Am Dienstag bekam Nancy Holten Post aus Aarau. Monika Küng (Grüne), Präsidentin der Einbürgerungskommission des Grossen Rates, teilte der die gebürtige Holländerin mit, dass der Grossrat an der letzten Sitzung ihr Einbürgerungsgesuch gutgeheissen habe. «Mit dem heutigen Datum» – also dem 20. März – «haben die unten aufgeführten Personen nicht nur das Bürgerrecht des Kantons Aargau und der Gemeinde Gipf-Oberfrick erworben, sondern auch die schweizerische Staatszugehörigkeit: Nancy Teresia Maria Holten.»

Natürlich darf im offiziellen, standardisierten Schreiben auch eine Gratulationsnote nicht fehlen und ein Willkommengruss «im Kreise der Mitbürgerinnen und Mitbürger». «Mit der Einbürgerung erhalten Sie neue Rechte und Pflichten», heisst es im Schreiben, das der AZ vorliegt, weiter. «Wir hoffen, dass Ihnen die aktive Mitarbeit am politischen Geschehen in unserem Staat viel Freude bereitet.»

«Yess, strike!» – Nancy Holten über das Gefühl, den Schweizer Pass zu bekommen.

«Yess, strike!» – Nancy Holten im April 2017 über das Gefühl, den Schweizer Pass zu bekommen.

Das ist bei Nancy Holten keine Frage – ganz zum Verdruss etlicher Mitbürger, die sich über das zum Teil militante Auftreten der Glockengegnerin und Tierschützerin tierisch nerven. Oder, in der Farbe des neuen Passes, formuliert: die beim Namen «Holten» rot sehen. Ihre ersten Schritte auf dem politischen Parkett hat Holten indes bereits absolviert: Sie ist den Grünen beigetreten und «träumt vom Bundeshaus», wie Holten «20 Minuten» vor einigen Monaten verriet – natürlich nicht ohne ein obligates Selfie mit dem damals noch nicht zurückgetretenen Grünen-Nationalrat Jonas Fricker.

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«Freue mich riesig»

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt für Holten: Bis sie mit dem eigenen roten Pass in die Kameras wedeln kann, dauert es noch einige Wochen. Dies, weil die Einbürgerung vom Zivilstandsamt Laufenburg zuerst verarbeitet werden muss. Der Antrag für die schweizerischen Reisedokumente, so heisst es im grossrätlichen Schreiben weiter, sei deshalb «nicht vor Ablauf eines Monats» einzureichen.

«Ich freue mich riesig», sagt Holten auf Anfrage der AZ und kann eine leise Schadenfreude nicht verhehlen: «So viele Menschen haben mir den Pass missgönnt. Ihnen habe ich gezeigt, dass sich Hartnäckigkeit und Unbeirrbarkeit auszahlt.» Klar ist Holten auch, was sie als erstes mit dem roten Pass machen will: «Zusammen mit meinen Kindern in die Ferien nach Mallorca fliegen.» Es sei seit Beginn des Einbürgerungsprozederes vor gut zwei Jahren ihr Traum, am Zoll in der gleichen Reihe wie ihre Kinder anstehen zu können. «Das wird nun in diesem Sommer erstmals möglich sein.»

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