Laufenburg
Jugendleiter widerspricht und zweifelt am Interesse der Gemeinde für seine Arbeit

Balder Wentzel kontert die Vorwürfe des Gemeinderats von deutscher Seite. Der Eisenbahnwaggon wird ohne sein Einvernehmen verschrottet, obwohl die Jugendarbeit ihn immer noch nutzte.

Markus Vonberg (Südkurier)
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Das Boxtraining der Jugendarbeit findet in der Schweiz statt, es nehmen aber viele deutsche Jugendliche teil. chr (archiv)

Das Boxtraining der Jugendarbeit findet in der Schweiz statt, es nehmen aber viele deutsche Jugendliche teil. chr (archiv)

Der Laufenburger Jugendleiter Balder Wentzel sieht in der vom Gemeinderat auf deutscher Seite beschlossenen Verschrottung des Eisenbahnwaggons an der Hans-Thoma-Schule eine Schwächung der grenzüberschreitenden offenen Jugendarbeit. Er versteht nicht, weshalb er vor dieser Entscheidung nicht persönlich angehört und zur Sitzung eingeladen wurde.

«Manchmal habe ich den Eindruck, dass gar kein Interesse an meiner Arbeit besteht», sagte Wentzel gestern. Mehrfach habe er der Stadtverwaltung angeboten, im Gemeinderat Rechenschaft über seine Tätigkeit abzulegen. Er habe jedoch nie eine Einladung erhalten.

Der Gemeinderat Laufenburg Baden hatte am Montag die Entfernung des seit 2006 als Jugendtreff dienenden SBB-Waggons beschlossen und entspricht dem Wunsch des Rektors der Hans-Thoma-Schule. Dieser möchte die vom Eisenbahnwagen besetzte Fläche als Schulhof nutzen.

Der Waggon soll nur dann nicht abgeräumt werden, wenn die auf den 1. Oktober eingestellte Schulsozialarbeiterin Verwendung für ihn hat.

Ersatzraum ist zu klein

Wentzel widerspricht der Äusserung von Rektor Armin Raufer, die Jugendarbeit nutze den Waggon bereits seit zwei Jahren praktisch nicht mehr. Zwar seien die offenen Zusammenkünfte dort nicht zuletzt wegen Projekten wie «Streetsoccer for Peace» seltener geworden.

Das könne sich aber sehr schnell wieder ändern, wenn eine Gruppe Jugendlicher den Waggon als ihren Treffpunkt entdecke. Der von der Stadt als Ersatz angebotene Raum in der Hans-Thoma-Grundschule jedenfalls sei für grössere Gruppen zu klein. Wentzel: «Ich würde für die grenzüberschreitende offene Jugendarbeit in Deutschland gerne ähnliche Möglichkeiten haben wie in der Schweiz.»

Auch den Eindruck, er befasse sich vor allem mit Schweizer Jugendlichen, wollte Wentzel nicht stehen lassen: «Unser Boxprojekt beispielsweise findet zwar in der Schweiz statt, die meisten Teilnehmer aber kommen aus Deutschland.»

Der Jugendpfleger hält es für wichtig, die von ihm auf deutscher Seite betriebene offene Jugendarbeit mit der Tätigkeit der am 1. Oktober an der Hans-Thoma-Schule beginnenden Schulsozialarbeiterin eng zu verzahnen. «Schulsozialarbeit und offene Jugendarbeit ergänzen einander.»

Jugendarbeit seit 2001

Bereits seit 2001 betreibt Wentzel sowohl im schweizerischen wie im deutschen Laufenburg offene Jugendarbeit. Das Angebot umfasst neben den Treffs La Luna (CH) und Eisenbahnwaggon (D) auch Boxtraining, ein Musikstudio und eine Mädchentanzgruppe.

Hinzu kommen Projekte wie «Streetsoccer for Peace», Fairplay-Fussballturniere oder die Mitarbeit am Funpark Hochrhein. Im Budget 2014 sind für die Jugendarbeit 58 900 Euro veranschlagt, von denen die deutsche Seite 25 300 Euro trägt, das schweizerische Laufenburg 20 800 und der Landkreis Waldshut 12 500 Euro.