Kriminalität

Jahrelang ein Hotspot: Nun meiden Einbrecher das Fricktal – aber warum?

26-mal wurde in den vergangenen sieben Wochen im Fricktal in eine Wohnung eingebrochen – deutlich weniger als in anderen Regionen des Kantons. Symbolbild/Archiv

26-mal wurde in den vergangenen sieben Wochen im Fricktal in eine Wohnung eingebrochen – deutlich weniger als in anderen Regionen des Kantons. Symbolbild/Archiv

In den letzten Monaten war es ruhig im Fricktal, es wurden weniger Einbrüche verzeichnet als in anderen Regionen. Dies ist eine neue Entwicklung. Die Gründe für den Rückgang sind unklar.

Am Mittwoch wurden in Wohlen drei Männer aus Osteuropa verhaftet, bei denen mutmassliches Deliktgut gefunden wurde. Wenige Tage zuvor nahm die Kantonspolizei in Neuenhof vier Männer aus Italien und Albanien fest, die Einbruchswerkzeug mit sich führten und bei denen Schmuck und Bargeld – mutmassliches Deliktgut – gefunden wurde.

Aus dem Fricktal dagegen blieben derartige Meldungen seit Anfang Dezember praktisch aus. Einzige Ausnahme: Am Silvesterabend verhaftete die Regionalpolizei Unteres Fricktal am Bahnhof Rheinfelden zwei mutmassliche Kriminaltouristen. Blieb das Fricktal also in der Hochsaison der Dämmerungseinbrecher verschont?

20 Gemeinden blieben verschont

Tatsächlich war es in der Region eher ruhig, wie ein Blick auf die Zahlen der Kantonspolizei zeigt. Im Dezember wurden im politischen Fricktal 17 Einbrüche verzeichnet. Hinzu kommt ein weiterer in Effingen. Im Januar zählte die Kantonspolizei nach Angaben von Mediensprecher Bernhard Graser im Wohnbereich bislang neun Einbrüche.

Am meisten von Einbrechern heimgesucht wurde seit Anfang Dezember Rheinfelden (siehe Karte). Dort wurde fünfmal eingebrochen. In fünf Gemeinden wurden drei Einbrüche verzeichnet, sechsmal gab es einen Einbruch. 20 Gemeinden blieben in den letzten sieben Wochen ganz von Einbrechern verschont. Im Januar war Sisseln bislang ein kleiner Hotspot – alle drei Einbrüche wurden dort seit dem Jahreswechsel verübt.

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Neue Entwicklung

Die Zahlen aus dem Fricktal liegen derzeit deutlich tiefer als diejenigen in anderen Regionen des Kantons, wie Bernhard Graser sagt. Zum Vergleich: Allein im Bezirk Baden wurden im laufenden Monat bereits 25 Einbrüche verübt. Auch ein Blick auf die Jahresstatistik 2017 der Kantonspolizei zeigt, dass das Fricktal derzeit nicht zu den Einbruch-Hotspots gehört. Diese befinden sich vielmehr entlang der Achse Baden–Aarau–Zofingen.

Dass das Fricktal vergleichsweise tiefe Einbruchszahlen aufweist, ist eine neue Entwicklung. In den letzten 20 Jahren habe das Fricktal einen «traditionellen Hotspot im Einbruchsgeschehen» gebildet, sagt Bernhard Graser. «Dies daher, weil Kriminaltouristen über die A3 aus dem Elsass anreisten und vorzugsweise in Fricktaler Gemeinden entlang der Autobahn aktiv waren.»

Bereits vor einem Jahr stellte die Kantonspolizei aber fest, dass die Einbruchszahlen plötzlich deutlich tiefer lagen. Handfeste Gründe für diese Entwicklung kann Graser nicht nennen. «Wir können nur Mutmassungen anstellen.» Verschiedene Festnahmen von Kriminaltouristen belegten jedoch, dass vermehrt Banden am Werk waren, die ihr Unwesen ausschliesslich in den stark betroffenen Regionen wie dem Limmat- oder dem Wiggertal trieben. «Im Gegensatz dazu scheint sich die Einbruchsaktivität im Fricktal abgeschwächt zu haben», so Graser.

Dies ist umso überraschender, weil die Autobahn sonst «im Einbruchsgeschehen weiterhin eine zentrale Rolle» spiele, wie der Sprecher der Kantonspolizei sagt. Dies lasse sich anhand der kantonsweiten Hotspots klar nachweisen. Auch fricktalintern zeigt ein Blick auf die Karte, dass die meisten Einbrüche in Gemeinden verübt wurden, die in der Nähe einer Autobahnausfahrt liegen und damit Einbrechern einen kurzen Fluchtweg ermöglichen.

Entspannung blieb aus

In dieser Einbruchssaison machte die Kantonspolizei noch eine weitere Beobachtung, die nicht den Erfahrungen der Vorjahre entspricht. Nach dem Anstieg der Einbruchszahlen im Herbst schwäche sich das Einbruchsgeschehen zu Weihnachten normalerweise wieder ab, «um sich danach wieder auf normalem Niveau einzupendeln», sagt Graser. «Diese Entspannung blieb über den vergangenen Jahreswechsel erstaunlicherweise aus.» Kantonsweit sei man deshalb mit deutlich höheren Einbruchszahlen ins 2018 gestartet als im Vorjahr. «Wir sind allerdings zuversichtlich, dass sich die Situation nun wieder entspannen wird», so Graser. Die Bekämpfung der Einbruchskriminalität bleibe jedenfalls im Fokus der Kantonspolizei.

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