Bowling, Bootsfahrten und Flugplatzbesichtigung mit möglichem Rundfluggewinn. Die Gemeinden des Fricktals legen sich ins Zeug, um die Jungbürger für eine Teilnahme an den Jungbürgerfeiern zu motivieren. Denn diese Feier steht als Zeichen des Erwachsenwerdens und soll die Jungbürgerinnen und Jungbürger für die demokratischen Rechte und Pflichten sensibilisieren, aber auch die Möglichkeit bieten, Jahrgänger beim gemütlichen Zusammensein zu treffen.

Trotz aller Bemühungen sind die Teilnehmerzahlen an den Jungbürgerfeiern vielerorts rückläufig. Gerade einmal 18 von 64 Eingeladenen nahmen an der Jungbürgerfeier in Kaisten teil. «Noch schlimmer ist allerdings, dass von rund der Hälfte der Eingeladenen nicht einmal eine Abmeldung kommt», meinte Manuel Corpataux, Gemeindeschreiber von Kaisten. Ganz ähnlich sieht die Situation auch in Laufenburg aus, wo die Jungbürgerfeier gestern Abend stattfand. Acht von 27 Eingeladenen haben sich angemeldet, ebenso viele sind entschuldigt, vom Rest hat die Gemeindekanzlei keine Rückmeldung erhalten.

Gemeinden fragen persönlich nach

Das Problem kennen auch kleinere Gemeinden. In Herznach waren die Rückmeldungen ebenfalls dürftig. «Wir haben dann persönlich nachgefragt», so Sheena Heinz, stellvertretende Gemeindeschreiberin. Gleiches gilt auch in Wölflinswil und Oberhof, wie Gemeindeschreiber Rolf Dunkel ausführte. «Bei unserer überschaubaren Anzahl, liegt es drin, telefonisch nachzuhaken.»
Gründe für die rückläufige Tendenz sind nur schwer herauszufinden. «Wenn der Zusammenhalt im Jahrgang gut ist, kommen fast alle», so Dunkel, «wenn nicht, kommt kaum jemand.» Zudem sei allgemein ein sinkendes Interesse an politischen Fragen festzustellen.

In Rheinfelden machte der Organisator der Feier, Stadtweibel Marcel Hauri, die Erfahrung, dass die Jungen die Einladung schlicht verlegen und dadurch vergessen. Also schickt Hauri noch eine zweite Einladung hinterher. «Das generiert bei uns jeweils noch weitere rund 10 Anmeldungen», so Hauri. Die Tendenz der Teilnahmen sei klar abnehmend. Hauri organisiert die Jungbürgerfeier seit 15 Jahren. Damals nahmen 70 Prozent der Eingeladenen an der Feier teil, mittlerweile seien es noch knapp 15 Prozent. «Dies, obwohl wir noch immer ein sehr gutes Programm mit Stadtführung und Catering-Service anbieten», so Hauri.

Gemeinden steigern Attraktivität

In Obermumpf ist Gemeindeschreiber Marco Treier seit sechs Monaten im Amt, und als es um die Planung seiner ersten Jungbürgerfeier ging, überlegte er sich, was er selber gerne unternehmen würde. «Ich wollte etwas Spezielles organisieren, das die Jungen interessieret», so Treier. So sei er auf die Idee gekommen, die Brauerei Feldschlösschen zu besuchen. Danach gibt es für die Obermumpfer ein Nachtessen. Die Anmeldung für den Anlass läuft noch. Von 29 Jungbürgern haben sich bisher erst vier angemeldet.

Mehrere Gemeinden führen ihre Jungbürgerfeiern nur alle zwei Jahre durch. Herznach hat damit gute Erfahrungen gemacht. Kaisten hat neben dem Zweijahres-Rhythmus auch ein speziell attraktives Programm zusammengestellt: Flugplatzbesuch in Schupfart und die Möglichkeit für sechs Teilnehmer noch am selben Abend einen Rundflug zu machen.

Dass dennoch nur wenige Jugendliche teilgenommen hätten, sei schon erstaunlich, so Corpataux. Eine Abschaffung der Jungbürgerfeiern sei aber derzeit kein Thema. «Wir würden ja die Interessierten bestrafen und die Anwesenden haben jeweils den Plausch.» Auch in den meisten übrigen Gemeinden ist eine Abschaffung kein Thema.

Gutscheine statt Jungbürgerfeier

Die Gemeinde Kaiseraugst allerdings hat ihre Jungbürgerfeiern gleich ganz eingestellt. Und das schon seit rund fünf Jahren. «Nur noch zehn Prozent der Jungen interessierte dieser Anlass», sagt Max Heller, Gemeindepräsident von Kaiseraugst.

Die Neuzuzüger konnten sich nicht dafür begeistern. «Nur jene, die in Kaiseraugst geboren wurden, gingen noch an die Feier». Als die Jungbürgerfeier abgeschafft wurde, gab es keinerlei Diskussionen im Gemeinderat. «Alle fanden die Idee gut», so Heller. Nun bekommen die Jungbürger von Kaiseraugst am 18. Geburtstag einen Gutschein von Mediamarkt zugeschickt. Knapp die Hälfte bedanke sich dafür, so Heller, alle anderen nähmen den Gutschein einfach zur Kenntnis.

Gansingen als Ausnahme

Und - es gibt auch Ausnahmen. In Gansingen nahmen letztes Jahr drei Viertel der Eingeladenen teil und auch in diesem Jahr sind bereits acht von 14 möglichen Anmeldungen eingegangen. Die Frist läuft noch bis Montag. Geplant ist eine Flussfahrt mit Pontonieren, und ein Nachtessen auf dem Inseli. Die Gansinger hoffen nun, dass auch Petrus an der Jungbürgerfeier teilnimmt und die Sonne mitbringt.