«Es ist ein schweres Gefühl», sagt Erhard Acklin am Morgen seines letzten Arbeitstages in seiner Metzgerei an der Marktgasse in Rheinfelden. Dem Geschäft fehlt die Kundschaft, Acklin muss die Metzgerei schliessen. «Ich hatte mein ganzes Leben lang mit Lebensmitteln zu tun.

Jetzt geht dieser Abschnitt zu Ende», sagt Acklin mit belegter Stimme, und: «Vermutlich braucht es noch ein paar Tage, bis mir das wirklich bewusst wird. Am Markt am Wochenende bin ich auch noch dabei.»

Strukturwandel im Städtchen

Die anderen Lebensmittel-Detailhändler im Städtchen reagieren traurig auf das Ende der letzten Metzgerei Rheinfeldens. Allerdings sei es «bezeichnend für die Gesamtsituation», sagt Daniel Scherrer vom Reformhaus «Zur Insel». «Im Städtchen hat es einen Strukturwandel gegeben», sagt auch Ruedi Berner von der Confiserie Berner. Er könne sich noch gut daran erinnern, als es in Rheinfelden mehrere Bäckereien und Metzgereien, viele Beizen und auch eine Käserei gegeben habe. Heute halten sich als letzte Mohikaner noch die Rohrer-Bäckerei, das Reformhaus mit über 3000 Bio-Artikeln für den täglichen Bedarf und die beiden Confiserien Berner und Graf. Dafür gibt es über zwei Dutzend Coiffeur-Geschäfte sowie vermehrt Kleider- und Schmuck-Läden.

Die Lebensmittel-Detailhändler sehen verschiedene Gründe dafür. «Die Fussgängerzone ist für einen Teil der Läden etwas Schönes, aber nicht für die Lebensmittelläden», sagt Elisabeth Rohrer von der Bäckerei Rohrer. Die Läden litten auch unter zu wenig Fussvolk. Für die Bäckerei käme es daher auch nie infrage, von der Bahnhofstrasse in die Rheinfelder Marktgasse zu zügeln. «Wir haben an der Bahnhofstrasse einen etwas zurückversetzten Standort, dafür darf man hier noch mit dem Auto hinfahren», sagt Rohrer.

Städtli als Sanatorium?

Ebenfalls einen etwas zurückgezogenen Standort hat das Reformhaus von Daniel Scherrer am Obertorplatz. «Einen Laden in der Marktgasse könnten wir uns gar nicht leisten», sagt Scherrer. Die Mieten in der Marktgasse seien zu hoch. Das Städtli mache seinen Händlern das Leben schwer, sagt Scherrer.

Ruedi Berner erklärt: «Früher hat der Lärm niemanden gestört. Könnten die Bewohner heute bestimmen, so gäbe es im Städtchen keine Händler und keine Feste mehr.» Immer wieder gebe es Reklamationen wegen Lärm. «Manchmal habe ich das Gefühl, man will aus Rheinfelden ein Sanatorium machen», sagt Scherrer.