Mumpf
«Jungfrau Maria Theresa»: Vom Findelkind zur Nonne von Säckingen

Ein neu aufgelegtes Büchlein erzählt die Geschichte einer aus dem Dorf stammenden Novizin. Sie wurde einst als Findeklind in einem Korb dem Dorfschmied überlassen.

Florian Binder
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Das Buch «Die Nonne von Säckingen – Eine Dorfgeschichte aus Mumpf», von F. A. Stocker, erschienen im Jahr 1870 in der Familien-Bibliothek und 2014 neu herausgegeben durch das Dorfmuseum Alter Dreschschopf in Mumpf, erzählt die Geschichte einer jungen Frau namens Therese. Sie stammte aus Mumpf und trat in jungen Jahren als Novizin in das Kloster Säckingen ein.

Das Findelkind

Der Erzähler trifft zu einer Beerdigung in Mumpf ein und sieht dabei den ehemaligen Kaplan des Dorfes wieder. Während der Heimreise in der Kutsche erzählt ihm dieser vom Hochwasser, das 1817 Mumpf in Atem hielt und im Dorf grosse Zerstörung anrichtete. Die Rheinfluten umspülten die Gemäuer des Kirchhofs so gewaltig, dass diese nachgaben und die darin Beerdigten in den Fluten hinfort gespült wurden. Später entdeckte der Kaplan einen an der Kirchhofmauer angebrachten Grabstein, der an das Leben der «tugendhaften Jungfrau Maria Theresia» erinnerte. Der Kaplan stellte daraufhin Nachforschungen über das Leben der Maria Theresia an und teilt seine Erkenntnisse dem Erzähler mit, welcher diese im Text wiedergibt.

So kommen eines Nachts unbekannte Reisende, ein Ehepaar und ihr Kutscher, in einem Gespann nach Mumpf und fahren reichlich spät im Wirtshaus Sonne ein. Der aufgerieben erscheinende Herr erkundigt sich bei den Wirtsleuten nach der Religion und den Brauchtümern der Leute im Dorf. Da eines seiner Pferde neu beschlagen werden muss, lässt der Reisende noch den Schmied herbeirufen, der seine Arbeit rasch und ohne Klagen erledigt. Diesem fällt auf, das die Reisenden gedankenverloren erscheinen und sich eigenartig benehmen. Der Blick in die mysteriöse Kutsche bleibt dem Schmied Jörg jedoch verwehrt. Nach der Bezahlung geht er wieder nach Hause zu seiner Frau Anna.

Am nächsten Morgen, die Reisenden sind wieder fort, findet der Schmied, als er in seine Werkstatt eintreten will, vor der Türe ein Körbchen hingelegt. Darin befindet sich ein schlafendes Kind. Jörg holt sogleich seine Frau, welche «den armen Wurm», ein Mädchen, ohne zu zögern in ihr Herz schliesst und aufnimmt. Da das Ehepaar schon lange Nachwuchs wollte, sehen beide das Kind als Geschenk Gottes und ziehen es gross.

Der Schmied beginnt zu trinken

Therese, wie sie genannt wird, ist ein schönes und sensibles Mädchen. Aus der Masse sticht sie empor, doch von ihrer Vergangenheit weiss sie nichts, da ihre Pflegeeltern ihr darüber nichts verraten. Die drei Menschen verbringen sorglose und glückliche Jahre, bis der Schmied allmählich immer mehr dem Alkohol verfällt und statt sich um seine Frauen zu kümmern, immer tiefer ins Bierglas blickt.

Der Schmied lässt sich gehen, arbeitet wenig und sitzt lange in den Wirtshäusern. Seine Frau Anna leidet darunter sehr, doch vermag sie ihren Mann nicht mehr zu verändern. Der jungen Therese bleibt dies nicht verborgen, und sie wünscht sich ihren Vater von früher wieder zurück. Als der Vater eines Tages, trotz gegenteiliger Versprechen, zur Kommunion der Therese nicht erscheint, und Anna bittere Tränen darüber vergisst, geht Therese in der Kirche vor allen Augen spontan zum Altar der Maria und spricht auf den Knien leise ein kurzes, intensives Gebet.

