Kaisten
Jungeichen wachsen hier direkt neben altem Holz

Wieso hat es im Staatswald neben einer fast vollständig abgeholzten Fläche ein offensichtlich nicht gepflegtes Waldstück? Staatswaldförster Peter Haas erklärt, warum der eine Ort geräumt und der andere nicht bewirtschaftet wird.

Susanne Hörth
Merken
Drucken
Teilen
Peter Haas vor einer Eiche. Auf dem geräumten Gelände werden 700 Jungeichen gepflanzt. Im Hintergrund bleibt die Altholzinsel unberührt von Menschenhand.

Peter Haas vor einer Eiche. Auf dem geräumten Gelände werden 700 Jungeichen gepflanzt. Im Hintergrund bleibt die Altholzinsel unberührt von Menschenhand.

Susanne Hörth

Peter Haas lehnt sich an einen grossen Baum, eine Eiche. «Deshalb haben wir sie auch stehen gelassen», erklärt der Förster und Betriebsleiter für den Staatswald im Gemeindegebiet von Kaisten.

Die Erklärung ist nötig, denn ausser einer wenige Meter entfernten Stechpalme («die ist geschützt») und einem morschen Baum («der ist für Vögel, insbesondere Raubvögel als Aussichtsmöglichkeit») steht auf dem 96 Aren grossen Waldstück in Kaisten kein grosser Baum mehr.

Das Staatswaldteam hat hier, nahe der Staatswaldhütte beim Autobahnzubringer Richtung Eiken, in den letzten Wochen geräumt. «Es sieht jetzt zwar brutal aus, aber wir bringen mit der Neupflanzung auch wieder etwas zurück», so Haas.

In zwei Wochen beginnen die Forstleute mit der Pflanzung von rund 700 Jungeichen. Insgesamt 1200 solcher Jungbäume werden pro Jahr im Kaister Eichenwaldreservat gepflanzt.

«Ab hier fällen wir keine weiteren Bäume mehr.» Haas steht am Rande des noch leeren Waldstückes und zeigt auf das grosse Baum- und Strauchdickicht Richtung Autobahnzubringer. «Ich weiss, dass die Leute, die hier durchspazieren, das beschäftigt. Es ist ja wirklich ein krasser Unterschied. Die Leute sagen, da wird grossflächig geräumt und dann lassen die Forstleute die dürren Bäume auf einer so grossen Fläche von 3,71 Hektaren einfach stehen. Sind die denn blöd?»

Sind sie nicht. Das Forstteam richtet sich bei seiner Arbeit nach bestehenden Verträgen. Und in einem solchen ist auch das besagte, nicht bewirtschaftete Waldstück ausgewiesen. Es ist eine Altholzinsel.

50 Jahre lang gilt auf dieser Insel ein absolutes Holznutzungsverbot. «Wenn ein Baum umfällt, dann lässt man ihn liegen, transportiert ihn nicht ab.» Haas berührt den Stamm einer grossen, rund 200-jährigen Eiche. «Sie würde auf dem Markt rund 3000 bis 4000 Franken bringen. Wir überlassen sie aber der Natur. So sucht etwa der bedrohte Mittelspecht genau diese Art Eichen.»

Hardwald gleich Eichenwald

Die jährliche Räumung von Waldstücken im Kaister Staatswald mit der jeweils anschliessenden Anpflanzung von Jungeichen ist auch eine Rückkehr an etwas, was es früher schon in diesem Gebiet gegeben hat.

«Hardwald, so heisst der Wald hier, kommt von Eichenwald. Das zeugt davon, dass früher hier vorwiegend Eichen gewachsen sind», betont Peter Haas. Er weist auf ein blauviolettes Lungenkraut und den daneben spriessenden Bärlauch. «Das sind Feuchtzeiger. Genau wie Eichen mögen diese Pflanzen einen satten, feuchten Boden.»