Der Wärmeverbund Rheinfelden Mitte, der von der AEW Energie AG und der Stadt Rheinfelden, in Kooperation mit dem Unternehmen Feldschlösschen Getränke AG, entstanden ist, konnte in Betrieb genommen werden. Zum Versorgungsgebiet zählen die Überbauung Salmenpark, die Liegenschaften im Gebiet Schifflände sowie Teile der Altstadt mit umweltfreundlicher Wärme aus der Brauerei Feldschlösschen.

400 weitere Wohnungen bis Ende 2015 dabei

Die ersten 200 Liegenschaften in Rheinfelden werden ab September 2014 mit umweltfreundlicher Wärme beheizt, über 400 weitere Haushaltungen werden bis Ende 2015 hinzukommen. Der Wärmeverbund Rheinfelden Mitte nutzt dafür Abwärme aus verschiedenen Produktionsprozessen der Brauerei Feldschlösschen und versorgt die Liegenschaften ganzjährig mit Heizwasser für Raumwärme und Brauchwarmwasser. Dafür wurde unter anderem eine Wärmezentrale in den Schlossgebäuden von Feldschlösschen erstellt.

Diese wurde heute im Beisein der Verantwortlichen von Feldschlösschen, der AEW Energie AG und der Stadt Rheinfelden sowie zahlreichen Kunden des Wärmeverbunds Rheinfelden Mitte eingeweiht und der Wärmeverbund Rheinfelden Mitte somit auf Knopfdruck offiziell in Betrieb genommen.

Über 90 Prozent CO2-neutrale Wärme

Bei der Abwärme, die Feldschlösschen dem Wärmeverbund zur Verfügung stellt, handelt es sich um Niedertemperaturabwärme, die in den Produktionsanlagen der Brauerei (Kälteanlagen, Abwasser) anfällt. Dafür wurde ein sogenannter Abwärmering erstellt, der die Wärme aus verschiedenen Abwärme-Quellen sammelt. Die Abwärme von rund 25 Grad wird mit Hilfe von Wärmepumpen auf bis zu 81 Grad gebracht, bevor sie in das Netz eingespeist wird. Über 90 Prozent der Wärme wird CO2-frei erzeugt. Die übrige Wärme (Bedarf bei Spitzenlast, Notversorgung) wird aus einer Gas-Wärme-Erzeugungsanlage von Feldschlösschen ebenfalls in das Wärmeverbundnetz eingespeist.

Wärmeverbund Rheinfelden ist in Betrieb

Wärmeverbund Rheinfelden ist in Betrieb

Die beiden Projektpartner des Wärmeverbunds Rheinfelden Mitte AG, die AEW Energie AG und die Stadt Rheinfelden, tragen je zur Hälfte die Investitionen von rund 15 Millionen Franken.

CO2-Einsparung und Energieeffizienz

Die Gesamtleistung der neuen Fernwärmeanlage beträgt rund 6000 Kilowatt (kW). Um die resultierende Energie von 12 000 000 Kilowattstunden (kWh) mit Heizöl oder Gas zu erzeugen, müsste man jährlich 1 200 000 Liter Heizöl oder 1 277 000 Kubikmeter Erdgas einsetzen. Heizöl würde jährlich 3240 Tonnen und Erdgas rund 2935 Tonnen CO2-Emissionen verursachen. Mit der neuen Norm mit maximalem CO2-Ausstoss von 130 Gramm pro Kubikmeter könnte damit eine Flotte von 536 Autos jährlich einmal um die Erde fahren. Das Projekt ist nachhaltig und ein wichtiger Schritt zur Nutzung erneuerbarer Energien.

Feldschlösschen, Stadt und AEW

Feldschlösschen hat den Wärmeverbund aktiv unterstützt und stellt die Abwärme aus verschiedenen Produktionsprozessen und aus der eigenen Vorklärungsanlage zur Verfügung. Zudem ist die Technikzentrale (Wärmepumpen, Expansionsgefässe, Wärmepuffer und so weiter) vor Ort im Feldschlösschen installiert. «Umweltschutz hat bei uns eine lange Tradition und ist ein zentraler Teil unserer Unternehmensphilosophie», betonte Thomas Amstutz, Feldschlösschen-CEO. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Massnahmen realisiert, um seine Energieeffizienz zu erhöhen und die CO2-Ausstoss zu reduzieren. So wird in verschiedenen Phasen des Produktionsprozesses die Wärme zurückgewonnen. Dank diesem und weiterer Wärmerückgewinnungssysteme sowie dank Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz gehört Feldschlösschen auch im internationalen Vergleich zu den Brauereien mit dem niedrigsten CO2-Ausstoss.

