Im aktuellen Kinofilm «Jurassic World» haben die Saurier die Menschen zum Fressen gern. In Frick haben die Menschen die Saurier zum Aus-der-Haut-Fahren gern: Von einem «Hammerfund» sprach am Mittwoch Susanne Gmünder Bamert, Fricker Gemeinderätin und Leiterin der Saurierkommission, von einem «extrem seltenen Fund» Grabungsleiter Ben Pabst.

Der Grund der kollektiven Verzückung: «Das grösste je in Frick gefundene Skelett eines Plateosauriers» (Gmünder), jenes Pflanzen mampfenden Kolosses, das vor rund 210 Millionen Jahren durch das Fricktal stampfte.

«In den letzten zwei Wochen haben wir das ganze Tier hier freigelegt»: Grabungsleiter Ben Pabst

Die Dimensionen sind in der Tat beeindruckend: 7,5 bis 8 Meter lang war der Saurier, brachte gut eine Tonne auf die Waage und lebte auf grossem Fuss: 60 Zentimeter Fuss mass Pabst, «ein Riesentier», nicht nur für Fricker Verhältnisse: Der Saurier ist einer der grössten je gefundenen Plateosaurier weltweit. Er war, so schätzt Pabst, zwischen 20 und 40 Jahre alt, als er in der Tongrube (einer Wasserstelle der Saurier) in ein Schlammloch einsank und verdurstete.

Kopflos glücklich

Gefunden haben Pabst und sein Team das ganze Skelett – nicht aber den Kopf. Vielleicht finde man Besagten noch an anderer Stelle, hofft Pabst, ist sich aber bewusst: «Das wäre Glück.» Der noch vermisste Kopf mass, so schätzt Pabst, an die 40 Zentimeter. Verglichen mit dem Rumpf und dem Schwanz, die es je auf rund 4 Meter brachten, war er – sagen wir: bescheiden.

Aber auch kopflos macht der Saurier eine gute Gattung. «Es ist ganz selten, dass man ein komplettes Skelett findet», weiss Pabst, der die Grabungen in Frick seit elf Jahren leitet. Meist beschränke sich der Fund auf 60 bis 80 Prozent des Skelettes.

Gefunden wurde der neue Star am Fricker Saurierhimmel vor zwei Wochen im Rahmen der diesjährigen Grabung, die seit Mai läuft. Er ist einer von insgesamt sechs Tieren, die das Team auf der rund 400 Quadratmeter grossen Grabungsfläche freigelegt hat. «In den letzten fünf Jahren haben wir jedes Jahr einen speziellen Fund gemacht», sagt Pabst. Im Schnitt finde man in Frick fünf Saurier pro Jahr.

Noch liegt der jüngste Fund im Boden. Damit er nicht verwittert, wurde er mit viel Acrylleim getränkt. Man werde ihn nun «möglichst schnell herausholen», so Pabst, was bei Temperaturen um die 40 Grad nicht eben einfach ist. Ziel ist es, ihn in zwei Wochen geborgen zu haben. Dazu werden die Knochen in Gipsabdrücken «zwischengespeichert», diese Gipsblöcke aus dem Boden geholt – und der Fund bis auf weiteres gelagert.

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Präparation muss warten

Eine Präparation ist vorläufig nicht vorgesehen, zum einen, weil andere Funde Priorität haben, zum anderen, weil die finanziellen Mittel dies nicht zulassen. Pabst und sein Team müssen mit 50 000 Franken im Jahr aus dem Lotteriefonds auskommen, «da bleibt neben den Grabungen nicht viel Geld übrig».

Sponsoren wären Pabst willkommen oder ein anderes Museum, das die Kosten für die Präparation übernimmt. Dann könnten sie auch einen der Fricker Dinos als Leihgabe haben – im kleinen Fricker Sauriermuseum wird der Platz ohnehin immer knapper. Zumindest «ein paar Knochen aus Frick» hat inzwischen ohnehin fast jedes naturhistorische Museum – weil Frick europaweit als eine der wichtigsten Saurierfundorte gilt.

Seit nunmehr 40 Jahren wird in Frick nach Sauriern gegraben. Insgesamt kamen Überreste von 80 Sauriern zum Vorschein. «Die Dichte hier ist extrem», sagt Pabst. Pro Hektar, so seine «konservative Schätzung», lägen über die verschiedenen Schichten verteilt, an die 500 Tiere. Die Konstellation – kommerzieller Tonabbau, historischer Saurierabbau – erachtet Pabst nicht nur als optimale Symbiose, sondern als betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. «Ohne die Tonwerke ginge es nicht.»

Zwei Wünsche hat Ben Pabst, der den Fricker Sauriern seit 1976, damals noch als Student, auf hartnäckig der Spur ist, schon noch: Ein grösseres Museum, vielleicht sogar am Ort des Geschehens – und einen Raubsaurier zu finden. Die Chancen für Letzteres stehen nicht schlecht. «Auf 100 Pflanzenfresser kommt ein Raubsaurier», weiss Pabst. Bei 80 gefundenen Tieren, «muss wieder mal ein Raubsaurier fällig werden». In diesem Sinne: Roaaar. Oder so.

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