Gipf-Oberfrick
Jetzt kommt es zur Kampfwahl um den fünften Sitz im Gemeinderat

Nach dem Oberstufen-Erfolg tritt Ignaz Heim als Gemeinderat an – Verena Buol nimmt es sportlich.

Thomas Wehrli
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Ignaz Heim und Verena Buol-Lüscher

Ignaz Heim und Verena Buol-Lüscher

twe/zvg

Der Gemeinderat von Gipf-Oberfrick musste sich in den letzten Monaten warm anziehen: Gleich bei zwei grossen Projekten hagelte es in der Bevölkerung harsche Kritik und der Gemeinderat fuhr mit beiden Vorhaben politische Niederlagen ein.

Da war die rückwärtige Erschliessung des Fricker Bahnhofes; die neue Strasse sollte quer durch das Grundstück der Familie Hinden führen. Die Stimmberechtigten schüttelten ob der Linienführung den Kopf und der Gemeinderat stoppte das Projekt, nachdem klar wurde: Das kommt nie und nimmer durch.

Und da war die Frage, ob die Oberstufe eigenständig bleibt oder mit jener von Frick zusammengelegt wird. Der Gemeinderat war für eine Kooperation – der Souverän wählte mit wuchtiger Mehrheit den Alleingang. Die Widerstands-Fäden in der Oberstufen-Frage zog die IG «Pro Oberstufe Gipf-Oberfrick». Sie weibelte für den Alleingang und mobilisierte für die entscheidende Gemeindeversammlung im Juni perfekt.

Als nach dem Nein zum Zusammenschluss vier der fünf Schulpfleger ihre Demission per Ende der Amtsperiode, also auf Ende Jahr, erklärten, weil die Vertrauensbasis nicht mehr gegeben sei, kam im Dorf schnell die Forderung auf: Nun ist in die IG in der Pflicht. Oder wie es ein Einwohner formulierte: «Jetzt müssen die IG-Mitglieder in die Hosen.»

Erst zwei Schulpflege-Kandidaten

In diese wollte sie auch steigen, wie Ignaz Heim, einer der Wortführer der IG, vor einem Monat gegenüber der az beteuerte. Seit dieser Woche ist klar: Um die fünf Schulpflegesitze bewerben sich erst zwei Personen. Neben dem bisherigen David Schmid kandidiert neu Rainer Kunz. Die Gemeinde hat nun eine fünftägige Nachmeldefrist angesetzt. Diese läuft bis am nächsten Dienstag.

Man habe für die Schulpflege viele Personen angefragt und auch Interessierte gefunden, sagt Heim auf Nachfrage. «Der Anmeldungstermin war aber im Hinblick auf die Ferienabwesenheiten ungünstig.» Man bleibe aber dran. Namen indes will Heim keine nennen.

Dafür fällt ein anderer Name: seiner. Heim kandidiert als Gemeinderat. Damit sorgt er am 24. September dafür, dass die Gipf-Oberfricker bei der Gemeinderatswahl auch wirklich eine Wahl haben: Mit seiner Kandidatur bewerben sich nun sechs Kandidaten um die fünf Sitze. Neben vier Bisherigen – einzig Schulgemeinderätin Daniela Slania hört Ende Jahr auf – tritt auch Verena Buol Lüscher an. Ihre Kandidatur ist bereits seit Mai bekannt.

Ein Schelm ist, wer nun denkt, Heim habe die IG als Wahlvehikel genutzt. «Als ich vor mehr als zwei Jahren die IG mitgründete, gab es weder eine Vakanz im Gemeinderat noch hatte ich die Absicht, für den Gemeinderat zu kandidieren», kontert er. Seither habe er sich als Mitglied des Kernteams der IG voll auf den Erhalt der eigenständigen regionalen Oberstufe konzentriert. «Dieses Engagement hat nun dazu geführt, dass mich viele Personen zu einer Gemeinderatskandidatur ermuntert haben.»

Auswahlmöglichkeit schaffen

Der Erfolg der IG habe sicher seine Bereitschaft gestärkt, «für die Gemeinde noch mehr Verantwortung zu übernehmen», sagt er. Als Kandidatur gegen Verena Buol oder gar den Gemeinderat als Gremium will er sein Engagement nicht verstanden wissen. Eine entsprechende Frage umgeht er, indem er sagt: «Wahl bedeutet ja auch Auswahl. Die Stimmberechtigten der Gemeinde sollen für diesen freiwerdenden Sitz eine echte Wahl respektive Auswahl haben.» So funktioniere für ihn eine gelebte Demokratie. «Die Wählenden haben Varianten zur Verfügung und dürfen sich dann entscheiden.»

Ähnlich tönt es bei Verena Buol. Die SP-Frau findet es gut, dass die Stimmberechtigten nun eine echte Wahlmöglichkeit haben. Sie selber tritt an, weil ihr das Politisieren einfach Spass mache, weil sie das Optimum für alle herausholen wolle und weil «ich gerne visioniere». Eine solche Vision ist für sie, dass das Dorf das bleibt, was es heute ist: ein Dorf zum Leben. «Es ist ein toller Wohnort, gerade auch für Familien.»

Für Buol haben die beiden heissen politischen Eisen der jüngsten Zeit – die rückwärtige Bahnhoferschliessung und die Oberstufen-Frage – trotz dem Nein auch gezeigt, dass «es je länger, je mehr Themen geben wird, bei denen wir zusammenarbeiten müssen».

Das Wort Zusammenschluss nimmt sie bewusst nicht in den Mund, im Wissen darum, dass man sich mit diesem Terminus in Gipf-Oberfrick leicht die Finger verbrennen kann. Sie ist überzeugt, dass eine Fusion mit Frick aus historischen Gründen «noch auf längere Sicht» kein Thema sein wird, eine noch stärkere Zusammenarbeit aber schon.

Wie Ignaz Heim umschifft auch sie die Frage, wie sie mit der Arbeit des amtierenden Gemeinderates zufrieden ist. Während Heim darauf erwidert, «der Gemeinderat funktioniert am besten als Team», verweist sie auf den breiten Rücken, den man heute für ein Amt haben muss. Sie lacht, fügt dann an: «Ich weiss von mir, dass ich lange im Wind stehen kann.»

Diese Fähigkeit, Angriffe auszuhalten, im Gegenwind zu stehen, scheint je länger, je wichtiger zu werden, denn die (verbalen) Attacken auf Mandatsträger werden – auch dank der sozialen Medien – häufiger und heftiger. Das macht Buol Sorgen. «Das ist kein Umgang miteinander.»

Beide sassen in der Schulpflege

Kommunikation, Dialog, lösungsorientiertes Vorgehen sind gefragt. Beide, Buol wie Heim, sind überzeugt, genau dies in das Gremium einbringen zu können. Und noch eine neckische Parallelität fällt auf: Beide sassen gleichzeitig, bis Ende 2013, in der Schulpflege; Buol war zudem fünf Jahre lang oberste Schulpflegerin im Aargau. Da nun wohl das Schulressort frei wird, ist dies sicher kein Nachteil, wobei Buol richtigerweise betont: «Als Gemeinderat arbeitet man an allen Themen», für ein Dorf, das, wie es Heim formuliert, «mir am Herzen liegt».