Laufenburg

Jetzt wird auch die Notfallstationüberprüft – droht eine Unterversorgung?

Braucht es eine Notfallstation in Laufenburg? Viele Hausärzte sind davon überzeugt, die Politiker sind geteilter Ansicht.

Braucht es eine Notfallstation in Laufenburg? Viele Hausärzte sind davon überzeugt, die Politiker sind geteilter Ansicht.

Das Gesundheitszentrum überprüft auch die Notfallstation in Laufenburg. Ärzte sind alarmiert und warnen davor, die Notfallstation zu schliessen. Denn weil es immer weniger Hausärzte gebe, sei die Versorgung der Patienten nicht mehr gewährleistet.

Die Notfallstation am Spital Laufenburg ist derzeit, wenn man so will, ihr eigener Patient. Das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) analysiert bis Ende Juni, wie es mit dem Standort Laufenburg weitergehen soll. Zwei Szenarien stehen im Fokus. Beide bringen, in unterschiedlichem Ausmass, einen Abbau des Angebots in Laufenburg.

In beiden Varianten stellt sich auch die Frage: Bleibt der Notfall – und wenn ja: In welcher Form? Das GZF sagt bei Szenario 1, das für Laufenburg weniger einschneidend ist, lediglich: «In welcher Form der Notfall weitergeführt wird, muss ebenfalls geklärt werden.» 

Deutlicher wird die Spitalleitung bei Szenario 2, bei dem Laufenburg neben dem Pflegeheim nur noch die ambulante Sprechstunde bleibt: «Allenfalls könnte ein ‹Notfall light›, sprich eine erste Triagestelle für Notfälle tagsüber, das Angebot abrunden.»

Allenfalls. Das kommt in und um Laufenburg nicht gut an. Viele haben Angst, dass der Region eine Unterversorgung droht. Er verstehe das Unbehagen, sagt Peter Weber, Gemeindeammann von Mettauertal.

Man müsse genau analysieren, ob eine zentrale Notfallstation am Standort Rheinfelden ausreiche. Seine Gemeinde trifft es weniger, die Einwohner können ans Spital Leuggern ausweichen. Zu diesem ist es nur gut fünf Kilometer weiter als nach Laufenburg.

2017 sah es noch besser aus

Ein ungutes Gefühl bereitet die Ankündigung auch Martin Steinacher (CVP, Gansingen), der bis Mitte Dezember im Grossrat sass und die Anfänge der Diskussion um die Zukunft des Standortes Laufenburg noch als Politiker miterlebt hat. Denn bereits letztes Jahr war klar: Auf den zunehmenden Kostendruck muss das GZF reagieren.

Steinacher erinnert sich noch gut an eine Besprechung der Grossräte mit GZF-CEO Anneliese Seiler. «Dort sah es für den Standort Laufenburg noch besser aus.» Das war aber noch vor den gewichtigen Abgängen in Laufenburg: Die drei leitenden Ärzte der Allgemeinen Chirurgie verlassen das Spital im Spätsommer. Das ist – neben zwei Gastroenterologen, die an beiden Standorten tätig sind – das gesamte Ärzteteam.

Steinacher erwartet von der Spitalleitung, dass sie die angekündigte Analyse ergebnisoffen macht und die «bestmögliche Lösung» trifft. Dabei gelte es, nicht nur die Kosten, sondern auch die Bedürfnisse zu berücksichtigen. Er mahnt: «Wenn das Spital erst einmal zu ist, dann ist es zu.» Steinacher ist sich durchaus bewusst, dass es Veränderungen – sprich: einen Leistungsabbau – geben wird. «Es wäre aber wünschenswert, wenn Laufenburg einen Teil behalten könnte.»

Das wünscht sich auch Thomas Bleile, Arzt in Laufenburg. Eine Schliessung von Laufenburg «wäre ein Riesenverlust», sagt er. Ihm geht es primär um die Lebensqualität der Bevölkerung, die ein Spital respektive eine Notfallstation in unmittelbarer Nähe bietet.

Dass die gut 20 Kilometer, die zwischen Laufenburg und Rheinfelden liegen, keine Welt sind und dass man in anderen europäischen Ländern mehrere hundert Kilometer zur nächsten Notfallstation fahren muss, ist sich Bleile bewusst. «In der Schweiz sind wir uns aber kurze Distanzen gewöhnt.» Und dies sei ein Wert, den man nicht leichtfertig aufgeben dürfe. Er plädiert für zwei Notfallstationen.

