Kaisten
Ja zur Überbauung und zur Begegnungszone

Die Neugestaltung Mitteldorf sorgte für Diskussionen an der Kaister Gemeindeversammlung. Am Ende stimmten die Anwesenden dem Geschäft aber deutlich zu.

Marc Fischer
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Im Kaister Mitteldorf entstehen drei neue Mehrfamilienhäuser (links mit grauen Dächern) und ein Dorfplatz mit Begegnungszone

Im Kaister Mitteldorf entstehen drei neue Mehrfamilienhäuser (links mit grauen Dächern) und ein Dorfplatz mit Begegnungszone

Visualisierung zvg

«Wir haben eine fast einmalige Chance. Nur wenige Gemeinden können im Dorfzentrum heute noch aktiv mitgestalten.» Mit diesen Worten warb Gemeindeammann Franziska Winter für das «Haupttraktandum» der Kaister Gemeindeversammlung. Im Mitteldorf sollen drei Mehrfamilienhäuser mit Autoeinstellhalle und ein Dorfplatz mit Begegnungszone entstehen.

Der Gemeinderat beantragte deshalb, drei Parzellen (ehemals Bäckerei Ackermann) für 451 000 Franken an die JKB Immobilien AG in Frick zu verkaufen, eine Teilfläche für 240 000 Franken zurückzukaufen und darauf für 577 000 Franken einen Dorfplatz mit Begegnungszone zu gestalten. «Dies ergibt Nettoinvestitionen von 366 000 Franken» hiess es in der Vorlage des Gemeinderats. Ein Satz, der Gegner auf den Plan rief. Ein Votant monierte, diese Zahl sei nicht transparent, schliesslich habe man die drei Ackermann-Parzellen erst vor wenigen Jahren, für knapp 500 000 Franken erworben.

SVP auf verlorenem Posten

Auch die SVP kämpfte gegen die Vorlage. «Acht Parkplätze sind zu wenig Gegenwert für so viel Geld», begründete Ortsparteipräsident Oliver Strebel und warb für eine Ablehnung des Geschäfts. Gleichzeitig stellte er einen Änderungsantrag, um wenigstens «das grösste Übel», die Begegnungszone, zu verhindern. Diese erhöhe nämlich das Risiko, dass Fussgänger oder Velofahrer von Autos angefahren werden. «Wir wollen Leben retten. Wer der Begegnungszone zustimmt, ist mitschuldig, wenn jemand unters Auto kommt», schloss Strebel sein Votum im Namen der SVP.

Ein weiterer Kritiker monierte, mit dem vorliegenden Projekt halte sich der Gemeinderat nicht an geltende Bauvorschriften in der Dorfkernzone. Bei Privaten würden diese konsequent durchgesetzt, also müsse sich auch der Investor der Überbauung daran halten.
Gemeindeammann Franziska Winter antwortete auf die SVP-Kritik, es gehe um deutlich mehr als um acht Parkplätze, nämlich um die Gestaltung des Dorfzentrums. Weiter betonte sie, das vorliegende Projekt sei eine Vorstudie, die Details würden in der Ausführungsplanung festgelegt. Einen FDP-Input, für diese Detailplanung eine Arbeitsgruppe mit allen Parteien und Interessengruppen einzusetzen, nahm sie «gerne zur Prüfung entgegen».

Grosses Mehr für den Antrag des Gemeinderats

In der Abstimmung war der SVP-Änderungsantrag jedoch schliesslich chancenlos. Nur 16 der 143 Anwesenden stimmten dafür. Die gemeinderätlichen Anträge wurden dagegen mit grossem Mehr gutgeheissen. Schon bei der Sanierung der Unterdorfstrasse war die SVP mit einem Änderungsantrag unterlegen. Sie hatte gefordert, die sogenannte Ein- und Ausfahrtsbremse beim Dorfeingang – eine Art Verkehrsinsel, die Autofahrer zur Temporeduktion zwingt – , aus dem Projekt zu streichen. Doch auch hier folgten die Anwesenden mit grossem Mehr dem gemeinderätlichen Antrag und stimmten den Gemeindeanteil der Sanierungskosten von rund 1,1 Millionen Franken zu.