Und dann passiert, was nicht passieren soll: Der Vogel wird im Landeanflug von einem Windstoss erfasst und stürzt unkontrolliert ab. Marcel Maurer und die beiden Piloten reagieren abgeklärt. «Das kann passieren. Die Steuerung des Vogels ist äusserst diffizil», sagt Maurer. Die beiden Piloten marschieren derweil los, um den Vogel zu suchen.

Am Dienstagmorgen stellen Marcel Maurer, CEO der Zürcher Firma Eagle Eye Multicopter Services GmbH, und der Kaiseraugster Gemeinderat Jean Frey in der «Liebrüti»-Siedlung den «Robird» vor. Es ist ein Robotervogel mit den Massen und dem Aussehen eines Falken. Er soll die Krähen in der Siedlung vergrämen.

Kaiseraugst kämpft seit Jahren mit dem Problem. Immer wieder sorgen die vielen und vor allem lärmigen Krähen bei den Anwohnern für Ärger. Seit letztem Sommer wurden bereits mehrere Massnahmen umgesetzt, um die Krähen zu vertreiben und dezimieren. So wurden etwa Krähen geschossen, Baumkronen zurückgeschnitten und Nester entfernt.

Drohnen-Falke gegen Krähenplage

Drohnen-Falke gegen Krähenplage

Die Bewohner des Liebrüti-Quartiers in Kaiseraugst kämpfen zur Zeit mit einer Krähenplage. Nun will die Gemeinde die Vögel mit der sogenannten „Robird“ verscheuchen. Tele M1 fragt nach, ob die fliegende Vogelscheuche funktioniert.

Bei Krähen gibt es bis jetzt keine Erfahrungswerte

Auch ein Falkner war mehrmals mit seinen Raubvögeln in der Siedlung unterwegs. Allerdings mit mässigem Erfolg. «Die Falkenflüge haben keine permanente Vergrämung bewirkt. Die Krähen sind intelligent und gut organisiert», sagt Jean Frey. Einzelne Krähen hätten die Flüge von den Dächern der Hochhäuser beobachtet und nach Beendigung den Schwarm zurückgerufen. Auch seien die Raubvögel teilweise angegriffen und so ihrerseits vertrieben worden.

Jetzt also soll der Roboter schaffen, was seine echten Vorbilder nicht geschafft haben. «Der ‹Robird› wird weltweit an verschiedenen Flughäfen gegen Vogelschlag eingesetzt, und das sehr erfolgreich», sagt Maurer. Allerdings: Bei Krähen, die in einer Siedlung leben, gibt es keine Erfahrungswerte. «Was wir hier machen, ist ein Versuch», so Maurer. Während dreier Wochen wird der «Robird» in Kaiseraugst nun dafür eingesetzt.

Rund ein dutzend Mal am Tag soll der Robotervogel für einige Minuten fliegen. Die ersten Flüge zeigen: Die Krähen beobachten auch den Roboterfalken und greifen ihn teilweise an. Sie verziehen sich aber rasch, wenn sie merken, dass etwas nicht stimmt – sprich: dass es kein echter Vogel ist. «Es wird sich zeigen, wie sich das längerfristig entwickelt. Nach drei Wochen werden wir Bilanz ziehen», sagt Frey.

Einen «tiefen fünfstelligen Betrag» lässt sich die Gemeinde den Einsatz kosten, so Frey. Daneben werden auch andere Massnahmen umgesetzt. So sollen noch in dieser Woche zwei Grünmulden mit Deckeln versehen und nach Ende der Schonzeit auch wieder Krähen geschossen werden. Frey hofft, dass «eine Kombination all dieser Massnahmen zum Erfolg führen wird».

Die Piloten haben den abgestürzten Robotervogel inzwischen in zehn Meter Höhe in einem Baumwipfel entdeckt. Er soll geborgen werden und nach einer Reparatur bald wieder fliegen können. Maurer ist für einen Ausfall vorbereitet: Er hat mehrere «Robirds» dabei, die er einsetzen kann und wird.