In Schupfart erschoss ein Jäger in einem Wohnquartier eine Katze, weil er sie für einen kranken Fuchs hielt (die az berichtete). Ein Wildtier darf ein Jäger laut Thomas Stucki, Leiter Sektion Jagd und Fischerei beim Kanton, in Wohngebiet erlegen, wenn es krank oder verletzt ist.

«Ich war überzeugt, das ist dieser kranke Fuchs – doch nachdem ich abgedrückt hatte, wurde mir fast schlecht»: Jäger Werner Erni tut es leid, dass Wuschel sterben musste.

«Ich war überzeugt, das ist dieser kranke Fuchs – doch nachdem ich abgedrückt hatte, wurde mir fast schlecht»: Jäger Werner Erni tut es leid, dass Wuschel sterben musste.

Herr Stucki, wann darf ein Jäger im Wohnquartier Schüsse abgeben?

Thomas Stucki: Ein Jäger darf Wildtiere in Wohngebieten schiessen, wenn er Hegeabschüsse vornehmen muss, das heisst, wenn er verletzte oder kranke Wildtiere erlegen muss. Ebenfalls darf er schiessen, wenn er die Zustimmung der Grundeigentümer hat beziehungsweise von den Anwohnern für einen Einsatz gerufen wird. Es gelten dabei die üblichen Vorgaben für die jagdliche Schussabgabe wie Sicherheit, Kugelfang, zugelassene Waffe, Munition und Distanz.

Wie oft kommt es im Aargau zu Zwischenfällen, in denen ein Haustier getroffen wird?

Das kommt sehr selten vor. In diesem Jahr gab es jedoch zwei Fälle – das ist aber eine grosse Ausnahme.

Welche Handhabe hat der Kanton bei Verstössen gegen das Jagdreglement?

Verstösse gegen das Jagdrecht werden verzeigt. Zuständig sind die kantonalen Strafverfolgungsbehörden.

Was passiert, wenn Sie von einem Zwischenfall erfahren?

Wir klären den Sachverhalt telefonisch ab, um über den Fall im Bild zu sein. Das Verfahren selber läuft über die Polizei und die Staatsanwaltschaft.

Kann der Kanton ein Jagdpatent aberkennen?

Ja, gemäss Jagdgesetz des Kantons Aargau kann er das. Von der Jagd kann unter anderem ausgeschlossen werden, wer wegen Widerhandlung gegen das Jagdrecht bestraft worden ist oder wer die Voraussetzungen für die Ausübung der Jagd nicht mehr erfüllt.

Zwischenfälle wie jener in Schupfart führen unweigerlich zur Frage: Reicht die Ausbildung der Jäger aus?

Ja, es handelt sich um eine sehr anspruchsvolle und zeitlich aufwendige Ausbildung. Zudem führen der Kanton und der Jagdverband jährliche Weiterbildungen durch.

Wie häufig werden die jagdlichen Fähigkeiten überprüft?

Die Jäger müssen periodisch ihre Schiessfertigkeit nachweisen. Dieser Treffsicherheitsnachweis wurde letztes Jahr gesamtschweizerisch vereinheitlicht. Aktuell muss der Nachweis im Aargau spätestens alle vier Jahre erneuert werden. Es ist vorgesehen, diese Frist zu verkürzen.