Frick
«Jässodu» – eine Hommage an den Volksschauspieler Ruedi Walter

Zwei Künstler wollen Erinnerungen an ein grosses Talent wachhalten.

Ingrid Arndt
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Die beiden Künstler Thomas Vetterli (Gesang) und Stefan Onitsch (Piano) mit ihrem Programm «Jässodu». Ingrid Arndt

Die beiden Künstler Thomas Vetterli (Gesang) und Stefan Onitsch (Piano) mit ihrem Programm «Jässodu». Ingrid Arndt

In diesem Jahr wäre der bekannte und beliebte Volksschauspieler Ruedi Walter (1916-1990) 100 Jahre alt geworden. Mit ihrem neuesten Programm «Jässodu» wollen Thomas Vetterli, Schauspieler und Sänger sowie der Musiker Stefan Onitsch an diesen wunderbaren Künstler und Menschen erinnern, möchten, dass diese ganz grosse Theaterlegende nicht in Vergessenheit gerät.

Vetterli und Onitsch verbindet eine tiefe Liebe zur Theater- und Kabarettszene des vergangenen Jahrhunderts. Sie sammeln seit langen Schallplatten, Dialoge, Texte und Noten aus dieser Zeit, wollen die Erinnerung daran wachhalten.

Am Wochenende gastierten sie mit bekannten und weniger bekannten Liedern, mit kleinen Stücken aus Schauspiel, Musical, Kabarettauftritten, Filmen und Hörfunksendungen von Ruedi Walter im vollbesetzten Kornhauskeller Frick. «Jässodu» ist eines der Lieder aus dem Schweizer Musical «Die kleine Niederdorf Oper», in der Ruedi Walter die Paraderolle des Bauern Heiri spielte. Eine berührend tragischkomische Figur. Er verkauft sein Kalb, haut das dafür eingenommene Geld mit leichten Mädchen und Schnaps auf den Kopf, was natürlich schiefgeht. Oder auch «Mir mag halt niemerd öppis gunne» aus dem gleichen Musical.

Erzählungen aus erster Quelle

Hautnah hatten die beiden Zürcher Komödianten den wunderbaren Volksschauspieler in Bild und Ton auf die Bühne geholt. Sie nahmen ihr Publikum mit in ihr Studio, liessen es teilnehmen an den Vorbereitungen zu diesem Programm, probten, liessen sich inspirieren, um das Drehbuch dafür zu erarbeiten. Legten ein uralte Schellackplatte auf, fanden den Faden und den richtigen Zeitgeist von damals.

Aus dem Musical «Stand uf chlini Stadt» sang Vetterli das gleichnamige Lied, fühlte sich wie zuhause «Am Bellevue», schmetterte mit Witz und umwerfenden Temperament das «Zürifäschtlied», tauchte ein in die grandios komische Kabarettnummer «Polizeistund» und «Badesaison». Pfeifend trieben beide Künstler ihren Ulk, holten alte Filmmusik zurück, verbrachten mit ihrem Idol Ruedi Walter «Ferien daheim», entfalteten dabei mit allergrösster Lust ihr umwerfend komödiantisches Talent.

Sie erzählten ein wenig aus Ruedi Walters Leben, seiner anfänglichen Schüchternheit in ganz jungen Jahren, seinem Sport- und Sprachtalent. Und da können sie aus erster Quelle schöpfen, beide haben seit langem enge Kontakte zur Familie des verstorbenen Volksschauspielers. «Dä Heiri hät es Chalb verchauft» sangen sie ausgelassen und ironisch, parodierten die Geberqualitäten von Spendern, gaben eine mitreissende Rock’n’Roll Einlage, waren jazzig, hatten fröhlich genussvoll einen «Monday Blues». Die Zuschauer waren restlos begeistert.

Zeitlos und hochaktuell

Was ist es eigentlich, was die beiden jungen Künstler an diesem alten Kulturgut fasziniert? Es ist, so ihre Antwort, die hervorragende Qualität der Texte und Noten, deren leichte und zugleich unglaubliche Natürlichkeit, sie sei zeitlos und damit hochaktuell.

Ruedi Walter war ein Superstar, ein überragender Charakterdarsteller, stets auf hohem Niveau, niemals unter die Gürtellinie gehend. Leichtfüssig spielte er gestrandete Existenzen, Spiessbürger oder Nervensägen und dem nie enden wollenden Traum der Menschen nach dem ganz grossen Glück.

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