Rheinfelden
Jürg Conzett lobte die Schlichtheit von Maillarts 100-jähriger Brücke

Jürg Conzett widmete sich im Fricktaler Museum der 100-jährigen Geschichte der Maillart-Rheinbrücke. Dabei verwies er auf das Eigenleben der Brücken und lobte Maillarts Schlichtheit und Funktionalität.

Hans Christof Wagner
Merken
Drucken
Teilen
Beeindruckt waren Ute W. Gottschall, stellvertretende Leiterin des Fricktaler Museum und ein Zuhörer (rechts) über den Vortrag von Jürg Conzett (Mitte), der das Wirken des Bauingenieurs Robert Maillart zum Thema hatte. hcw

Beeindruckt waren Ute W. Gottschall, stellvertretende Leiterin des Fricktaler Museum und ein Zuhörer (rechts) über den Vortrag von Jürg Conzett (Mitte), der das Wirken des Bauingenieurs Robert Maillart zum Thema hatte. hcw

Aus dem Vortrag des 1956 in Aarau geborenen Bauingenieurs nahmen die rund 20 Zuhörer vor allem eines mit: Brücken überspannen nicht nur Hindernisse, sie haben auch ein Eigenleben. Sie sind konstruiert und doch auch immer Produkt des Ausprobierens, gerade zur Zeit von Robert Maillart, dem Konstrukteur der Rheinfelder Brücke.

Rheinfelden 1897: Die alte Rheinbrücke aus Holz war gerade abgebrannt. Die Stadt suchte nach einer modernen Alternative und schrieb 1909 einen Wettbewerb aus. 45 Unternehmen reichten Entwürfe ein, vier davon wählte die Jury aus und legte sie zur Abstimmung vor. Maillarts Entwurf genoss beim Preisgericht keine Top-Priorität, sondern nahm nur Rang zwei ein. Conzett erklärte die Gründe. So habe die offene Anbindung der Brücke an die jeweiligen Städte rechts- und linksrheinisch in Maillarts Entwurf nicht gefallen.

Andere Pläne mit opulenten Brückentoren beiderseits des Flusses gefielen mehr. Dennoch entschied sich die Stadt für Maillarts Projekt, auch weil dieser versprach, die Gerüstkosten klein zu halten. Conzett machte deutlich, dass den Stadtvätern Anfang des 20. Jahrhunderts klar war: Eine Eisenbrücke soll es nicht sein. Laut Vorgabe in der Ausschreibung musste das Bauwerk aus Beton oder Stein bestehen.

Maillart liess die Rheinbrücke mit gegossenen Betonsteinen erbauen. Der Referent machte die Zuhörer darauf aufmerksam, dass die Brückenbögen unterschiedlich lang sind – mit dem längeren Teil vom deutschen Ufer bis zum Inseli. «Es gibt einen Bruch in der Brücke», sagte der Bauingenieur. So sei der mittlere, 40 Meter lange, Bogen innen hohl, um den Druck auf den Brückenpfeiler zu minimieren.

Conzett ordnete Maillarts Wirken architekturgeschichtlich ein. Bei Brücken Mitte des 19. Jahrhunderts habe es sich noch um Bauwerke gehandelt, mit oft repräsentativem aber funktionslosem Beiwerk. Dies machte der Referent an deutschen Beispielen aus dem Raum Köln/Bonn deutlich. Maillart aber habe Brücken auf ihre eigentliche Funktion zurückgeführt, bestechend gerade durch die Schlichtheit der Entwürfe. Conzett zufolge sind Maillarts Brücken am Hochrhein – neben Rheinfelden auch Laufenburg – nicht die radikalsten seines langen Schaffens. Dennoch seien sie es wert, aus dem Schatten der früheren und späteren Entwürfe herauszutreten. Jürg Conzetts Vortrag endete mit aktuellen Bezügen zum Neubau der Kettenbrücke in Aarau.

Ute W. Gottschall, die stellvertretende Leiterin des Fricktaler Museums, dankte Jürg Conzett für dessen interessanten Vortrag. Er habe in lebendiger und leidenschaftlicher Weise Maillarts Bedeutung als Ingenieur aufgezeigt und gleichzeitig seiner eigenen Leidenschaft für den Brückenbau Ausdruck gegeben.