Am selben Abend ereignet sich eine dramatische Szene im Hause des Schmieds: Jörg kommt wieder einmal schlechter Laune und angetrunken nach Hause und ist erbost über die Vorwürfe seiner Frau. Es wird laut, der Streit spitzt sich zu und in seiner Wut greift der Schmied unbedacht nach einem Hammer. Er will seine Frau zum Schweigen bringen. Doch Therese, die sieht, was der Vater vorhat, wirft sich zwischen den Vater und die Mutter und fängt dabei den Schlag des Hammers mit ihrer Brust ab. Schwer getroffen sinkt sie zu Boden, die beiden Querulanten hören augenblicklich zu streiten auf und kümmern sich bestürzt um die verletzte Tochter. Therese liegt ohnmächtig in den Armen ihrer Mutter. Der Schmied macht sich grosse Vorwürfe und ist über sein Verhalten sehr erschrocken und schwört sich, dem Alkohol von nun an für immer zu entsagen.

Therese scheint sich recht schnell wieder zu erholen, doch ist sie nach diesem Vorfall nicht mehr die gleiche. Sie wirkt noch ruhiger und sensibler als sonst schon. Der Schmied Jörg hat sich tatsächlich geändert, mit Anstand und Respekt kümmert er sich von jetzt an um seine Frau, Therese und das Geschäft. Die Wirtshäuser meidet er fortan. Die Familie durchlebt wieder glückliche Zeiten.

Als Therese Jahre später ins heiratsfähige Alter kommt und ihr der Nachbar Konrad, der Sohn des Flössers Rose, schöne Augen macht, wird sie von ihren Eltern gefragt, ob sie denn jenen jungen Mann heiraten wolle. «Nein», antwortet Therese den verdutzten Eltern, «denn ich werde den Nonnen in Säckingen beitreten.» Die Eltern, die ihre einzige Tochter nicht an die Religion verlieren möchten, versuchen erschrocken, sie umzustimmen, doch Therese bleibt entschlossen und erklärt, warum sie eintreten müsse. Sie habe an jenem Tag in der Kirche nämlich, als sie vor der Maria-Figur gekniet habe, dafür gebetet, dass ihr Vater wieder zur Besinnung kommen und dem Alkohol abschwören soll. «Dies ist in Erfüllung gegangen», erklärt Therese den Eltern, «deshalb muss ich mein Leben nun Gott widmen.»

Eintritt ins Kloster

Therese zieht nach Säckingen und lässt die traurige Familie und den gebrochenen Konrad in Mumpf zurück. Monate vergehen und eines Tages bekommen die Eltern eine Nachricht aus dem Kloster zugesandt: Ihre Tochter sei schwer krank, Anna und Jörg sollten so rasch wie möglich ins Kloster ans Krankenbett der Tochter eilen, bevor es zu spät sei.

Stunden später stehen die Eltern am Bett der geschwächten Tochter und halten ihr ein letztes Mal die Hand. Kurze Zeit später stirbt Therese. Der Arzt erklärt den Eltern, dass eine Verletzung an der Brust ihren Tod herbeigeführt haben muss. Natürlich realisiert der Schmied, dass er am Tod von Therese schuld ist. Abermals versinkt er im Selbstzweifel. Doch seine Frau vergibt ihm, und beide versuchen, wieder normal weiter zu leben, was nicht gelingt. Zu oft denken die Eltern an die liebe und schöne Therese zurück, die sie in Mumpf beerdigen liessen. Der Schmied stirbt kurze Zeit darauf mit gebrochenem Herzen und Anna unterstützt mit dem hinterlassenen Vermögen bis zu ihrem Tod mittellose Kinder aus der Nachbarschaft.