Laufenburg
Jugendliche aus der Region auf Spurensuche im Kosovo

Während sechs Tagen war eine zwölfköpfige Gruppe um den Jugendleiter der grenzüberschreitenden Jugendarbeit Laufenburg, Balder Wentzel, im Kosovo unterwegs. Die Teilnehmer machten eindrucksvolle Erfahrungen.

Marc Fischer
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Fricktaler Jugendliche reisen in den Kosovo
8 Bilder
Betroffenheit bei der Grabstätte von Adem Jashari
Zu Gast in einer kosovarischen Familie
Der Krieg ist noch sehr nahe
Besichtigung einer neue Grundschule
Rappen anstatt schlagen
Zumba-Begegnung in einem Jugendzentrum, dass sich aktiv gegen ethnische Grenzen engagiert
Die aus Schweizern, Deutschen und Kosovo-Albanern bestehende Gruppe an der Grabstätte von Adem Jashari

Fricktaler Jugendliche reisen in den Kosovo

«Seit vielen Jahren kommen überdurchschnittlich viele Kosovo-Albaner in unseren Jugendtreff», erklärt Balder Wentzel. «So entstand die Idee, mit Jugendlichen kosovarischer Herkunft und mit Jugendlichen aus der Schweiz und aus Deutschland für einige Tage in den Kosovo zu fahren.» Eines der Hauptanliegen der grenzüberschreitenden Jugendarbeit Laufenburg sei es nämlich, Brücken zwischen Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft und Mentalität zu bauen. «Seit 2001 tun wir dies mit verschiedenen Projekten.»

Vortrag

Am Sonntag, 25. November berichtet die grenzüberschreitende Jugendarbeit Laufenburg über ihre ungewöhnliche und bewegende Reise in den Kosovo. Alle Interessierten sind eingeladen. Die Veranstaltung findet in der Reformierten Kirche Laufenburg/CH statt und beginnt um 16.30 Uhr. (mf)

Persönlicher Kontakt wichtig

Dank der Unterstützung der reformierten Landeskirche Aargau, der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände, dem Jugendreferat des Landratsamts Waldshut und der Stiftung pro Fricktal konnten 12 Teilnehmer im Alter zwischen 15 und 30 Jahren für sechs Tage in den Kosovo reisen. «Zum einen war es uns ein Anliegen, dass wir mit den Familien der kosovarischen Teilnehmer zusammentreffen und dadurch mehr über die Kultur, Geschichte des Landes, den Krieg und über persönliche Erlebnisse erfahren. Zum anderen wollten wir Einrichtungen im Land besuchen, die sich für den Dialog zwischen Menschen verschiedener Religion und Kultur engagieren» fasste Wentzel die Absichten der Reise zusammen.

Dichtes Reiseprogramm

Und so war das Reiseprogramm denn auch prall gefüllt. Gleich am Tag der Ankunft in Prishtina besuchte die Reisegruppe mit Jugendlichen kosovarischer, deutscher und Schweizer Herkunft an der albanischen Grenze Koshare, einen einsamen Ort, wo der Krieg sehr heftig und erbarmungslos gewütet hatte und an dem noch heute Spuren der Kämpfe sichtbar und spürbar sind.
Die Gruppe wurde dabei von einem ortskundigen Familienangehörigen eines Teilnehmers durch dieses Gebiet geführt.

Überhaupt spielten die Verwandten der Teilnehmer eine wichtige Rolle. «Wir wurden sehr gastfreundlich aufgenommen und erhielten tiefe Einblicke in die Familien», führte Wentzel aus, «so konnten wir die Bräuche und Gepflogenheiten kennenlernen.» Am darauffolgenden Tag besuchte die Gruppe ein Jugendzentrum in der Stadt Rahovec, das sich aktiv gegen ethnische Abgrenzungen einsetzt und sich für ein friedliches Zusammenleben zwischen kosovarischen und serbischen Jugendlichen engagiert.

Im serbischen Teil der Stadt stand der Besuch eines Jugendraums auf dem Programm. «Dort kam es zur ersten Konfrontation zwischen unseren kosovarischen und serbischen Jugendlichen. Die Atmosphäre war angespannt und man spürte deutlich, dass das Verhältnis zwischen Albanern und Serben aufgrund der historischen Ereignisse stark belastet ist», blickt der Jugendleiter auf diesen Besuch zurück. Zwei Tage später, in der von Serben verwaltete Stadt Gracanica, gab es ein weiteres Ereignis, bei dem das belastete Verhältnis zwischen Albanern und Serben deutlich spürbar war.

Schlagabtausch mit Worten

«In Gracanica besuchten wir ein serbisches Kulturzentrum und gingen dann zu Fuss in eine Roma-Siedlung, um dort eine neu gegründete Grundschule zu besichtigen. Bei diesem Spaziergang wurde deutlich, wie tief die Wunden des Krieges sitzen und wie schwer es ist, eine Brücke zwischen den verschiedenen Volksgruppen zu bauen», fasst Wentzel zusammen. «Umso schöner, dass im Anschluss an unseren Spaziergang gelang, einen fairen Kampf in Form einer Rap-Battle, zwischen einem albanischen Jugendlichen unserer Gruppe und einem Roma-Jugendlichen aus Gracanica möglich war.»

Rückblickend spricht Balder Wentzel von einer sehr eindrucksvollen Reise. «Es kann auch nur als positiv bewertet werden, dass überhaupt eine Begegnung zwischen Menschen, die sich vor 14 Jahren getötet hätten, stattfinden konnte. Auch wenn deutlich wurde, dass der Weg zur Versöhnung, wenn er denn gegangen werden kann, noch ein langer ist.» Während der gesamten Reise sei es wichtig gewesen, dass ein regelmässiger Austausch und viele Gespräche mit den Teilnehmern stattfanden.