Reisebranche
Trotz Ängsten und Skepsis: Aargauer Carunternehmer wagen sich wieder ins Ausland

Nach teils monatelangem Stillstand ist in der Branche eine gewisse Aufbruchstimmung zu spüren. Die ersten Trips gehen auch schon wieder über die Schweizer Grenzen hinaus. Aber für das restliche Jahr herrscht nach wie vor grosse Skepsis. Ängste vor der Zukunft gesellen sich dazu. Klar ist: Die Menschen müssen wieder Vertrauen fassen.

Hans Christof Wagner
Drucken
Teilen
Felix Ackle, Carunternehmer aus Frick, will nach Monaten der Zwangspause endlich wieder los.

Felix Ackle, Carunternehmer aus Frick, will nach Monaten der Zwangspause endlich wieder los.

Hans Christof Wagner (14. Juni 2021)

Felix Ackle hat wieder Lust, das Lenkrad in den Fingern zu spüren. Der Inhaber von Felix Reisen mit Sitz in Frick hat schon Entzugserscheinungen. Er sagt:

«Die Fahrt mit dem Skiclub Frick auf die Lenzerheide im März 2020, kurz vor dem Lockdown, war eigentlich die letzte.»

Seitdem sei bis auf wenige Fahrten nichts mehr gegangen. Anderthalb Jahre keine Einnahmen – denn wenn die Räder nicht rollen, rollt auch nicht der Rubel. Jetzt fiebert Ackle der ersten Auslandsreise entgegen, die im September wieder laufen soll – «Wandern in der Dordogne» heisst das Motto.

Erstmals Fahrten im Auftrag von Schulen

Christoph Brem von Brem Carreisen in Wölflinswil fährt schon länger wieder, oft im Auftrag von Schulen auf Tagesfahrten beispielsweise in den Zürcher Zoo oder zu Schloss Wildegg. Für Brem eine neue Erfahrung. Er sagt: «Schulausflüge sind früher immer mit dem Postauto oder mit dem Zug unternommen worden.» Aber im gebuchten Car fühle man sich eben sicherer.

Gruppengeschäft mit Firmen und Vereinen auf null

Schwarb Reisen mit Sitz in Möhlin hat sich das Frühjahr über, wie viele andere Carunternehmen auch, aufs Inlandgeschäft fokussiert: Genfer See, Tessin, Tagesfahrten oder mal drei bis vier Tage. Aber Geschäftsführer Stefan Kaufmann sagt: «Das macht die Einbrüche kaum wett.» Einen Fricktaler Carunternehmer im Juni ans Telefon zu bekommen, wäre in «normalen» Carreise-Jahren fast ein Ding der Unmöglichkeit – sofern er selbst am Steuer sitzt, wie das Stefan Kaufmann und Bruder Rainer tun. «Sonst wären wir jetzt auf Achse», erzählt Stefan Kaufmann.

Beide sind aber momentan viel zu Hause, weil sie ihren Umsatz zu 75 Prozent aus dem Gruppengeschäft mit Firmen und Vereinen erzielen. Kaufmann:

«Da wäre jetzt eigentlich Hochsaison, aber nach wie vor liegt das Geschäft bei null.»

Die erste Auslandsreise, die Schwarb wieder durchführen will, ist «Deutsche Hansestädte» vom 18. bis 23. Juli. Alles, was für die Zeit davor im Katalog steht, ist auf 2022 verschoben. Es ist schon der zweite Aufschub – die Reisen hätten dieses Jahr eigentlich laufen sollen. Kaufmann teilt mit, dass das Gros der Kunden auch jetzt wieder auf eine Stornierung verzichtet habe. Er erzählt weiter:

«Früher haben wir im Juni davon ausgehen können, dass der Herbst mit dem Gruppengeschäft ausgebucht ist.»

Im Juni 2021 seien aber noch bis zu 80 Prozent der Kapazitäten frei. Und: «Zu mehr als 50 Prozent wird es auch im besten Fall nicht reichen. Dafür ist die Zurückhaltung der Menschen noch zu gross.» Aber so ganz pessimistisch will er dann doch nicht tönen: «Auch wenn es nur die Hälfte vom Normalen ist, wäre es schon viel.» Robert Winter, Inhaber der Winter Transport AG in Eiken, zu der Siegrist Reisen gehört, appelliert an die Leute, die Zurückhaltung zu überwinden: Er sagt: «Mit uns zu verreisen, ist sicher. Wir haben viel in Hygiene und Luftreinhaltung in unseren Cars investiert.» Sein Appell: «Bucht, solange es uns noch gibt.»

Aktuelle Nachrichten