Kaiseraugst
Jungstorch Gallus liefert künftig achtmal täglich Daten ins Internet

Storchennachwuchs: Die vier Jungtiere aus dem Kirchturmnest in Kaiseraugst wurden vom Natur- und Vogelschutzverein beringt und einer mit einem Sender ausgestattet. So soll mehr über ihre Aufenthaltsorte herausgefunden werden.

Willi Wenger
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Vor dem Zurückbringen von Gallus verlässt die Mutter das Nest.

Vor dem Zurückbringen von Gallus verlässt die Mutter das Nest.

Willi Wenger

Der Natur- und Vogelschutzverein Kaiseraugst (NVVK) hat am «Sonnwend»-Samstag in Verbindung mit Storch Schweiz sowie weiteren Fachleuten die Jungstörche auf dem St. Gallus-Turm beringt und ein Tier mit einem Sender ausgerüstet. Dieser stellt sicher, dass seine künftige Reise ins Winterquartier im Internet (storch-schweiz.ch) verfolgt werden kann.

«Durch das Verfolgen der Routen und der Aufenthaltsorte der Vögel erfahren wir mehr über ihr Verhalten. Wir können dabei die Gefahrenherde erkennen und inskünftig vielleicht helfen, diese wenigstens teilweise beseitigen», sagt der «Storchenvater» von Kaiseraugst, Urs Wullschleger. Er wie seine Helfer zeigten sich am Samstag gegenüber der Aargauer Zeitung «hocherfreut» über die erfolgreiche und gelungene Aktion.

Die Storchenmutter ist auf dem Kaiseraugster Kirchturm zu sehen.
12 Bilder
Die Plattform nähert sich dem Nest.
Peter Enggist bringt den Jungstorch zum Montieren des Senders und des Rings.
Daniel Schedler, Bruno Gardelli und Javier de la Puente (v
Der Montagetisch mit dem notwendigen Material
Jungstorch Gallus auf dem „Montagetisch“
Gallus trägt nun einen solchen Sender
Mutter und Jungtiere
Jungstörche im Nest
Jungstörche im Nest
Vor dem Zurückbringen von Gallus verlässt die Mutter das Nest.
Das Quartett ist wieder vollständig.

Die Storchenmutter ist auf dem Kaiseraugster Kirchturm zu sehen.

Willi Wenger

Sender wiegt 40 Gramm

Die Beringung der vier Jungen aus dem Nest erfolgte pannenfrei und professionell. Mithilfe eines Krans wurde das stärkste der Jungtiere, «Gallus», vom 23 Meter über dem Boden liegenden Horst geholt. Die drei anderen Vögel wurden im Nest selbst beringt. «Gallus» erreichte letztlich wohlbehalten den Boden, wo er oder sie - ein DNA-Test wird hier zum Ergebnis führen - mit dem Sender und dem Ring ausgerüstet wurde.

Die eigentliche Montage des Senders im Beisein von Daniel Schedler von Storch Schweiz, dem spanischen Biologen Javier de la Puente und von Bruno Gardelli vom Basler «Zolli» verlief speditiv. Der Jungstorch, dem zur Beruhigung eine Haube aufgesetzt wurde, verhielt sich äusserst ruhig. «Er stellte sich quasi tot», sagten die Fachleute des NVVK. In einer guten Viertelstunde war der Storch sodann wieder bereit, um beringt und mit dem 40 Gramm schweren Sender versehen, wieder in sein Nest gebracht werden zu können. Der Sender liefert jetzt täglich achtmal Daten über das Handynetz ins Internet.

Alle vier Jungen sind knapp zwei Monate alt und es wird noch dauern, bis sie das Nest auf dem Kirchturm werden verlassen können. Sie sind Teil der gegen 400 Storchenfamilien in der Schweiz, die mitunter infolge von Kollisionen mit elektrischen Leitungen auf dem Weg in den Süden gefährlich leben und dabei durch Stromschläge getötet werden. Storch-Schweiz-Geschäftsführer Peter Enggist sagte am Samstag, dass nur 20 Prozent aller Störche «am Ende des Tages» überleben. Zurzeit gibt es in Kaiseraugst insgesamt vier Brutpaare.

Diese zogen 2014 dank des milden Wetters 13 Jungstörche auf. Ein Quartett ist auf dem St. Gallus-Turm der christkatholischen Kirchgemeinde vorgestern beringt worden. Kaiseraugst, wo nach 60 Jahren Pause 1991 erstmals wieder Störche nisteten und wo seit rund dieser Zeit 59 Jungstörche beringt werden konnten, hat einen wirklich freudvollen Tag erleben dürfen.