Die Kantone Aargau, Solothurn und Baselland führen jährlich den Nordwestschweizer Jagdhundetag durch. In diesem Jahr findet er am 17. März im Kanton Aargau, auf der Pferderennbahn im Aarauer Schachen, statt. Organisiert wird er von Dr. Peter A. Widmer aus Wittnau. Er ist seit über 25 Jahren für das Hundewesen im Aargauischen Jagdschutzverein zuständig.

Seit 20 Jahren züchtet Widmer Spaniels, und gemeinsam mit Ehefrau Edith führt er das Tierferienheim Fürberg in Wittnau. Das Leben mit Tieren ist somit wesentlicher Teil seines Alltags. Zudem ist der fast 65-jährige Peter Widmer seit frühester Jugend ein leidenschaftlicher Jäger. «Kann ein Jäger ein wirklicher Tierfreund sein?» Diese Frage drängt sich Widmers Gegenüber fast automatisch auf. «Ist das nicht ein klarer Widerspruch?» – «Ein Widerspruch? Keineswegs», antwortet der Wittnauer.

Als Tierfreund wie als Jäger setzt er sich nämlich auch intensiv mit der Lebensweise der gejagten Tiere auseinander. «Jagen heisst zwar Beute machen, doch ist es genauso faszinierend, wenn mal nicht geschossen wird», so Widmer und erzählt von seinen spannenden Beobachtungen, die er etwa während stundenlangen Ausharrens auf dem Hochsitz immer wieder macht.

Nordwestschweizer Jagdhundetag

Der von den drei Kantonen Aargau, Solothurn und Baselland organisierte Nordwestschweizer Jagdhundetag – er findet am 17. März im Aarauer Schachen statt – dient eigentlich der Ausbildung werdender Jäger. Es ist aber auch jedermann als Besucher willkommen, der sich für Jagdhunde und die Arbeit mit ihnen interessiert. Somit ist die Veranstaltung auch ein wichtiges Stück Öffentlichkeitsarbeit. Widmer, der ein vehementer Gegner von heuchlerischen Argumenten für die Jagd ist, betont denn auch: «Nur wenn wir offen und ehrlich mit der Jagd umgehen, können wir verstanden werden.»

Menschen seien ursprünglich Jäger und solche seien sie nach wie vor. Nur werde das vielfach unterdrückt oder in einer Vielzahl von Ersatzhandlungen ausgelebt. Und wer Aggressivität oder gar Brutalität auskosten wolle, habe auf der Jagd nichts verloren. Dafür seien bestimmte Sportarten oder das digitale Netz bei weitem besser geeignet.

Urtrieb des Menschen

«Stimmt es, dass Jäger Aufgaben und Interessen der Gesellschaft wahrnehmen?» Widmer bejaht spontan, führt jedoch gleichzeitig aus, dass Jäger dies tun, weil sie gerne jagen und nicht umgekehrt. Sein nächster Satz ist provozierend, vor allem aber absolut ehrlich: «Ich jage nicht, um zu hegen. Ich hege, um in einer möglichst intakten Natur jagen zu können. Ich lebe einen Urtrieb des Menschen kontrolliert aus. Nicht als Höhlenmensch, sondern als Mann des 21. Jahrhunderts.» Ein gewisses Mass an Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung sei unabdingbar bei der Jagdausübung.

Das Beste, um jagdkritischen Leuten Verständnis für das Jagen zu vermitteln, sei, sie mit auf die Jagd zu nehmen, weiss Widmer aus Erfahrung. Nur so liessen sich hartnäckige Vorurteile abbauen. «Ernsthaftigkeit und Professionalität muss man vorleben. Dabei darf selbst einmal etwas falsch laufen. Das versteht auch ein Jagdskeptiker, sofern man den Fehler offen und selbstkritisch eingesteht.»

«Welchen Stellenwert hat der Hund für den Jäger?» Darauf Widmer: «Früher war er in gewissen Kreisen nicht mehr als ein lebendes Werkzeug. Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert. Unsere Hunde sind bei der Jagdausübung und im Alltag zu echten Partnern geworden.» Wie wichtig Hunde für ihn persönlich sind, spürt der Zuhörer spätestens, wenn Widmer von seinen eigenen Vierbeinern spricht. Seine Stimme ist voller Respekt, Zuneigung und Stolz, wenn er von all den Fähigkeiten erzählt, die «Challenge», sein bald neunjähriger Vorstehhund, beherrscht.

«Zwei, drei Jahre Ausbildung, stetes Üben und regelmässige Einsätze braucht es, damit ein Hund zum verlässlichen Helfer und Begleiter bei der Jagd wird. Vor allem der enorme Zeitaufwand für die Ausbildung eines vielfältig einsetzbaren Jagdhundes führt letztlich dazu, dass es nicht allzu viele von ihnen gibt», so Widmer.