagen teils widersprochen», sagte der Anwalt. Dass der Beschuldigte allein für alle Sachbeschädigungen verantwortlich sei, müsse bezweifelt werden. Es hätten auch mehrere Personen beteiligt sein können. Auch die vorgefundene DNA beweise allein noch nichts.

20 Prozent weniger bei Geldstrafe und Busse

Der Forderung nach Freispruch und Zurückweisung aller Zivilforderungen aber wollte Lützelschwab nicht entsprechen. Sie verurteilte den Mann wegen Sachbeschädigung, reduzierte aber die von der Staatsanwaltschaft geforderte Geldstrafe wie auch die Busse um rund 20 Prozent. 2000 Franken Gerichtskosten und Anklagegebühren sowie die Rechnung seiner Verteidigung muss der Beschuldigte zudem bezahlen.

Lützelschwab nannte den DNA-Fund einen «ziemlich belastenden Hinweis». Auch haben sich nach ihrer Ansicht die Zeugen nicht in Widersprüche verstrickt. «Und zudem tragen die in Stein aufgebrachten Graffiti alle die gleiche Handschrift, sodass mehrere Täter unwahrscheinlich sind», wie sie ausführte. Lützelschwab sagte, das Recht auf Aussageverweigerung stehe jedem Beschuldigten zu. Doch sie sagte auch:

«Wer so häufig davon Gebrauch macht wie Sie heute, trägt eben auch nicht dazu bei, dass das Gericht Entlastendes findet.»

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