Mettauertal
Jetzt glüht es im Meiler von Schweizer Perfektion

Der Kohlenmeiler oberhalb von Wil wurde mit einem Festakt, vielen Zuschauern und Politprominenz in Betrieb gesetzt.

Geri Hirt
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André Schraner sprach zum zahlreich erschienenen Publikum, bevor der Meiler mit heisser Glut in Betrieb gesetzt wurde.

André Schraner sprach zum zahlreich erschienenen Publikum, bevor der Meiler mit heisser Glut in Betrieb gesetzt wurde.

Geri Hirt

Der Kohlenmeiler oberhalb von Wil erntete am Festakt von allen Seiten Lorbeeren. Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger sprach von einer einzigartigen Landschaftskulisse, während der Präsident des Europäischen Köhlervereins, Karl-Josef Tielke, vom «schönsten Kohlplatz mit einem der perfektesten Meiler» schwärmte.

Das Projekt Kohlenmeiler im Mettauertal hat die Organisatoren stark gefordert. So waren nicht nur 100 Ster Holz bereitzustellen, sondern auch die Helferschaft für Aufbau und Betrieb der Festwirtschaft während 28 Tagen zu rekrutieren, Sponsoren zu gewinnen oder Werbung aufzugleisen. OK-Präsident André Schraner, der bereits mit der Organisation von drei Meilern über entsprechende Erfahrung verfügt, hatte seit der ersten OK-Sitzung vor fünf Jahren dennoch «oft Zweifel, ob der erneute Kohlenmeiler finanziert und erfolgreich sein würde».

Viele Stellen waren involviert, von der Gemeinde bis zum Militär, das die wunderschöne Naturarena rund um den Kohlenmeiler gestaltet und damit eine einzigartige Atmosphäre geschaffen hat. «Im Zentrum steht die Holzköhlerei», sagte Schraner. Dank der Köhlerin Doris Wicki könne man ein altes Handwerk erleben, «ja Doris lebt das Handwerk und lässt es uns erleben.»

Positive Signale nach aussen

Die enorme Vorarbeit rund um den Kohlenmeiler habe viel mit der guten Dorfkultur zu tun, sagte Gemeindepräsident Peter Weber, der unter den vielen Gästen neben dem amtierenden Nationalratspräsidenten Ruedi Lustenberger auch dessen Vorgängerin, Maya Graf, willkommen heissen konnte. «Dieser Anlass sendet positive Signale nach aussen, stärkt aber gleichzeitig die Gemeinschaft.» Es zeige auch, dass man im Mettauertal zu- und anpackt, meinte der Gemeindepräsident. Er dankte allen Helfern vom Dorf und von auswärts, dem OK und insbesondere dessen Präsident André Schraner.

Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger, der aus der derselben Entlebucher Gemeinde stammt wie Köhlerin Doris Wicki, nahm in seiner Rede den Gemeinschaftsgedanken auf: «So ein Werk ist nur gemeinsam möglich.» Neben der Aufgabe ein altes Handwerk mit nachwachsendem Rohstoff zu zeigen, habe der Anlass vor allem die Funktion der Gemeinschaftspflege, was von staatspolitischem Wert sei. «Man kommt zusammen, freut sich und ist zufrieden. Zufriedene Bürger sind gute Staatsbürger», folgerte Lustenberger unter Zwischenapplaus der einigen Hundert Gäste. Lustenberger wartete noch mit einem weiteren Kompliment auf: «Die einzigartige Landschaftskulisse lässt die Herzen höher schlagen, die Talschaft könnte hier eine Landsgemeinde abhalten.» «Ich glaube, dass ihr gar nicht wisst, wie schön es hier ist», rief ein begeisterter Karl-Josef Tielke zu den Mettauertalern zu. Der Präsident des Europäischen Köhlervereins war extra aus Deutschland angereist. «Das ist der schönste Kohlplatz», lobte Tielke und fügte an, dass der Meiler schweizerischen Perfektionismus ausstrahle.

An Stellwänden gibt’s Informationen über das alte Handwerk.
8 Bilder
Nächtliches Fachsimpeln mit Doris Wicki auf dem Kohlenmeiler.
Und laut Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger hat er auch staatspolitischen Wert.
Köhlerin Doris Wicki füllt Glut in den Kohlenmeiler ein.
Peter Weber, Gemeindepräsident Mettauertal sagt: «Dieser Anlass stärkt die Gemeinschaft».
André Schraner begrüsst die Gäste in der herrlichen Naturarena.
Vor einer imposanten Kulisse tragen die Schüler das Köhlerlied vor.
Gemeindepräsident Peter Weber und Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger unterhalten sich trefflich.

An Stellwänden gibt’s Informationen über das alte Handwerk.

Geri Hirt

Feierliches Anzünden

Nach all diesen Worten war es so weit, dass der Kohlenmeiler mit dem Einfüllen heisser Glut in Betrieb gesetzt werden konnte. Doris Wicki wird in der Überwachung des optimalen Abbrandes von zwei Jungköhlerinnen – Heidi Moy und Noemi Auer – unterstützt.

Der Festakt wurde umrahmt durch Vorträge der Musikgesellschaft Wil sowie der Schulen, die nicht nur mit ihren Laternen einen attraktiven Punkt setzten, sondern auch mit ihrem Köhlerlied. Der Refrain war zum Mitsingen: «Chole gits - singed alli mit.» Die Köhlerei dauert noch bis zum 21. September. Mehr Informationen zum Programm gibt es hier.