Kultur
Jürg Obrist: Von New York zurück im Fricktal

Der Autor und Illustrator Jürg Obrist lud ein zur Autorenlesung. Dabei erfuhren die Gäste Einiges über den einstigen Weltenbummler.

Patricia Streib
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«Kinder sind ehrliche und kritische Leser. Ihre Welten sind voller Fantasie, Gefühle und Träume», sagt der «Vater» von beliebten Figuren wie zum Beispiel Kalle Bohne, Gitta Gurke oder Kommissar Maroni. So nahm er gerne die Einladung zur Autorenlesung ins Fricktal an. Für einmal blieben die Rechnungshefte geschlossen, die Wandtafel jungfräulich und die knapp 30 Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe durften sich bequem in einem lockeren Kreis um den faszinierenden Besuch scharen. Mit dabei ihre beiden Lehrpersonen, die nicht minder gespannt lauschten und beim Lösen der kniffligen Kriminalfälle eifrig mitrieten. Jürg Obrist liess den Montagnachmittag im Flug vergehen.

Autor und Illustrator

Es ist in der Primarschule Wölflinswil bereits zur Tradition geworden, regelmässig Autoren einzuladen. Dieses Jahr fiel die Wahl auf den in Zürich wohnhaften Autor und Illustrator Jürg Obrist. Nach seiner Ausbildung zum Retoucheur schloss er die Fachklasse für Fotografie an der Schule für Gestaltung in Zürich ab.

Als Fotograf verschlug es ihn nach New York, wo er sich autodidaktisch zum Illustrator ausbildete und 1978 sein erstes Kinderbuch mit dem Titel «They Do Things Right in Albern» schrieb. Bis heute hat er an die 53 Bücher geschrieben oder illustriert, er arbeitet für verschiedene Buch- und Zeitschriftenverlage und wurde mehrfach in Europa und den USA ausgezeichnet.

Sommervogel mit «f»

Schon in frühster Kindheit gab Obrist, der als seine «Lieblinge» «Das Zenbra ist das Zebra» und «Valery und König Teddy» nennt, das Bilderbuch kaum aus der Hand und verbrachte Stunden mit Schauen, Staunen und Geniessen. In der ersten Klasse entstand sein erstes Werk. Zwar war damals der Schmetterling noch ein Sommervogel mit «f», doch das Büchlein konnte sich durchaus sehen lassen und stolz zeigte er es auch am Montag seiner begeisterten Zuhörerschaft. Als Illustrator erhebt der Zürcher den Anspruch an seine Bilder, dass der Betrachter immer wieder gerne und auch mehrmals hinsieht und immer wieder etwas Neues entdeckt.

Mit seinen beliebten Krimis zum Mitraten möchte er die Kinder animieren, zu lesen und die kniffligen Verbrechen durchs genaue Lesen oder Hinhören einerseits, aber auch durch das sorgfältige Betrachten der Bilder andererseits zu lösen. Ob Kommissar Maroni die gestohlenen Lo-Ming-Fische aufspürt und den falschen Nikolaus entlarvt oder ob Detektiv Kalle Bohne den Bugatti-Dieb überführt, sowohl den Kindern wie auch Erwachsenen macht es Spass, mitzuraten.

Kater Clemens

Anhand des Bilderbuches «Kater Clemens» zeigte Autor und Illustrator, wie aus Skizzen, Entwürfen und Druckbogen schliesslich ein gebundenes, verkauffertiges Bilderbuch entsteht. Nach einer kurzen Pause gings ans «Fälle lösen». Eifrig schnellten die Zeigefinger der Kinder in die Höhe, sobald sie glaubten, den Täter gefunden zu haben. Auf sein Hobby «Krimi lesen» bezogen, meinte Obrist schmunzelnd: «Ich muss ja schliesslich auf dem Laufenden sein, so ist es fast Pflichtlektüre.»

Die heissen Fälle von Gurke, Maroni und Bohne habens zwar in sich, aber da und dort entdeckte Obrist schon die eine oder andere clevere Spürnase mit wachem Verstand und scharfem Auge.