Energiestadt Rheinfelden

Die Stadt Rheinfelden ist seit 2008 im Besitz des Energiestadt-Labels und unterstützt ökologisch optimierte Energiesysteme. Wie Stadtammann Franco Mazzi aus Anlass der Inbetriebnahme des neusten Rheinfelder Wärmeverbunds erwähnte, habe die Stadt am 18. Juni 2013 das Reaudit bestens bestanden. Denn zu den energiepolitischen Zielsetzungen im Bezirkshauptort gehören unter anderem eine Reduktion des Energieverbrauchs und die umweltschonende Energieversorgung und -nutzung. «Die Abhängigkeit von Gas und Erdöl kann reduziert werden. Leider lässt sich das Rathaus nicht wirtschaftlich an den Wärmeverbund anschliessen», führte der Stadtammann weiter aus.

Gaby Gerber, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Feldschlösschen, stellte dazu fest: «Man sieht, hinter dem Energiestadt-Label steckt eine grosse Verpflichtung.»

Mit dem Wärmeverbund Rheinfelden Mitte nutzt die Stadt ihren Handlungsspielraum im Bereich der Wärmeversorgung. Dies tut sie nicht nur als Gesellschafterin mit der 50-Prozent-Beteiligung an der Wärmeverbund Rheinfelden AG, sondern auch als Wärmeabnehmerin. Denn im Perimeter des neuen Wärmeverbundes befindet sich ein wesentlicher Anteil von stadteigenen Liegenschaften, die sich für einen Anschluss an diese Anlage empfehlen. Insgesamt werden 17 von 28 Objekten der Einwohner- und Ortsbürgergemeinde diesbezüglich überprüft. Es handelt sich dabei um Verwaltungsgebäude, Schulanlagen (Schützenmattschulhaus und -Turnhalle, Mädchenschulhaus, Hugenfeldschulhaus, Turnhalle Schützenweg), das für Asylbewerber zur Verfügung stehende Wohnhaus am Schützenweg und um weitere Wohnliegenschaften (Flaig-Haus, Bröchin-Haus) mit einer benötigten Anschlussleistung von gesamthaft 1100 Kilowatt.

Der Anteil der Stadt Rheinfelden am neuen Wärmeverbund durch eigene Liegenschaften beträgt rund 18 Prozent. In Rheinfelden werden noch weitere drei grössere Wärmeverbundsysteme betrieben. Zusammen mit dem Wärmeverbund Rheinfelden Mitte können so mindestens 6000 Menschen an die umweltfreundliche Fernwärme angeschlossen werden. «Insgesamt nur ein kleines Rädchen im ganzen Gefüge», meinte Feldschlösschen-Sprecherin Gaby Gerber, «aber es ist wichtiger als grosse Projekte, über die man lediglich spricht».

Die AEW Energie AG ist zu 50 Prozent an der Wärmeverbund Rheinfelden AG beteiligt und betreibt den Wärmeverbund in deren Auftrag. Die AEW Energie AG betreibt bereits gegen 70 Wärmeverbunde und ist seit 1995 einer der bedeutendsten Contractoren im Bereich Wärme in der Schweiz. Insgesamt werden mit den Anlagen pro Jahr rund 30 000 Tonnen CO2 eingespart.

Für die AEW Energie AG ist die Realisierung des Wärmeverbunds Rheinfelden Mitte ein weiteres wichtiges Engagement zur Steigerung der Energieeffizienz. Die AEW Energie AG ist ein selbstständiges Unternehmen im Besitz des Kantons Aargau. Mit der sicheren, preiswerten und umweltgerechten Stromversorgung leistet sie einen wesentlichen Beitrag zur Standortattraktivität. Dazu engagiert sie sich primär im Aargau in der Stromproduktion sowie als führende Netzbetreiberin und Stromlieferantin für ihre Kunden. Zudem erbringt sie Dienstleistungen rund um die Energie (Strom und Wärme) und im Bereich der Telekommunikation. Die AEW Energie AG ist Aktionärin und Geschäftspartnerin der Axpo.