Mission 21
Jede Dienstreise ist für die Entwicklungshelfer ein Abenteuer

Martin Egli-Müller aus Magden hilft im Rahmen der Mission 21 bei der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit mit. Oft reist er nach Afrika, wo er auch seine Kindheit verbrachte.

Hans Christof Wagner
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Der Entwicklungshelfer aus Magden mit einer kongolesischen Mitarbeiterin in Wamba-Luadi. ho

Der Entwicklungshelfer aus Magden mit einer kongolesischen Mitarbeiterin in Wamba-Luadi. ho

Er ist noch voller Eindrücke von einem Land, das in Europa seit Jahren nur mit Krieg, Vertreibung und Gewalt in Verbindung gebracht wird. Wo Kinder als Soldaten missbraucht werden. Wo Vergewaltigung als Waffe dient. Der 59-jährige Martin Egli-Müller aber kennt es auch als Land von Gastfreundschaft, Lebensfreude und Optimismus. Wenn er dort ist, bereiten ihm die Einheimischen stets einen grossen Empfang. Dann stehen sie am Flugplatz Spalier – im Festtagsgewand. Ein Chor singt. Ihm werden Gastgeschenke überreicht. Und jedes Dorf möchte, dass er auf seiner Inspektionsreise nicht nur durchfährt, sondern Station macht. Dabei ist der Zeitplan schon sehr eng gestrickt.

Die Zeit drängt so, dass er die 500 Kilometer von der Hauptstadt Kinshasa ins Einsatzgebiet mit einer Cessna-Propellermaschine zurücklegt. Die Fahrt mit dem Geländewagen würde der schlechten Strassen wegen zu lange dauern. «Das ist Afrika pur», sagt der Mitarbeiter der Entwicklungshilfeorganisation Mission 21 mit Sitz in Basel. Jede Dienstreise dorthin wird zum Abenteuer und zum Trip in eine andere Welt. Er unternimmt sie nun schon seit mehr als zehn Jahren, seit er bei Mission 21 Programmverantwortlicher für den Kongo wurde. Mission 21 ist im Jahre 2000 aus dem Zusammenschluss fünf einzelner Schweizer Missionswerke entstanden.

Kinderheit in Afrika verbracht

Egli-Müller reist nicht nur viel nach Afrika, er hat auch seine Kindheit dort verbracht und die Primarschule besucht. Das war in Ghana, wo sein Vater für die Basler Handelsgesellschaft Generalimporteur war. Auch Mitte der achtziger Jahre lebte er nochmals ein knappes halbes Jahr in Afrika – in Ouagadougou/Burkina Faso. Sein Nachdiplomstudium für Entwicklungsländer an der ETH Zürich führte ihn dorthin. Sein Lebenslauf hält berufliche Stationen im Bankensektor und als Migros-Redaktor fest. 1992 kam er mit seinem Einstieg beim Projektdienst der Evangelischen Werke in den Wirkungsbereich kirchlicher Entwicklungszusammenarbeit mit Ländern der Dritten Welt.

Regionaler Schwerpunkt seiner heutigen Arbeit im Kongo ist der Kwango-Distrikt im Südwesten des Landes. Mit 90000 Quadratkilometern ist er mehr als doppelt so gross wie die Schweiz. Projekte gibt es im Gesundheitswesen und in den Bereichen Bildung, Landwirtschaft, Handwerk und Frauen. Evangelisation, die Verbreitung des christlichen Glaubens, gehört auch dazu, ist aber von den Budgets her betrachtet eher nachrangig. Egli-Müller ist ja auch kein Theologe, sondern Volkswirt mit Studium an der Hochschule St.Gallen. Sein Französisch hilft ihm bei der Konversation vor Ort, zumindest mit den offiziellen Kirchenleuten.

Aus Sicherheitsgründen nur Einheimische

Normalerweise arbeitet Mission 21 vor Ort mit deutschen oder Schweizer Mitarbeitern zusammen — nur im Kongo nicht. Hier sind aus Sicherheitsgründen ausschliesslich Einheimische in die Projektarbeit eingebunden. Unsicher ist das Land, das mit 2,3 Millionen Quadratkilometern so gross ist wie ganz Westeuropa, vor allem in der Region Kivu, an der Grenze zu Ruanda. Dort kam es 1994 zum Völkermord an den Tutsi, in dessen Folge auch der Kongo zum Kriegsschauplatz wurde und es bis heute ist.

Zwar geht es in Kwango friedlich zu. «Doch auch dort gibt es kaum Infrastruktur und Bauern haben wenig Chancen, ihre Produkte auf dem Markt zu verkaufen», berichtet der Mission-21-Mitarbeiter. Der Zentralstaat sei kaum präsent, stattdessen hätten die Dorfchefs das Sagen. Der Kongo-Experte denkt viel darüber nach, wie auch das Riesenland zu Wohlstand, Stabilität und Demokratie gelangen könnte. Warum Afrika hierzulande fast nur mit Negativschlagzeilen in Verbindung gebracht wird. Sicher – da gab es die Ausbeutung des Landes unter den belgischen Kolonialherren, worauf eine brutale Diktatur mit westlicher Duldung folgte. Martin Egli-Müller ist dennoch ein Entwicklungshelfer, der sagt: «Wir müssen davon wegkommen, die Probleme nur ausserhalb des Landes zu suchen.»

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