Justiz
«Ich bin kein Tierquäler»: Beschuldigter kann Bezirksgericht Rheinfelden von seiner Unschuld überzeugen

Gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg Einsprache erhoben zu haben, hat sich für einen 50-Jährigen aus dem oberen Fricktal gelohnt. Vom Vorwurf, am Tod von mehreren hundert Fischen und Krebsen verantwortlich zu sein, wurde er freigesprochen. 4500 Franken Strafe bleiben ihm damit erspart.

Hans Christof Wagner
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Falsch ausgeführte Schachtarbeiten sollen laut der Staatsanwaltschaft zum Tod von Fischen und Krebsen geführt haben.

Falsch ausgeführte Schachtarbeiten sollen laut der Staatsanwaltschaft zum Tod von Fischen und Krebsen geführt haben.

Symbolbild: Martin Toengi / BLZ

«Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft tun mir sehr weh. Ich bin Tierfreund und würde es niemals riskieren, bei meiner Arbeit Tiere zu gefährden», sagte der Mann in der Befragung durch Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab aus.

Geldstrafe von 4500 Franken, Busse von 1000 Franken

Fahrlässige Gewässerverschmutzung und Tierquälerei – das war es, was ihm die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg in ihrem Strafbefehl zur Last legte. Der Beschuldigte, von Beruf Kanalreiniger, soll bei Schachtreinigungsarbeiten im Oktober 2018 im unteren Fricktal unvorsichtig und pflichtwidrig vorgegangen sein. Dadurch seien Sedimente in einen Bach gelangt und hätten darin den Tod von mehreren hundert Fischen und Krebsen verursacht. Der Strafbefehl sah eine Geldstrafe von 4500 Franken bedingt und eine Busse von 1000 Franken vor.

«Unvorsichtig und pflichtwidrig» – dem trat der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht entgegen. Vielmehr sei er sogar «extrem vorsichtig» vorgegangen, habe durch den Einsatz eines besonders starken Absauggeräts dafür Sorge getragen, dass durch seine Arbeiten keine Verunreinigungen ausgelöst werden. Ausserdem habe er, belegt durch Pläne, ohnehin davon ausgehen können, dass der Schacht und der verschmutzte Bach gar nicht miteinander verbunden gewesen sind. In der Befragung gab er an, dass die Vorwürfe gegen ihn zu wenig abgeklärt worden seien. Letztlich stand für ihn fest:

«Es ist unbewiesen, dass ich und meine Arbeiten an dem Sterben der Fische und Krebse schuld sind.»

Auch der Anwalt der Beschuldigten sprach im Plädoyer davon, dass die Anklage nur auf unbelegten Vermutungen basiere. Er sagte:

«Wenn Tiere sterben, ist das schlimm. Aufgrund blosser Vermutungen darf aber niemand verurteilt werden.»

Woran die Fische und Krebse gestorben sind, sei nicht belegt. Untersuchungen der Fischkadaver hätten keine stattgefunden, führte der Verteidiger aus. So plädierte er auf Freispruch. Diesen sprach das Bezirksgericht Rheinfelden auch aus – schon nach nur kurzer Beratung zwischen Gerichtspräsidentin und Gerichtsschreiber. Die Verfahrens- und Anwaltskosten gehen zu Lasten der Staatskasse. Dass der Beschuldigte seine Sorgfaltspflicht verletzt haben könnte, sei nicht belegt. Auch Fehler seinerseits habe das Gericht nicht feststellen können. Zu beweisen, dass dessen Arbeiten ursächlich für die Gewässerverschmutzung und den Fischtod waren, sei der Anklage nicht gelungen.

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