Was ihr angesichts der Nachricht genau durch den Kopf ging, will Astrid Becker nicht sagen. Es wäre wohl nicht druckreif. «Ich bin von der Geschichte schockiert», sagt die Präsidentin des Aargauischen Tierschutzvereins (ATs).

Die Geschichte: Katze «Wuschel» wurde vergangene Woche erschossen, als sie sich sonnte – im Garten des Einfamilienhauses der Besitzerfamilie. Der Jäger hatte die Katze für einen im Quartier gesuchten Fuchs gehalten. «Ein Jäger muss eine Katze von einem Fuchs unterscheiden können», sagt Becker. «Es kann doch nicht sein, dass eine Katze im eigenen Garten nicht mehr sicher ist.»

Ähnlich tönt es bei Peter Suter, Präsident des Vereins zum Schutz der bedrohten Wildtiere. «So kann und darf es nicht mehr weitergehen», sagt er und verweist damit auch auf einen Fall vom Frühjahr.

Damals tötete ein Jäger in Rothrist eine Katze, die in der Nähe des Waldes unterwegs war. Auch hier hatte der Jäger geglaubt, auf einen Fuchs zu schiessen. «Jägern, die eine Katze nicht von einem Fuchs unterscheiden können, muss endlich konsequent das Jagdpatent entzogen werden», fordert Suter. «Das passiert aber praktisch nie. Das sind unhaltbare Zustände.»

Peter Suter empfiehlt der Halterfamilie, eine Schadensersatzforderung auf dem Zivilrechtsweg zu stellen. Im Fall von Rothrist habe dies funktioniert. Anfang Monat wurde bekannt, dass die Haftpflichtversicherung des Jägers der Besitzerfamilie eine Genugtuung in der Höhe von mehreren tausend Franken zahlt.

«Ich war überzeugt, das ist dieser kranke Fuchs – doch nachdem ich abgedrückt hatte, wurde mir fast schlecht»: Jäger Werner Erni tut es leid, dass Wuschel sterben musste.

«Ich war überzeugt, das ist dieser kranke Fuchs – doch nachdem ich abgedrückt hatte, wurde mir fast schlecht»: Jäger Werner Erni tut es leid, dass Wuschel sterben musste.

Fahrlässig oder vorsätzlich?

Im Fall Schupfart droht dem Jäger daneben eine Busse. Dann, wenn es zu einem Strafverfahren kommt. Das Jagdgesetz sieht bei Widerhandlungen gegen die Bestimmungen Bussen von bis zu 20 000 Franken vor.

Bei fahrlässigem Handeln wird eine Busse von bis zu 10 000 Franken ausgesprochen. «Die Staatsanwaltschaft wird beurteilen müssen, ob der Jäger hätte merken können, dass es sich nicht um einen Fuchs handelt», erklärt Thomas Hüssy, Rechtskonsulent des Aargauischen Jagdschutzvereins (AJV).

Auch beim AJV ist die Bestürzung im Fall «Wuschel» gross. «Ich konnte es gar nicht glauben, als ich davon hörte», sagt Geschäftsführer Erich Schmid. «Die Sicherheit muss das oberste Gebot sein. Das predigen wir den Jägern.» Trotzdem wolle er sich zuerst vom betroffenen Jäger selbst die Geschichte erzählen lassen. «Vielleicht gibt es eine Erklärung für die Schussabgabe», so Schmid.

Erklärung oder nicht – Astrid Becker vom ATs mahnt die Jagdgesellschaften, aus dem Vorfall zu lernen. «Jeder macht Fehler. Aber ein Schuss ist endgültig. Das lässt sich nicht mehr rückgängig machen.» Deshalb sei es besonders wichtig, dass Jäger bei jeder Schussabgabe zwei- oder dreimal überlegten und schauten, was ihr Ziel sei und ob eine Schussabgabe sicher sei, so Becker.

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