Kompensation fragwürdig

Markus Aellig, ebenfalls Allgemeinmediziner in Laufenburg, glaubt zudem nicht, dass alle Menschen, die heute ins Spital Laufenburg gehen, danach automatisch nach Rheinfelden gehen. «Viele werden auf andere Spitäler ausweichen.» Was er damit sagen will: Die Rechnung des GZF, die eigene Schwäche mit der Schliessung von Laufenburg kompensieren zu können, «wird nicht aufgehen».

Für Aellig kommt erschwerend hinzu, dass die Schere zwischen Bedürfnisentwicklung und Ärztedichte gerade im oberen Fricktal immer mehr aufgeht. Es sei in den letzten Jahren viel gebaut worden, so Aellig, gerade auch im Bereich Alterswohnungen, wo eine verstärkte Nachfrage nach ärztlichen Leistungen bestünde. «Neue Hausärzte gibt es aber kaum.»

Heute sind im oberen Fricktal rund 20 Hausärzte aktiv, ein Teil davon nur Teilzeit. «Wir sind alle voll ausgelastet», sagt Aellig. Deshalb sei eine Notfallstation in der Nähe, auf die man zurückgreifen könne, wichtig. Ansonsten funktioniere das Zeitmanagement gar nicht mehr. In den nächsten Jahren zeichnet sich zudem eine Verschärfung des Problems ab: Mehrere Hausärzte gehen gegen die 60 und damit auf das Pensionsalter zu.

Mehr Notfallpatienten

Für Aellig zeigen auch die Zahlen, dass es den Notfall in Laufenburg braucht. «Sie sind seit Jahren am Steigen», sagt er – und sie werden sich in diesem Jahr sogar markant erhöhen. Das hat mit einem Systemwechsel zu tun: Stellten bislang die Hausärzte rund um Laufenburg den nächtlichen Notfalldienst in ihren Gemeinden sicher, so gehen die Anrufe seit Anfang Jahr ab 18 Uhr direkt ans Spital. Dieses macht die Triage. Es klärt ab, ob es sich um einen Notfall handelt und wie dieser zu handhaben ist und bietet bei Bedarf den diensttuenden Notfall-Hausarzt auf.

«Das neue System hat sich bewährt», sagen Aellig und Bleile unisono. Sie sind froh um die Entlastung. Fällt das Angebot wieder weg, «so ist offen, wie der Notfalldienst geregelt wird», sagt Aellig. Denn mit ein Grund für den Systemwechsel war die Überalterung; es fehlten zunehmend Hausärzte, die Notfalldienst leisten. Denn heute ist Usanz, dass Ärzte ab 60 nur noch reduziert Notfalldienst leisten, Ärzte über 65 gar nicht mehr.

Für Bleile würde eine Rückkehr zum alten System zudem die Nachwuchsproblematik weiter verschärfen. «Ein junger Arzt, der als Hausarzt tätig sein will, kann heute aus 10 bis 20 Angeboten auswählen», sagt er. Bei der Wahl spiele auch eine Rolle, wie oft jemand Notfalldienst leisten müsse. Ist die Belastung zu hoch, sagen die jungen Ärzte ab.

«Es braucht Laufenburg»

Auch Aellig und Bleile sind sich bewusst, dass das Gesundheitswesen im Umbruch ist. Sie erwarten von der Spitalleitung aber, dass sie die Anliegen aus dem oberen Fricktal ernst nimmt und «genau hinschaut, ob die Notfallversorgung ohne den Standort Laufenburg ausreicht», so Aellig. Er ist skeptisch.

Es gibt im Fricktal aber auch andere Stimmen. Grossrätin Gertrud Häseli (Grüne, Wittnau) etwa ist überzeugt, dass eine 24-Stunden-Notfallstation in Laufenburg zu teuer ist. Auch für ihren Ratskollegen Roland Agustoni (GLP, Rheinfelden) ist klar, dass es «über kurz oder lang nur noch einen Notfall in Rheinfelden geben wird». Der ehemalige FDP-Grossrat Adrian Ackermann aus Kaisten würde es zwar schätzen, wenn in Laufenburg alles beim Alten bleiben würde. «Das geht aber nicht. Sonst laufen die Kosten davon.»

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