Noch probt das Schauspielerensemble des Wiwa-Theaters für seine neueste Produktion, der Boulevardkomödie «Jakes Frauen» vom amerikanischen Erfolgsautor Neil Simon. Regie bei dieser Schweizer Erstaufführung führt das bewährte Team Anja Grimbichler und Martin Willi.

Derzeit wird intensiv gefeilt an Dialogen und Gesten, das Stück stellt hohe Anforderungen an das Können der Akteure. Sie müssen sich mental immer wieder neu orientieren zwischen den zwei Welten des Hauptdarstellers Jake, seiner selbst erschaffenen Fantasiewelt und der ungeliebten Wirklichkeit.

Sparsames Bühnenbild

Eindrücklich und einfallsreich dabei das sparsame und dennoch aussagekräftige Bühnenbild: in weiss die reale Welt von Jake, in schwarz das Areal seines lebhaften Kopfkinos. Jake (Martin Willi), ehemals ein angesehener Schriftsteller, hat beruflich schon längere Zeit nichts Vorzeigbares mehr zu Papier gebracht. So hat er sich frustriert in die spartanische Enge eines winzigen Arbeitszimmers zurückgezogen und tagträumt sich dort in ein freundlicheres Dasein hinein.

Denn auch in seiner zweiten Ehe mit der beruflich erfolgreichen Meggy (Regina Erhard) ist mächtig Sand im Getriebe. Er fühlt sich bedroht von deren Ehrlichkeit. Äusserst ambivalent ist auch sein Verhältnis zu seiner Schwester Karen (Franziska Ebner), deren ständigen Einmischungen ihm gehörig auf die Nerven gehen –  die er aber dennoch häufig anruft und um Hilfe bittet.

Um diesem selbst herbeigeführten Dilemma zu entfliehen, schwelgt er in herrlichen Erinnerungen an seine früh verstorbene erste Frau Julie (Petra Obrist) und die gemeinsame Zeit mit Tochter Molly (Lara Essig, Linda Essig als zehnjähriges Kind, Kelly Schnetzler als erwachsene Tochter).

In der Einsamkeit seiner Fluchtburg verwischen mehr und mehr die Grenzen zwischen Wunschvorstellungen und Wirklichkeit. Er bastelt sich seine Frauen zurecht, legt ihnen Dinge in den Mund weit ab von deren wahren Persönlichkeiten. Doch selbst in seiner Fabulierwelt funktioniert das nicht wirklich, seine Frauen werden störrisch, widersprechen, sagen ihm, teils nett verpackt oder auch unverblümt, wie sie die Sachen sehen.

Lebhaft und kontrovers die Gespräche, in denen so manche schlimmen Verletzungen aus Kindertagen hochkommen und die auch in der Gegenwart nachwirken. Ironisch witzige Wortwechsel treffen punktgenau Jakes charakterliche Schwachstellen, emotionale Hilflosigkeit entsteht und die leise Ahnung, Wesentliches bewusst nicht wahrhaben zu wollen.

Berührend die Szene, als Meggy acht Jahre zurück Jakes Tochter zum ersten Mal begegnete, erfrischend die freundliche Offenheit, mit der Molly die Neue aufnimmt. Beklemmend die eisige Kälte zwischen Meggy und Jake im Heute, belustigend, wie der Männerheld mit Schwächen und Fehlern umgeht, die seine Psychologin (Amaris Wenzel) offen legt.

Einzig für seine Geliebte Sheila (Vanessa Ehrhardt, Manuela Mettauer) hat er scheinbar nichts an Strahlkraft verloren. Wie nur kommt er aus diesem Dilemma wieder heraus? Es ist eine Komödie, die nachdenklich macht, die mit Biss und Humor nichts an menschlicher Aktualität verloren hat.